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Region Laatzen Nachrichten Kinder nehmen Rehkitz mit nach Hause – nun ist es tot
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00:17 10.06.2019
Das kleine Rehkitz könnte noch leben, wenn es nicht von seiner Mutter getrennt worden wäre. Quelle: Sven Wenger/Stadtfeuerwehr Laatzen
Gleidingen

Am Ende kam alle Hilfe zu spät: Fast einen Tag lang haben Feuerwehrleute und ein Laatzener Tierarzt versucht, ein junges Reh zu retten, dem eine menschliche Begegnung zum Verhängnis geworden war. Kinder hatten das erst zwei Tage alte Rehkitz mit nach Hause genommen – ein für das Tier letztlich tödlicher Fehler.

Gefunden hatten die Kinder das Tierbaby bereits Ende Mai in der Gleidinger Feldmark, wie jetzt am Rande der Ortsratssitzung in Gleidingen bekannt wurde. Da kein Muttertier in Sicht war, gingen sie offenbar davon aus, dass das Kitz verlassen worden sei und nahmen es kurzerhand mit nach Hause. Zwar verständigten die Eltern sofort Polizei und Feuerwehr – aber die Tragödie für das Tierbaby konnten diese auch nicht mehr abwenden.

Laut Feuerwehr fand sich zunächst niemand, der das Kitz aufnehmen wollte. „Wir haben überall herumtelefoniert“, sagt Feuerwehrsprecher Gerald Senft. Aber keine der bekannten Anlaufstellen sei bereit gewesen, das Junge aufzuziehen. Die Feuerwehr sei sogar vergeblich mit dem Kitz zur Wildtierhilfe nach Soltau gefahren. Schließlich erklärte sich ein Laatzener Tierarzt bereit, sich um das junge Reh zu kümmern.

Tierarztfrau gibt alle zwei Stunden die Flasche

„Ich habe ihm die ganze Nacht über alle zwei Stunden eine Flasche mit Aufzuchtmilch für Ziegen gegeben“, berichtet die Ehefrau des Tierarztes, die bereits mehrere Wildtiere aufgezogen hat. In ihrem Wohnzimmer hatte die Laatzenerin dem nur ein Kilogramm schweren und sehr schwachen Kitz ein weiches Lager aus Decken bereitet.

Die Ehefrau des Laatzener Tierarztes hat dem zwei Tage alten Rehkitz in ihrem Wohnzimmer ein weiches Lager aus Decken hergerichtet. Quelle: privat

Am nächsten Tag schien es dem kleinen Rehbock zunächst besser zu gehen. Als gegen 16 Uhr der Tierretter der Laatzener Feuerwehr vorbeikamen, um zu sehen, wie es dem von ihm übergebenen Schützling geht, habe das Tier bereits versucht aufzustehen. Doch nur eine halbe Stunde später habe es eine Kolik bekommen. Obwohl ihr Mann das Kitz sofort tierärztlich versorgte, sei es kurz darauf gestorben. „Wir sind immer noch sehr traurig“, sagt die Laatzenerin, die sich bereits um die weitere Unterbringung des Rehs gekümmert hatte. „Da man Rehe, die mit der Hand aufgezogen werden, nicht wieder auswildern kann, sollte es mit etwa einem Jahr in ein Wildgehege ziehen.“

Mutterricke ist auch gefährdet

Zunächst wollte sich niemand um das zwei Tage alte Rehkitz kümmern. Quelle: Sven Wenger/Stadtfeuerwehr Laatzen

Nachdem die Kinder das Kitz längst mitgenommen hatten, sichteten Jäger auch das Muttertier. „Die Ricke hat in der ganzen Umgebung nach ihrem Kitz gesucht“, berichtet Tassilo Hahne, einer der drei Gleidinger Jagdpächter. Da die Ricke das Kitz noch gesäugt hat, kann es sein, dass sie an einem Milchstau stirbt, fürchtet die Laatzener Tierarztfrau.

Hahne warnt eindringlich davor, Rehkitze oder andere Wildtierbabys anzufassen. „Das bedeutet meist deren Tod.“ Wegen des menschlichen Geruchs nehme die Mutter ihr Junges dann nicht mehr an. Es sei zwar schon gelungen, Kitze mit der Hand aufzuziehen, dies könnten aber nur Experten. Da die Kleinen sich nur einer Bezugsperson anschließen, muss diese rund ein Jahr lang Tag und Nacht für das Jungtier da sein.

Jungtiere sollten in Ruhe gelassen werden

Junge Wildtiere benötigen laut Hahne keine menschliche Hilfe. Wenn die Kitze im Mai geboren werden und noch zu jung sind, um ihren Müttern zu folgen, verstecken diese ihren Nachwuchs. „Und zwar jeden Tag an einem anderen Ort“, ergänzt Jagdpächter Siegfried-Karl Guder. Vor natürlichen Feinden wie Füchsen und Greifvögeln seien Kitze in der Regel gut geschützt. „Sie haben in den ersten Lebenswochen noch keinen Eigengeruch und ducken sich bei Gefahr unbeweglich ins hohe Gras“, sagt Hahne. Auch wenn sie für Menschen meist nicht zu sehen sind, seien die Mütter in der Nähe.

Wer ein Rehkitz entdeckt, sollte sich laut Hahne unverzüglich und ruhig wieder von dem Tier entfernen. Auch andere Jungtiere wie Hasen, Füchse und Jungvögel sollten generell in Ruhe gelassen werden. Lediglich wenn ein Tier verletzt oder die Mutter verstorben ist, sollte die Polizei angerufen werden. Diese verständigt dann den zuständigen Jagdpächter, der sich um die Tiere kümmert.

Da sollten Sie tun, wenn Sie ein junges Wildtier entdecken

Hände weg: Wenn junge Wildtiere angefasst werden, nimmt die Mutter sie meist nicht mehr an. Die Aufzucht von Menschenhand ist kompliziert und zeitaufwendig. Wer es dennoch versuchen will, sollte sich die Unterstützung von Experten holen – und bei Rehkitzen gleich ein Jahr Urlaub nehmen.

Ruhig weggehen: Wer ein junges Wildtier entdeckt, sollte sich unverzüglich, aber ruhig wieder entfernen. Meist ist die Mutter gut versteckt in der Nähe und kümmert sich um ihren Nachwuchs.

Bei verletzten Tieren Hilfe rufen: Ist ein Jungtier verletzt oder die Mutter verstorben, sollte man die Polizei anrufen. Die Beamten verständigen dann den zuständigen Jagdpächter.

Von Stephanie Zerm

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