Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten So läuft die Staren-Zählung beim Laatzener Nabu
Region Laatzen Nachrichten So läuft die Staren-Zählung beim Laatzener Nabu
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 19.05.2019
Christian Neben zählt in Laatzen-Mitte Stare. Quelle: Stephanie Zerm
Laatzen-Mitte

Christian Neben presst das Fernglas vor seine Augen und sieht zum Dach eines Wohnblocks an der Marktstraße. „Da fliegt gerade einer rein“, freut er sich und zeigt auf den kleinen schwarzen Vogel, der in einen Hohlraum unter dem Dach schlüpft. Dann malt Neben einen kleinen Kreis auf die Stelle, wo das Gebäude auf seinem Kartenauschnitt verzeichnet ist. Der Kreis bedeutet, dass dort ein Starenpärchen eine Höhle hat.

Christian Neben ist einer von 20 Ehrenamtlichen aus Laatzen und Umgebung, der dem Nabu bei der ersten Starenkartierung in Laatzen hilft. Mit der Aktion will der Naturschutzbund feststellen, wie viele Starenpaare es in Laatzen-Mitte und Grasdorf gibt. Denn bislang sind noch nie Daten darüber erfasst worden.

Grund dafür sind die stark sinkenden Staren-Bestände. 2018 hatte der Nabu den Star bundesweit zum Vogel des Jahres ernannt, um auf die Bedrohung der einst so häufig vorkommenden Vogelart hinzuweisen. Doch das war dem Nabu Laatzen nicht genug. Er rief die Aktion „Rettet den Star!“ ins Leben, mit der er auch in diesem Jahr auf die Notlage des kleinen Vogels hinweisen und zeigen will, wie man ihn und andere Singvögel unterstützen kann. Denn der Star steht für den Nabu stellvertretend für die Abnahme der Bestände bei eigentlich häufig vorkommenden Singvogelarten. Dazu bieten die Naturschützer unter anderem eine Nistkastenbauaktion sowie eine praktische Anleitung zu einer vogelfreundlichen Gartengestaltung an.

Nabu stellt Zahl der Brutpaare fest

Eine weitere Maßnahme ist die Kartierung der Vögel. „So können wir feststellen, wie viele Brutpaare es gibt und wo sie ihre Nester haben“, sagt Nabu-Mitarbeiterin Sabrina Schmidt, die die Aktion „Rettet den Star!“ ins Leben gerufen hat. Gefördert wird sie von der Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung.

Für die Kartierung hat Schmidt Laatzen-Mitte und Grasdorf in 20 jeweils rund ein Quadratkilometer große Gebiete aufgeteilt. Jeder Helfer hat eines davon zugewiesen bekommen. Dort soll er bis Ende Mai jeweils in der Morgendämmerung drei Begehungen vornehmen und nach Staren Ausschau halten. Die Ergebnisse der Kartierungen übergeben die Teilnehmer anschließend dem Nabu. „Wir werten sie dann aus“, sagt Schmidt.

„Stare können auch Hundegebell und Alarmanlagen nachmachen.“ (Sabrina Schmidt, Nabu Laatzen)

Bereits Ende März haben die ehrenamtlichen Starenzähler bei einem ersten Treffen erfahren, wie sie die Vögel erkennen können. „Das Gefieder ist schwarz mit metallischem Glanz und hat außerhalb der Balz weiße Tupfen“, erläutert Schmidt. Der Schwanz sei kurz und die Flügel bräunlich gefärbt. Geht man nach dem Gesang, wird es allerdings schwierig. „Denn Stare sind perfekte Stimmenimitatoren“, sagt Schmidt. „Sie können auch Hundegebell und Alarmanlagen nachmachen.“

Flügelform von Staren ist typisch

Für Christian Neben ist es kein Problem, einen Star zu erkennen. „Ich kenne die Vögel gut aus meiner Kindheit“, sagt er. „Ihre dreieckigen Flügel sind für mich das Haupterkennungsmerkmal.“

Wenn sie einen Star entdecken, kennzeichnen die Teilnehmer den Ort mit Datum, Uhrzeit und Wetterlage auf ihrer Gebietskarte. Dabei vermerken sie nicht nur die Anwesenheit des Vogels, sondern auch, was er getan hat. „Dafür benutzen wir acht verschiedene Symbole“, sagt Schmidt. Es gibt Zeichen für singende Männchen, Nistmaterial oder Futter tragende Altvögel, Altvögel auf Nahrungssuche, Jungvögel, Nester und Höhlen, zwei verschiedene Stare im Feld sowie für Kotballen und Eischalen austragende Altvögel.

Die meisten Stare hat Christian Neben am Wohnblock an der Marktstraße gegenüber dem Erich-Kästner-Schulzentrum entdeckt. „Dort nisten rund 20 Starenpaare unter dem Dach oder in der Fassade des Gebäudes“, sagt der 62-Jährige. Dreimal hat er sein Gebiet, das vom Erich-Kästner-Schulzentrum bis zur Marktstraße im Westen und zur Gutenbergstraße im Norden reicht, schon unter die Lupe genommen. Dazu war er ab 6 Uhr morgens jeweils eineinhalb Stunden unterwegs. „Ich bin das frühe Aufstehen gewohnt“, sagt der Alt-Latzener. Da er im Ruhestand sei, habe er Zeit, sich für den Natur- und Umweltschutz zu engagieren. „Dies halte ich gerade in der heutigen Zeit, wo viele Arten bedroht sind, für wichtiger denn je.“

Von Stephanie Zerm

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Besucher des Leine-Centers können seit Montag darüber abstimmen, wer den Publikumspreis beim diesjährigen Laatzener Kunstpreis erhält. Alle eingereichten Beiträge sind dort ausgestellt, am 25. Mai werden die Sieger gekürt.

16.05.2019

Bei einem Polizei- und Feuerwehreinsatz ist am Mittwochabend ein Mehrfamilienhaus in Alt-Laatzen evakuiert und ein 57-Jähriger aus seiner verqualmten Obergeschosswohnung gerettet worden. Der Mann hatte Essen auf seinem Herd vergessen, war eingeschlafen und hatte auch den Rauchwarnmelder überhört.

19.05.2019

Die Ideen für Fahrbahnverengungen auf der Erich-Panitz-Straße stehen vor dem Aus: Der Ortsrat Laatzen hat die Vorschläge sowohl für den Bereich vor dem Leine-Center als auch für den Abschnitt auf Höhe der AES eine Absage erteilt.

19.05.2019