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18:10 20.10.2019
Die Laienschauspieler der Doppeldorfbühne stehen am Sonntag zum letzten Mal bei der Aufführung des Stückes „Schau nicht unters Rosenbeet“ auf der selbst gebauten Bühne. Quelle: Daniel Junker
Ingeln-Oesselse

Die Vorstellung der Doppeldorfbühne dauert mehr als zweieinhalb Stunden. Das Publikum lacht, klatscht, schaut dem Treiben auf der Bühne aufmerksam zu. Dann schließt sich der Vorhang, kurz darauf tritt Stephanie Zebbedies noch einmal vor die Besucher. Die Regisseurin bedankt sich dafür, dass die Zuschauer der Laienschauspielgruppe aus Ingeln-Oesselse 21 Jahre lang die Treue gehalten haben. Das Publikum applaudiert kräftig, hier und da wischt sich jemand eine Träne aus dem Auge. Dann leert sich der Saal. Zurück bleiben leere Stühle und eine verwaiste Bühne, deren Kulisse von den Mitwirkenden der Doppeldorfbühne mit viel Liebe zum Detail selbst zusammengezimmert und vor 14 Tagen im Oesselser Dorfgemeinschaftshaus aufgebaut worden war.

Laatzener Laienschauspielgruppe verabschiedet sich mit den Aufführungen des Stücks „Schau nicht unters Rosenbeet“ im Oesselser Dorfgemeinschaftshaus von ihrem Publikum.

Ob eine solch aufwendige Produktion an dieser Stelle noch einmal zu sehen sein wird, ist fraglich: Nach 21 Jahren und 20 Stücken ist die Zeit der Doppeldorfbühne beendet. Mit ihrer letzten Produktion „Schau nicht unters Rosenbeet“ haben sich die zehn Darsteller und neun Helfer am Wochenende endgültig von ihrem Publikum verabschiedet. Am Sonntag gab die Laienschauspielgruppe ihre letzten beiden Vorstellungen – mit beeindruckendem Ergebnis. Denn bei der Aufführung der britischen Thriller-Komödie, die sich um eine Erbschaft und gleich mehrere Morde drehte, legten die zehn Schauspieler erneut eine mitreißende Spielfreude an den Tag.

Proben waren noch intensiver

Offenbar hat das Engagement der Akteure auch bei der 20. und letzten Produktion keineswegs nachgelassen. Im Gegenteil: „Wir haben uns ein sehr schweres Stück ausgesucht“, sagt Regisseurin Stephanie Zebbedies. „Wir wollten zeigen, dass wir noch etwas anderes spielen können als Klamauk.“ In diesem Jahr habe die Gruppe deshalb noch intensiver geprobt als je zuvor. Nach der Auswahl des Stückes im Februar begannen die Vorbereitungen mit wöchentlichen Proben, nach dem Aufbau der Bühne am 4. und 5. Oktober kam die Theatergruppe dann sogar täglich im Dorfgemeinschaftshaus zusammen.

„Wir haben seitdem keinen Tag pausiert und uns immer besser aufeinander eingespielt“, berichtet Zebbedies. Dass Souffleur Horst Fritz dennoch hin und wieder Textpassagen in Richtung Bühne flüstern musste, sei ganz normal. „Wir sind keine Profis und haben uns für unseren Abschied trotzdem ein sehr langes und anspruchsvolles Stück mit viel Text ausgesucht.“ Tatsächlich hätten die Akteure darauf zunächst zwiespältig reagiert.

„Ich war aber überzeugt davon, dass ich das unserer Gruppe zumuten kann.“ Der Erfolg gibt der Regisseurin recht: Am Ende erlebten die Besucher von der Generalprobe am Donnerstag bis zum Finale am Sonntag sechs stimmige Vorstellungen, die sowohl hinsichtlich der schauspielerischen Leistung als auch der hervorragenden Kulisse nichts zu wünschen übrig ließen.

Logistischer Aufwand ist zu groß geworden

Dass die Gruppe nicht weitermachen möchte, begründet Zebbedies insbesondere mit dem logistischen Aufwand. Die Kulisse gestaltet die Doppeldorfbühne seit jeher selbst, und sogar die Tribüne haben Schauspieler und Helfer unter hohem persönlichen Einsatz selbst aufgebaut. Die Gruppe habe dafür fast zehn Tonnen Material bewegen müssen. „Wir können das künftig aber nicht mehr leisten“, sagt Zebbedies.

„Die Produktionen sind über die Jahre sehr aufwendig und auch kostspielig geworden“, macht die Regisseurin deutlich. Allein in diesem Jahr habe der Bühnenbau rund 4500 Euro gekostet. Zudem hätten Bauleiter Thomas Grüner und Techniker Konrad Engelke ihren Rückzug angekündigt. Die Gruppe habe deshalb entschieden, einen Schlussstrich unter das Kapitel Doppeldorfbühne zu ziehen. „Unser Kind ist jetzt erwachsen. Es ist an der Zeit, es gehen zu lassen“, so Zebbedies. Eine abgespeckte Version habe die Gruppe nicht in Erwägung gezogen. „Das wollten wir uns und unserem Publikum nicht zumuten.“

Kein Erfolg bei Suche nach neuem Spielort

Da das Dorfgemeinschaftshaus als Spielort nur an einem Wochenende zu Verfügung stand und dort auch keine Bühnenelemente gelagert werden konnten, hatte sich die Gruppe bereits vor zwei Jahren nach neuen Örtlichkeiten mit fester Bühne umgesehen – allerdings ohne Erfolg. Seitdem habe sich die Gruppe auf den Abschied vorbereiten können. „Es ist völlig in Ordnung, wir sind nicht traurig“, hießt es – auch wenn zum Abschied doch noch Tränen flossen. Schließlich seien die Gruppenmitglieder auch privat eng miteinander verbandelt.

Einige Akteure werden wohl auch zukünftig auf der einen oder anderen Bühne zu sehen sein. Ab Januar 2020 treffen sich Zebbedies, Sonja Häßler, Rüdiger Rinkewitz, Christa Manthey sowie Monika und Horst Fritz beim Kunstkreis in Rethen – aber unter anderen Voraussetzungen. „Wir wollen uns völlig neu erfinden“, kündigt Zebbedies an. Ob die Gruppe sich mit Kammerspielen, Einaktern, einem Krimi-Dinner oder etwas ganz anderem beschäftigen wird, sei noch völlig offen. Nur eins stehe fest: „Es muss definitiv mit weniger Aufwand verbunden sein.“

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