Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Islamische Gemeinschaft lädt zu öffentlichem Abendgebet ein
Region Laatzen Nachrichten Islamische Gemeinschaft lädt zu öffentlichem Abendgebet ein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 29.05.2019
Die Gemeindemitglieder treffen sich zum Gebet in der Moschee. Laatzens stellvertretender Bürgermeister Ernesto Nebot Pomar (Vierter von links) besucht sie.
Die Gemeindemitglieder treffen sich zum Gebet in der Moschee. Laatzens stellvertretender Bürgermeister Ernesto Nebot Pomar (Vierter von links) besucht sie. Quelle: Tobias Lehmann
Anzeige
Grasdorf

Muslime in aller Welt und auch in Laatzen fasten dieser Tage, denn seit Anfang Mai und noch bis 4. Juni ist Ramadan. Um die Besonderheit des abendlichen Fastenbrechens deutlich zu machen und mit anderen zu teilen, hatte die seit 2010 in Grasdorf ansässige Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) vergangene Woche kurzfristig zu einem Tag der offenen Tür mit Freitagsgebet eingeladen. Laatzens stellvertretender Bürgermeister Ernesto Nebot Pomar ist der Einladung gefolgt und war einer der wenigen externen Gäste, die mit auf den Sonnenuntergang um 21.22 Uhr warteten.

Ramadan gelte als „der Sultan der elf Monate“, erläutert der neue Grasdorfer IGMG-Sprecher Ümit Törün beim Rundgang durch die Räume an der Hildesheimer Straße. Dem muslimischen Glauben nach verkündete in diesem Monat der Engel Gabriel dem Propheten Mohammed den Koran. Der neunte Monat des islamischen Kalenderjahres – dieses orientiert sich am Mond und ist etwa elf Tage kürzer als ein Sonnenjahr – stehe aber auch für die Gemeinschaft. Von den rund 100 IGMG-Mitgliedern aus Laatzen und Umgebung würden derzeit etwa 90 fasten, so Törün.

Gegen 20.15 Uhr sind die Mosche und der Innenhof noch weitgehend leer. Nur in der Küche wird gewirbelt. Gesundheitlich Beeinträchtigte oder auch Schwangere müssten nicht fasten, betont Törün: „Doch solange es irgendwie möglich ist, versuchen viele dabei zu sein.“ Der frühere Vorsitzende des Stadtelternrates weiß aus eigener Erfahrung, dass sogar Diabetiker mit meist strengem Ernährungsplan unter ärztlicher Begleitung tagsüber auf Essen und Trinken verzichten könnten. „Ich habe schon von einigen gehört, deren Zuckerwerte in dieser Zeit sogar besser als sonst sind“, sagt Törün, der einen Vergleich zur Tradition des Heilfastens zieht.

Die Idee sei, auf alle Genüsse zu verzichten, zu innerer Einkehr zu finden und an die Menschen in der Welt zu denken, die wirklich hungern müssen, sagt Törün. Der Fastende darf tagsüber nichts über den Mund zu sich nehmen, also weder essen, noch trinken oder rauchen. „Wir haben Kettenraucher, die rauchen elf Monate lang ein bis zwei Schachteln pro Tag und schaffen es diesen Monat, komplett darauf zu verzichten.“

Essen im Hof nach Sonnenuntergang

Als gegen 20.45 Uhr das Freitagsgebet in Grasdorf beginnt, ist der schmale Moscheeraum gut gefüllt: die Männer sitzen im vorderen Bereich, die Frauen dahinter. Als die Gläubigen wenig später auf den Hof treten, sehen sie dort die gedeckten Tische. Die Moschee sei mittlerweile zu klein, sagt der Grasdorfer IGMG-Vorsitzende Fahri Kurt, „doch solange es nicht regnet, ist es auf dem Hof auch gemütlich.“ Um 21.22 Uhr ist die Sonne wie vorhergesagt untergegangen – und das Essen beginnt.

„Begegnungen helfen, Vertrauen aufzubauen“, sagt der Sprecher des Regionalverbands der islamischen Gemeinde, Ahmet Ünal, der in seinem Grußwort ähnliche Formulierungen wie Laatzens stellvertretender Bürgermeister wählt. Auf der ganzen Welt würden unter angeblich religiösen Gründen furchtbare Gewaltakte verübt, so SPD-Ratsherr Nebot weiter – „doch das hat Gott nicht gewollt“. Die Moscheebesucher applaudieren.

Kurt und Törün versichern, dass sie nach Jahren der Zurückhaltung künftig häufiger zu öffentlichen Veranstaltungen einladen wollen: „Wir sind ein Teil der Laatzener Gemeinschaft und wollen dies auch zeigen“. Wenn die Einladungen dann auch noch frühzeitig ausgesprochen würden, könnten hoffentlich auch mehr Menschen kommen.

Abends essen die Mitglieder der Gemeinde gemeinsam im Hof der Moschee. Quelle: Tobias Lehmann

Von Tobias Lehmann und Astrid Köhler