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Nachrichten Hildesheimer wünschen Radschnellweg nach Hannover
Region Laatzen Nachrichten Hildesheimer wünschen Radschnellweg nach Hannover
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00:15 01.03.2017
In Göttingen gibt es bereits Radschnellwege - wie dieser vom Göttinger Bahnhof zum Nordcampus der Universität. Quelle: Swen Pförtner
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Laatzen

Vertreter von CDU und SPD im Hildesheimer Kreistag sprachen sich dort gleichermaßen für eine derartige Verbindung von Hildesheim nach Hannover aus - wenn möglich über Laatzen. Die Verhandlungen mit der Region Hannover sowie den Städten Hildesheim und Sarstedt sowie der Gemeinde Giesen sollten in Kürze beginnen, hieß es in einem Beschluss des Ausschusses für Kreisentwicklung. Bis Räder rollen, dürften allerdings noch Jahre ins Land gehen - wenn es überhaupt je dazu kommt.

Das Ansinnen ist durchaus ehrgeizig. Denn ein Radschnellweg sollen mindestens vier Meter breit sein und möglichst wenige Kreuzungen aufweisen. Dadurch würde er sich stark von gängigen Radwegen entlang von Straßen unterscheiden - und mehrere Millionen Euro kosten. Zum Vergleich: Der vier Kilometer lange Radschnellweg in Göttingen zwischen Bahnhof und Nordcampus hat rund 1,6 Millionen Euro gekostet.

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Vorbild der Antragsteller ist der sogenannte „RS1“ im Ruhrgebiet. Der soll einmal über 101 Kilometer von Hamm nach Duisburg führen und 50. 000 Autofahrten pro Tag überflüssig machen. Bereits fertig sind allerdings erst zwei jeweils fünf Kilometer lange Abschnitte in Essen und Mülheim.

Was für die Hildesheimer Rad-Pläne zur Krux werden könnte: Der Landkreis müsste mit der Region Hannover zusammenarbeiten. Die plante seit Jahren drei solcher Radschnellwege – von Lehrte, Garbsen und Laatzen in die Landeshauptstadt hinein. Für den Landkreis Hildesheim wäre dabei das Laatzen-Projekt entscheidend, weil es sich über Sarstedt und Giesen bis Hildesheim verlängern ließe. Doch von diesen Plänen hat sich die Region vor einem Jahr vorerst verabschiedet. Sie befasst sich aktuell nur mit der 18 Kilometer langen Verbindung zwischen Hannover und Lehrte.

Das Problem mit Laatzen: Die Region weiß auch nach zwei Gutachten nicht so recht, wohin mit dem Weg. Eine zunächst favorisierte Trasse durch die Leinemasch läuft dem Naturschutz zuwider. Den Richtlinien für Fahrradschnellwege entsprechend müsste ein breites, versiegeltes und beleuchtetes Band durch das Naturschutzgebiet gezogen werden. Eine Genehmigung ist mehr als fraglich.

Zudem liegt die Strecke „abseits der großen Verkehrsachsen“, wie Regions-Sprecherin Christina Kreutz auf Anfrage läutert. Eine Route entlang der Hildesheimer Straße wiederum sei nur möglich, wenn dort abschnittsweise ein Fahrstreifen weniger für Autos zur Verfügung stünde – dafür gebe es derzeit „keinen Konsens“. Daher habe die Region das Projekt nicht weiter verfolgt.

In der Hildesheimer Kreispolitik herrscht indes die Hoffnung, dass die Hannoveraner ihre Pläne wieder aus der Schublade holen, wenn die Hildesheimer ernsthafte Anschluss-Pläne präsentieren.

Die Stadt Laatzen begrüße grundsätzlich die Hildesheimer Idee eines Radschnellwegs über Laatzen nach Hannover, sagt ihr Sprecher Matthias Brinkmann. Allerdings verweist auch er auf die ungelösten Probleme bei der Streckenfindung von Laatzen nach Hannover. Aktuell versuche die Stadt, im Rahmen ihres Verkehrsentwicklungsplans Maßnahmen zu entwickeln, die zumindest Elemente eines Radschnellwegs beinhalten und die Situation für Radfahrer auf dem Weg nach Hannover verbessern: "So eine Verbesserung entspricht dann aber nicht den geltenden Richtlinien für Radschnellwege."

Von Tarek Abu Ajamieh und Astrid Köhler