Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Jedes dritte Kind in Laatzen ist arm
Region Laatzen Nachrichten Jedes dritte Kind in Laatzen ist arm
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:58 28.11.2018
 
  Quelle: Christian Charisius
Anzeige
Laatzen

Kinder in Laatzen wachsen in ärmeren Verhältnissen auf als in jeder anderen Umlandkommune von Hannover. Zu dieser ernüchternden Bilanz kommt der Bildungs- und Teilhabebericht der Region, der am Dienstagabend im Kinder- und Jugendhilfeausschuss der Stadt vorgestellt wurde. Die Stadt will dem mit der Bildung eines Runden Tischs gegen Kinderarmut entgegen treten.

Fast jedes dritte Kind unter 16 Jahren war nach Regionsangaben im vergangenen Jahr berechtigt, sogenannte Bildungs- und Teilhabeleistungen zu erhalten. Dazu gehören Bezieher von Sozialleistungen, aber auch Geringverdiener. Der Anteil liegt bei 32 Prozent, ein regionsweiter Spitzenwert: Außer Laatzen kommt sonst nur die Stadt Hannover auf diesen Anteil. In den Nachbarkommunen Hemmingen und Pattensen sind es jeweils 13 Prozent, in Isernhagen sogar nur 12 Prozent. Der Regionsdurchschnitt liegt bei 26 Prozent.

Um die sozialen Folgen für die Kinder abzufangen, gewähren Region und Jobcenter sogenannte Bildungs- und Teilhabeleistungen. Aus dem Topf werden unter anderem Klassenfahrten, Mensaessen, Schülerbeförderung, persönlicher Schulbedarf sowie Sprach- und Lernförderung bezahlt. Obwohl vor allem Kinder in Laatzen davon profitieren könnten, ist der Anteil derjenigen, für die die Zuschüsse gezahlt werden, relativ gering: So nahmen im vergangenen Jahr nur 78 Prozent der Familien solche Leistungen in Anspruch. In Kommunen wie Burgdorf, Gehrden, Isernhagen und Uetze waren es hingegen fast 100 Prozent.

„Wir haben ein Problem bei der Vermittlung“, sagt denn auch SPD-Ratsfrau Petra Herrmann bei der Ausschusssitzung am Dienstagabend. Sie frage sich, warum der Anteil der Antragsteller in Laatzen so deutlich niedriger liege als in vergleichsweise wohlhabenen Kommunen wie Isernhagen. „Das gibt uns zu denken.“ Marion Bode-Pletsch vom Stadtkitabeirat sieht die Schnittstelle unter anderem bei den Lehrern. Marina Müller vom Fachbereich Soziales der Region Hannover verwies darauf, dass das Thema bei einer Informationsveranstaltung für die Schulen und Kitas in Laatzen angesprochen worden sei. Immerhin: Von 2017 auf 2018 sei der Anteil der Leistungsbezieher von 72 auf 78 Prozent gewachsen.

Um die Situation grundsätzlich zu verbessern, beschloss der Ausschuss am Dienstag einstimmig die Gründung eines Runden Tischs gegen Kinderarmut. Die Initiative stammt von der Ratsgruppe SPD/Grüne/Linke. Zur der Runde eingeladen werden sollen alle Einrichtungen, Institutionen, Vereine und Verbände, die sich mit dem Thema befassen – mit dem Ziel der Verringerung von Kinderarmut. Unter andere könnten dabei die Kooperation der Aktiven verbessert werden, Programme und Maßnahmen zur Bekämpfung von Armut zusammengestellt und Vorschläge für die Politik und Verwaltung erarbeitet werden. Inbesondere müssten bestehende Programme bei Eltern bekannter gemacht werden.

Von Johannes Dorndorf