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Region Laatzen Nachrichten Die Nesthocker sind endlich flügge geworden
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00:16 16.07.2017
Die zwei Alt-Störche sitzen allein auf dem Nest. Ihr Nachwuchs ist zum ersten Mal ausgeflogen.
Die zwei Alt-Störche sitzen allein auf dem Nest. Ihr Nachwuchs ist zum ersten Mal ausgeflogen. Quelle: Stephanie Zerm
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Alt-Laatzen

Dass die Trennung von Mama und Papa manchmal schwerfällt, kennt man ja vom menschlichen Nachwuchs: Das Nest ist schließlich gemacht und Essen gibt's umsonst. Ähnlich schien es in diesem Jahr auch den Alt-Laatzener Jungstörchen ergangen zu sein. Die bereits im April geschlüpften Tiere waren eigentlich längst überfällig flügge zu werden - doch sie blieben.

Die Alt-Laatzenerin Gabriele Spors, die die Tiere von ihrem nahe liegenden Garten aus oft beobachtet, hatte schon befürchtet, dass den Tieren deren verdrecktes Gefieder Probleme bereiten könnte. "Die gleichaltigen Grasdorfer Störche sind längst auf den Wiesen unterwegs", sagte Spors noch am Mittagabend. Würden die Alt-Laatzener Tiere möglicherweise sogar auf dem Nest verhungern, wenn die Eltern sie nicht mehr füttern? Am Donnerstag berichtete dann Storchenbeobachter Hans-Jürgen Körber, dass am Sonnabend ein verletzter Storch auf der gegenüberliegenden Wiese gefunden und in die Tierärztliche Hochschule gebracht worden sein soll. Hatte sich möglicherweise ein Elterntier verletzt?

Die Sorgen zerstreuten sich noch am selben Tag. Zur Mittagszeit war das Nest zum ersten Mal seit Wochen verwaist. Auf der nur wenige Meter entfernten Wiese gegenüber der Bowlingbahn machten sich die Jungtiere über die dortige Nahrung her - zur Freude etlicher Radfahrer und Spaziergänger, die dort stehen blieben und schauten. Und auch die Eltern sind unversehrt: Die genossen es offenbar, dass es jetzt wieder mehr Platz im Nest gab, besserten kleinere Schäden mit frischen Zweigen aus und klapperten im Duett.

Den etwas verschmutzten Anblick der Jungstörche erklärt sich der Weißstorchbeauftragte Reinhard Löhmer damit, dass die Elterntiere möglicherweise Silage oder Mist als Baumaterial in das Nest eingebracht haben: Bei Regenwetter hätten die im Nest sitzenden Tiere ihr Federkleid dann verunreinigt. "Aber das ist kein Verkleben", betont Löhmer - fliegen könnten die Tiere trotzdem.

Und auch Spätzünder seien nicht ungewöhnlich: "Der Zeitunterschied zwischen den Tieren kann schon zehn bis 14 Tage betragen", sagt Löhmer - manche Tiere blieben 60, manche aber auch schon mal über 70 Tage im Nest. Die laut Körber zwischen dem 22. und 24. April geschlüpften Tiere sind da allerdings trotzdem rekordverdächtig - um die 80 Tage haben die Tiere daheim verbracht.

Wenn nichts mehr hilft, haben die Eltern laut Löhmer übrigens ein letztes Mittel, um die Tiere endlich flügge zu machen: Irgendwann stellten sie die Fütterung ein.

Am Steinbrink ging's dann am Nachmittag übrigens wieder zurück auf den Horst: Als die Mägen gefüllt waren, flatterten die vier Geschwister wieder zum Nest, um nach der offenbar anstrengenden Suche ein Nickerchen einzulegen. Dabei achteten die Elterntiere scheinbar genau darauf, dass das Jungstörche-Quartett auch vollständig wieder zu Hause ankam. Eines der erwachsenen Tiere flog eigens zu der Wiese, auf der die Jungen zuvor gesessen hatten, und zog sich erst Minuten später wieder zum Nest zurück.

Von Johannes Dorndorf und Stephanie Zerm

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