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Region Laatzen Nachrichten Bufdi bei der Tafel: Beide Seiten profitieren von der Zusammenarbeit
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17:49 31.07.2019
Während des Bufdi-Jahres hat Ben Sommer alle Aufgaben mal übernommen: Lebensmittel holen, sortieren, ausgeben. Quelle: Katharina Kutsche
Laatzen-Mitte

Ein Praktikum machte Appetit auf mehr: Als Ben Sommer zum ersten Mal bei der Laatzener Tafel arbeitete, gefiel ihm das so gut, dass er zunächst als Ehrenamtlicher weitermachte und dann fragte, ob er nicht einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) dort absolvieren könne. Er konnte. Nun ist ein Jahr rum, Sommers Dienst endet in dieser Woche – und die Bilanz von beiden Seiten ist nur positiv.

Der Verein sei schon seit Jahren als Einsatzstelle für den BFD registriert, sagt die Tafel-Vorsitzende Dietlind Osterkamp. Aber obwohl man mehrere Einsatzmöglichkeiten genehmigt bekommen und es auch Bewerbungen gegeben habe, habe man den BFD tatsächlich nie genutzt: Es fehlte einfach an passenden, dauerhaften Aufgaben, die einen sogenannten Bufdi auslasten. Als dann Sommer auf sie zugekommen sei, habe sie sich noch mal damit beschäftigt und eingewilligt.

Der Einstieg bei der Tafel fiel leicht

Der 18-Jährige aus Grasdorf hatte 2018 seinen Realschulabschluss an der Albert-Einstein-Schule gemacht und brauchte eine Pause vom Lernen. Der BFD kam da sehr gelegen – zumal der Einstieg leichtfiel, schließlich kannte Sommer die Abläufe schon. „Die größte Umstellung war erst mal, jeden Tag von 8 bis 16 Uhr zu arbeiten“, so Sommer, „aber damit bin ich gut klargekommen.“

Und zu tun gab es genug: Die Laatzener Tafel, eröffnet 2008, versorgt in den Ausgabestellen in Laatzen, Hemmingen und Pattensen wöchentlich mehr als 1800 Menschen mit Lebensmittelspenden. Täglich müssen Geschäfte angefahren und Lebensmittel eingesammelt werden, auch die Ausgabe organisieren die Ehrenamtlichen. Sommer machte alles, fuhr bei den Touren mit, sammelte ein, räumte auf, putzte und sortierte – das alles in Vollzeit und für 178 Euro monatlich. Doch die Reaktionen der Kunden waren den Aufwand wert: „Ich mag es, Menschen zum Lächeln zu bringen.“

Anerkennung aus dem Freundeskreis

Für Sommer war das Jahr für seine persönliche Entwicklung wichtig. Er habe viel gelernt von den Älteren, vor allem über den Umgang mit anderen Menschen: „Früher wäre ich nicht so offen auf andere zugegangen.“ Er habe Verantwortung übernommen, auch das Verhältnis zu seinen Eltern habe sich parallel zu seiner Entwicklung positiv verändert. Und nicht zuletzt habe auch Sommers Freundeskreis Respekt gezeigt, dass er den BFD gemacht und durchgezogen habe.

Bufdi Ben Sommer und Dietlind Osterkamp, Vorsitzende der Laatzener Tafel, haben ein Jahr lang zusammengearbeitet. Quelle: Katharina Kutsche

Die bis zu 120 Ehrenamtlichen, die sich bei der Laatzener Tafel engagieren – Durchschnittsalter deutlich über 40 Jahre –, profitierten ebenfalls von der Zusammenarbeit mit Sommer. Gängige Vorurteile wie „Junge Menschen sind unpünktlich, faul und unzuverlässig“ sahen Skeptiker nicht bestätigt. Der 18-Jährige wurde als vollwertiges Mitglied im Team behandelt.

Tafel-Chefin kann sich Wiederholung vorstellen

Für den Grasdorfer geht es nun zurück in die Schule. Er wechselt am 15. August an die Ross-Schule in Hannover, um dort sein Fachabitur, Fachrichtung Gesundheit und Soziales mit Schwerpunkt Sozialpädagogik, zu machen. Bei der Tafel will er, je nach Stundenplan, weiter ehrenamtlich arbeiten. Für Osterkamp und ihr Team steht jetzt erst einmal der bereits mehrfach verschobene Umzug in die neuen Räume an der Hildesheimer Straße 227 an. Und bevor ein neuer Bufdi eingestellt werden kann, müsse auch die Finanzierung stehen. Grundsätzlich aber könne sie sich gut vorstellen, wieder jemanden zu beschäftigen, sagt Osterkamp: „Es ist schön zu wissen, dass jemand fest eingeplant werden kann.“

Bundesfreiwillige können auch älter sein

Den Bundesfreiwilligendienst (BFD) gibt es seit dem 1. Juli 2011. Er wurde gegründet, um die Aussetzung der Wehrpflicht aufzufangen – denn damit fielen auch die vielen Wehrdienstverweigerer weg, die als Zivildienstleistende bei sozialen Trägern, etwas in Jugendheimen, Behindertenwerkstätten, Rettungsdiensten und der Pflege, aushalfen.

Schon seit 1964 gibt es das Freiwillige Soziale Jahr, seit 2002 das Freiwillige Ökologische Jahr. Beide Dienste richten sich an Jugendliche und junge Menschen, die nicht älter als 26 Jahre sind. Der BFD dagegen ist auch für ältere Erwachsene offen, sie können ihn in Teilzeit absolvieren und alle fünf Jahre erneut antreten.

Unter dem Motto „Zeit, das Richtige zu tun“ werden mehrere Zehntausend Menschen pro Jahr zu sogenannten Bufdis. Sie sollen dem Allgemeinwohl dienen, unterstützen soziale Einrichtungen wie Krankenhäuser und Altenheime, arbeiten im kulturellen, ökologischen oder sportlichen Bereich – für mindestens sechs und maximal 18 Monate.

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