Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten An der Wohnscheibe fallen Fassadenteile auf den Fußweg
Region Laatzen Nachrichten An der Wohnscheibe fallen Fassadenteile auf den Fußweg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:25 03.11.2019
Damit die Patienten den Eingang im Erdgeschoss finden, hat Zahnärztin Olena Petrushanska einen Zettel an das Absperrgitter gehängt. Quelle: Stephanie Zerm
Laatzen-Mitte

Laatzens Zentrum scheint immer mehr zu zerfallen. Nach dem baufälligen Rathaus, das in den nächsten Jahren abgerissen und neu errichtet werden soll, bröckelt es jetzt auch gegenüber an der Wohnscheibe. Bereits Anfang Oktober hat die Deutsche Wohnen, der der Gebäudekomplex am Marktplatz seit 2013 gehört, die Galerie zwischen den Häusern 5 und 9 mit Bauzäunen für Passanten gesperrt. Teile hatten sich aus der Fassade gelöst und waren auf den Gehweg gefallen. „Die Sperrung war insofern eine notwendige Sofortmaßnahme“, sagt Unternehmenssprecher Marko Rosteck.

Die Hochhausgalerie am Marktplatz ist seit Anfang Oktober gesperrt. Passanten, die vom Obergeschoss des Leine-Centers oder der Marktstraßenbrücke zu Praxen und Wohnungen wollen, kommen nicht weiter.

Die Häuser 7 und 9 sind seitdem nur noch über das Erdgeschoss auf Marktplatzebene zu erreichen. Für die betroffenen Mieter in den elfgeschossigen Hochhäusern ist dies zwar nicht weiter problematisch. „Für uns ist es egal, ob wir von oben oder unten in das Haus gehen“, sagt Sinan Kertmen, der seit rund zehn Jahren in der Wohnscheibe lebt. Für Besucher der dortigen Praxen und Unternehmen sieht das allerdings anders aus. Denn viele haben bislang die Galerie als Eingang genutzt. „Einige unserer Patienten finden uns nun nicht mehr“, sagt Zahnärztin Olena Petrushanska, die Anfang Oktober die Praxis am Marktplatz 7 übernommen hat. „Sie rufen an und fragen uns, wie sie nun rein- kommen sollen.“ Manche Patienten blieben sogar ganz weg.

Problem für Gehbehinderte

Auch das Stadtteilbüro am Marktplatz 7 kann davon ein Lied singen. „Für manche der Ehrenamtlichen, die regelmäßig zu uns kommen, war das eine Umgewöhnung“, sagt Stadtteilmanagerin Maren Quell. „Der neue Weg über das Erdgeschoss musste erst mal gefunden werden.“

Problematisch ist die Sperrung der barrierefreien Galerie hauptsächlich für Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß sind und aus Richtung Taschenweg und Pocketpark zu den Praxen in der Wohnscheibe gelangen wollen. „Für mich ist es jetzt ein großes Problem, mit meinem kranken Hund zur Tierärztin am Marktplatz 9 zu kommen“, sagt eine Laatzenerin. Mit Hund und Rollator müsse sie nun eine Treppe hinabsteigen und auf dem Rückweg wieder hinauf. Um die Treppe zu umgehen, müsse sie einen großen Umweg auf der Galerie zurück in Richtung Pocketpark machen und denselben Weg noch einmal ebenerdig gehen, um die Robert-Koch-Straße zu überqueren.

Ein weiteres Problem sind die auf Galerieebene gesperrten Ein- und Ausgänge. Diese können für Besucher leicht zur Falle werden. Wichtig zu wissen: Bei der Wohnscheibe gibt es an jeder Hausnummer zwei Türen: Die eine führt zu den Fahrstühlen des elfgeschossigen Hauses sowie den jeweiligen Büros und Praxen auf Galerieebene. Die zweite Tür wiederum führt zum separat zugänglichen Treppenhaus.

