Laatzen: Mehr Flexi-Kinder werden später eingeschult
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Nachrichten Kita oder Schule? Zwei Drittel der Flexi-Kinder in Laatzen werden später eingeschult
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Laatzen: Mehr Flexi-Kinder werden später eingeschult

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18:46 25.08.2020
Martina Burbulla, Leiterin der DRK-Kita an der Langen Weihe, spielt mit Maxim (von links), Aaron und Emma (alle 5). Quelle: Daniel Junker
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Laatzen-Mitte

Ob ein noch fünfjähriges oder gerade sechs gewordenes Kind eingeschult wird oder nicht, entscheiden nicht nur Schulen und Ärzte. Mit der 2018 vom Land Niedersachsen eingeführten Flexibilisierung des Einschulungsstichtags haben die Eltern das Recht, ihre zwischen dem 1. Juli und 30. September geborenen Kinder ohne Angaben von Gründen ein Jahr länger in den Kitas zu lassen. Wie sich zeigt, machen in Laatzen davon immer mehr Gebrauch. Betraf es anfangs nur jedes siebte sogenannte Flexi-Kind, sind es in diesem Jahr schon fast zwei Drittel. Stichproben in den Einrichtungen ergeben: Die Kitas begrüßen die Entwicklung, auch wenn die freien Plätze mit der Zeit knapp werden könnten.

Kita rät Eltern zu späterer Einschulung

„Wir sehen das nur positiv“, sagt Heike Holstein. Die Leitern der DRK-Kita Barmklagesweg in Ingeln-Oesselse kann sich noch an die Zeit erinnern, als sogar im September geborene Kinder eingeschult werden mussten und nur mit einem genehmigten Antrag in der Kita bleiben durften. „Das war schlimm“, sagt sie. Nun könnten die Eltern frei entscheiden, wenn sie das Gefühl haben, dass ihre Kinder noch zu jung für den Wechsel sind. Die Kita selbst habe Familien von im Sommer geborenen Kindern oft geraten, diese erst später einzuschulen, und tausche sich stets eng mit den Eltern aus. Von den acht Flexi-Kindern der Einrichtung, die fast alle im September Geburtstag haben, wird am Sonnabend nur eins eingeschult. Insgesamt wurden bei der DRK-Kita 30 Jungen und Mädchen verabschiedet.

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Wenn Kinder zu früh eingeschult werden, könne sich dies nachteilig auswirken, sagt Martina Burbulla, Leiterin der AWO-Kita an der Langen Weihe. Die sozio-emotionale Entwicklungszeit fehle Fünfjährigen nicht nur bei der Einschulung, sondern setze sich fort. Sie bleiben immer die Jüngsten in der Klasse. Dabei sei es gut und wichtig, auch mal zu den Großen zu gehören. Sie begrüße es, dass Kindern mehr Zeit gegeben werde, erst recht, wenn diese noch einen Sprachförderbedarf haben. Von 32 möglichen Schulkindern verließen nur 24 die Einrichtung. Die übrigen bleiben noch ein Jahr.

Die AWO-Kita an der Langen Weihe – hier ein Bild von der Feier zum 25-jährigen Bestehen, hat nur 24 von 32 möglichen Schulkindern in diesem Jahr verabschiedet. Quelle: Astrid Köhler

Von 90 Flexi-Kindern bleiben 59 in den Laatzener Kitas

Insgesamt verzeichnet die Stadt ein wachsendes Interesse der Eltern an freiwilliger Zurückstellung. Waren es im Jahr der Umstellung von 70 Flexi-Kindern nur zehn, die in den Einrichtungen blieben, sind es in diesem Jahr schon 59 von insgesamt 90 Kindern. Ihre Zahl verteile sich nahezu auf das gesamte Stadtgebiet. Die meisten gibt es aber in der städtischen Kita An der Masch (8), der kirchlichen Kita Im Park in Rethen (7) sowie den beiden erwähnten Einrichtung von DRK und AWO.

Auswirkungen auf die räumliche und personelle Situation in den Kitas gebe es derzeit nicht, teilte Stadtsprecher Bastian Wegener mit. „Zum 1. August konnten alle angemeldeten Kinder aufgenommen werden.“ Im Laufe des Betreuungsjahres könne es aber unter Umständen zu Engpässen zu kommen. Zumindest in Ingeln-Oesselse könnte es ab Frühjahr eng werden.

Kinder werden nach Schuluntersuchung zurückgestellt

Zusätzlich zu den Flexi-Kindern betreuen die Kitas auch jene Jungen und Mädchen weiter, bei denen es nach der schulärztlichen Untersuchung Einwände gab. In Laatzen sind dies nach Auskunft der Stadt mindestens 18, wobei am Dienstag von den Grundschulen in Grasdorf und Im Langen Feld noch keinen Informationen vorlagen. Elf Kinder wurden allein bei der Grundschule Pestalozzistraße zurückgestellt, sechs waren es bei der Grundschule Rathausstraße.

Axel Paulig, Leiter der Grundschule Pestalozzistraße, hält mehr Zeit für die Kinder vor dem Eintritt in die Schule für wünschenswert. Quelle: Katrin Kutter

Einige Eltern neigten dazu, trotz sinnvoller Gründe für eine Zurückstellung ihre Kinder auf jeden Fall einschulen zu lassen, berichtet Axel Paulig, Rektor der Grundschule Pestalozzistraße. Spätestens in der zweiten Klasse seien die Defizite dann so groß, dass die Klasse wiederholt werden müsse. Wie die Kita-Leiterinnen hält er mehr Zeit vor dem Eintritt in die Schule für wünschenswert. Es sei gut, dass dies immer mehr Eltern nutzten. Der Förderbedarf sei insgesamt groß, nicht zuletzt an seiner Schule, in der viele Kinder aus mehrsprachigen Elternhäusern kommen und wo die Familien oft nur über eingeschränkte finanzielle Mittel verfügten und ihre Kinder beim Lernen kaum unterstützen könnten.

Laatzen wartet auf zweiten Schulkindergarten

Der Schulkindergarten an der Pestalozzistraße, der bisher einzige seiner Art in Laatzen, bietet zwar weitere Fördermöglichkeiten, doch dort gibt es nur acht Plätze – mit Warteliste. Entlastung ist nicht zu erwarten. Die Grundschule Im Langen Feld habe zwar auch einen Antrag für die Einrichtung eines Schulkindergartens gestellt, teilte die Stadt mit, doch habe die Landesschulbehörde diesen mit dem Hinweis darauf abgelehnt, dass derzeit keine weiteren Einrichtungen genehmigt würden.

Von Astrid Köhler