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Nachrichten Zuckerhaus: Expertin rät zu betreuten Taubenschlägen
Region Laatzen Nachrichten Zuckerhaus: Expertin rät zu betreuten Taubenschlägen
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00:16 01.04.2019
An manchen Tagen sammeln sich Hunderte Tauben auf dem Dach des Rethener Zuckerhauses. Almut Malone berät Menschen zum Umgang mit Wildvögeln. Quelle: Dorndorf/privat
Rethen

Auf dem Dach des Rethener Zuckerhauses sammeln sich fast täglich Dutzende, manchmal Hunderte Tauben – und verbreiten ihren Mist im umliegenden Wohngebiet. Wie lässt sich dem Problem begegnen? Wer müsste sich kümmern? Und was können Hausbesitzer selbst tun, die sich über Taubenkot auf ihrem Balkon ärgern? Mit der promovierten Tiermedizinerin Almut Malone sprach unser Redakteur Johannes Dorndorf.

In Rethen sammeln sich mehr und mehr Tauben auf dem Dach eines Gebäudes. Wie kommt es zu solchen plötzlichen, massenhaften Vermehrungen?

Es reicht oft schon, wenn ein Dachboden saniert wurde und damit ein Flächenbrutplatz wegfällt. Die Tauben schließen sich dann einfach dem nächsten Schwarm an – und vor Ort sieht es dann plötzlich so aus, als hätte der Schwarm zugelegt. An sich halte ich die Zahl der Tauben, die draußen leben, für relativ stabil beziehungsweise abnehmend. Das haben auch alle Zählungen ergeben.

Der Eigentümer ringt um eine Lösung. Welche Möglichkeiten hat er?

Das geht nur über Geburtenkontrolle – mit betreuten Taubenschlägen. Man kann die Tiere relativ leicht mit Futter anziehen und dann dort die Eier austauschen. Voraussetzung ist allerdings, dass Sie im weiteren Umfeld alle anderen Brutplätze effektiv verschließen. Aber das ist für eine einzelne Privatperson allein natürlich schwierig.

Wer müsste sich dann kümmern?

Im Grunde sind die Kommunen in der Pflicht, die ja auch für Hunde und Katzen überall Tiersammelstellen betreiben müssen und Tierheime unterstützen. Wenn ich Haustiere nicht auf der Straße haben will, hole ich sie dort weg. Bei Tauben gehört der Verschluss wilder Brutplätze und kontrollierte Ansiedlung dazu. Das Problem ist, dass dafür der politische Konsens fehlt - warum, ist mir ein Rätsel. In anderen Ländern prangern wir Straßenhunde und -katzen an, bei Tauben wollen wir das Elend nicht sehen.

Immerhin hat die Deutsche Bahn nun angekündigt, die Nistplätze im Brückenbauwerk der ICE-Trasse zu schließen. Der Eigentümer des Zuckerhauses denkt zudem darüber nach, Falken einzusetzen, um die Tiere zu vergrämen. Sind Raubvögel ein geeignetes Mittel?

Nein. Wenn ein Falke kommt, fliegen die Tauben kurz hoch, bleiben aber am Standort. Die Vögel verlassen nicht einmal ihren Taubenschlag, wenn ein Junghabicht hineingeht: Sie arrangieren sich mit dem Beutegreifer - die Standorttreue überwiegt.

Aber wird so nicht zumindest die Zahl der Tiere reduziert?

In Berlin wird die Taubenzahl einmal im Jahr komplett von Greifvögeln weggeschlagen. Das nützt aber nichts, weil jedes Tier, das stirbt, Ressourcen für andere frei macht: Es gibt bei Tauben einen großen Anteil an Nichtbrütern, die zum Beispiel gerade geschlechtsreif geworden sind. Die, die sich nicht durchsetzen können, warten auf einen freien Brutplatz. Wegnahmen werden meistens sogar durch höheren Bruterfolg überkompensiert.

Was kann ich tun, wenn ich Tauben von meinem Balkon oder meiner Terrasse vertreiben will?

Man kann zum Beispiel CDs aufhängen – oder längere Girlanden aus blinkenden Alu-Fransen. Das Entscheidende ist die Spiegelung: Wenn die Vögel etwas sehen, das sie nicht einordnen können, irritiert sie das.

Manche sprechen von Tauben abschätzig als „Ratten der Lüfte“. Geht von den Tieren eigentlich eine Gesundheitsgefahr aus?

Die gesundheitlichen Gefahren sind extrem gering, wenn Sie normale Hygieneregeln beachten – etwa nichts essen, auf das etwas draufgefallen ist. In den jährlichen Berichten zu Ansteckungen durch Tiere spielen Tauben, anders als zum Beispiel Hantaviren im Mäusekot, keine Rolle. Entsprechende Krankheitsbehauptungen von Schädlingsbekämpfern sind inzwischen sogar gerichtlich kassiert worden. Tauben fallen mangels realer Fälle nicht unter die Schädlingsverordnung.

Zur Person

Almut Malone ist promovierte Tiermedizinerin. Die 54-Jährige ist Vorsitzende des im Jahr 2004 gegründeten Avian Vogelschutz-Vereins in Berlin. Der Verein berät im Auftrag der Obersten Naturschutzbehörde Berlins Bürger im Umgang mit Wildvögel. Sie selbst betreibt zudem in Spandau und Charlottenburg eine Pflegesation und Volieren für Wildvögel und Tauben. Mit der Pflege von Wildvögeln beschäftigt sich Malone seit Ende der 90er-Jahre.

Von Johannes Dorndorf

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