Wer als Besucher zwischen Treppenhaus und Fahrstuhlbereich wechseln will und hinter wem die Tür ins Schloss fällt, der gerät unfreiwillig in ein „Gefängnis“ und sitzt fest. Den Weg zur Galerie versperrt der Bauzaun, und die Türen ins Gebäude sind von außen verriegelt, um Vandalismusschäden zu vermeiden. Nur die Mieter haben Schlüssel. Hinweisschilder, die Besucher im Gebäude auf die Sackgasse auf Galerieebene hinweisen, gibt es bisher weder an den Türen noch in den Fahrstühlen. „Uns war das Problem bislang nicht bewusst“, sagt Unternehmenssprecher Rosteck und kündigt an: „Wir werden überlegen, wie wir dies vermeiden können.“

Sackgasse und kein Hinweisschild: Wer das Gebäude auf Galerieeben verlässt, um zum Beispiel vom Praxis- und Fahrstuhlbereich zum separat zugänglichen Treppenhaus (rechts im Bild) zu kommen, sitzt mitunter in einer Falle. Die Türen lassen sich Außen nur mit Schlüssel öffnen. Quelle: Stephanie Zerm

Gerüsttunnel geplant

Die Eigentümerin Deutsche Wohnen will die Galerie so schnell wie möglich wieder begehbar machen. „Wir planen dazu, einen Gerüsttunnel aufzustellen, sodass Passanten dort wieder ohne Gefahr hindurch- gehen können“, sagt Rosteck.

Solche Gerüsttunnel sichern seit September bereits die komplette Rückseite des gesamten Gebäudekomplexes sowie die Unterführung an der Robert-Koch-Straße. Denn auch dort hatten sich Fassadenteile gelöst und waren auf die Straße gestürzt. Laut einem Mieter soll die Deutsche Wohnen diese sogar davor gewarnt haben, in der Unterführung zu parken, da die Autos von herabfallenden Teilen beschädigt werden könnten.

Wann die Galerie wieder geöffnet wird, steht laut Rosteck allerdings noch nicht fest: „Wir können nicht genau sagen, wann die Gerüsttunnel aufgestellt werden.“ Diese sollen nur eine Übergangslösung sein.

Auch an der Rückseite des Gebäudes sind Fassadenteile herabgefallen. Sie ist komplett mit einem sogenannten Gerüsttunneln gesichert. Quelle: Stephanie Zerm

„Wir haben die Fassade inzwischen eingehend untersuchen können“, sagt Rosteck. „Mit dem Ergebnis, dass eine komplette Sanierung notwendig ist.“ Dies könne jedoch lange dauern. Zwar wolle die Deutsche Wohnen Planung und Beauftragung der Sanierung schnellstmöglich vornehmen. Angesichts der Größe der Baumaßnahme und der Auslastung der in Frage kommenden Handwerksbetriebe sei jedoch ehrlicherweise von einem längeren Zeitraum auszugehen. Größere Baumaßnahmen zur Umgestaltung des Komplexes mit insgesamt 135 Wohneinheiten hatte das Unternehmen zwar ohnehin geplant – allerdings erst in mehreren Jahren, wie Jeanette Pietsch, Leiterin des Servicepoints der Deutschen Wohnen in Hannover, im Februar 2019 bei einer Sitzung des Laatzener Ortsrats erklärt hatte. Die Umgestaltung, für die es laut Pietsch schon mehrere Architektenpläne mit verschiedenen Gestaltungsvarianten – mit und ohne Galerie und den dazugehörigen Treppenaufgängen – gebe, wolle die Deutsche Wohnen eng mit der Stadt Laatzen abstimmen. Diese arbeitet zurzeit an einem Entwurf für den Marktplatz, auf dem der Neubau des Rathauses entstehen soll. In etwa drei bis vier Jahren sollen dafür die ersten Pläne vorliegen.

.

Lesen Sie auch:

Neues Rathaus: Stadt will 2020 Architektenwettbewerb starten
„Es ist in allem eine Katastrophe“

Von Stephanie Zerm

Ein 53 Jahre alter Pattenser ist am Freitagabend auf einem Zebrastreifen von einem VW Touran angefahren und schwer verletzt worden. Der Mann kam in ein Krankenhaus. Die Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen die 57-jährige Autofahrerin aus Laatzen.

03.11.2019

Vor 30 Jahren erlebte die DDR eine friedliche Revolution, die zum Mauerfall und zur Wiedervereinigung geführt hat. An die damaligen Ereignisse erinnert ab Montag eine Ausstellung im Leine-Center, am Donnerstag folgt ein Vortrag des Leipziger Pastors Sebastian Führer.

02.11.2019

Die Lichtdesignerin Claudia Wissmann (55) läuft aktuell mit Anwohnern durch Laatzen-Mitte, um unter anderem „Angstecken“ auf den Grund zu gehen und Ideen für die Stadtplanung zu sammeln. Im Interview spricht sie über die Dunkelheit, und warum nicht alle vor ihr Angst haben.

01.11.2019