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Region Laatzen Nachrichten Heike Philipps gibt Verdienstkreuz zurück
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00:15 30.12.2018
Heike Philipps, ehemalige Vorsitzende der Laatzener Igelschutzinitiative, gibt ihr Bundesverdienstkreuz zurück. Quelle: Daniel Junker (Archiv)
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Grasdorf

 Heike Philipps, die ehemalige Vorsitzende der Igel-Schutz-Initiative (IGSI) in Grasdorf, will ihr Bundesverdienstkreuz am Bande zurückgeben, das sie 2016 erhalten hat. In einem offenen Brief an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und die Niedersächsische Staatskanzlei beklagt sie die fehlende Unterstützung für die 1984 gegründete und mittlerweile aufgelöste Laatzener Organisation. Politik und Verwaltungen würden sich „gewissermaßen schlicht der Aufgaben entledigen, die eigentlich in deren Zuständigkeiten lägen“, heißt es in dem Brief. Diese Aufgaben seien auf Ehrenamtliche abgewälzt worden. Sie wolle kein Verdienstkreuz eines Landes tragen, das die Werte der Natur nicht ehrlich schütze und achte.

Die Igelschutzinitiative habe sich immer wieder darum bemüht, Verantwortliche davon zu überzeugen, Habitate für den Igel Stück für Stück wiederherzustellen und Grünpflegekonzepte neu zu definieren. Diese Bemühungen seien „nicht gehört, geschweige denn ernst genommen“ worden, beklagt Philipps: „Man wollte und man will es gar nicht.“

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Mehrmals habe sich die Igel-Schutz-Initiative darum bemüht, den Status einer vom Land anerkannten Wildtierstation zu erlangen – ohne Erfolg. „Wäre unser Anliegen positiv beschieden worden, hätten wir dringend nötiges Personal aufstocken können und die ewigen Geldsorgen vom Tisch gehabt“, schreibt die langjährige IGSI-Vorsitzende. Sie ist sogar der Ansicht, das Anerkennungsverfahren werde nur Auserwählten zugestanden. „Gelinde gesagt, hat es den Anschein, dass hier Günstlingswirtschaft im Raum steht“, heißt es im Brief.

Mitarbeiterinnen waren permanent belastet

Die Mitarbeiterinnen der Igel-Schutz-Initiative seien aufgrund der fehlenden Anerkennung permanent belastet gewesen, führt Philipps weiter aus. Für eine „Zerreißprobe“ hätten die ausbleibenden Zahlungen des Vereins Aktion Tier geführt, der die Initiative jahrelang finanziell unterstützt hatte. Begründet worden sei dies mit Meinungsverschiedenheiten im IGSI-Vorstand. „Es blieb uns nichts anderes übrig, als den verbliebenen acht Mitarbeiterinnen zu kündigen, obwohl sich zu diesem Zeitpunkt noch mehr als 400 noch winterschlafende Igel im Haus befanden. Man ließ es darauf ankommen, dass die Tiere unversorgt bleiben.“ Nach der Vereinsauflösung im Juli 2018 sei ausgehandelt worden, dass Aktion Tier einen Teil der Belegschaft mit den alten Verträgen übernimmt. Letztlich sei aber nur eine Mitarbeiterin weiter im Igelzentrum beschäftigt.

Land weist Vorwürfe zurück

Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) weist die Vorwürfe zurück. Das Land habe bereits vor über 25 Jahren ein „flächendeckendes und funktionales Netzes privater und staatlich anerkannter Betreuungsstationen“ aufgebaut, sagt NLWKN-Sprecher Carsten Lippe. „Aktuell sind 22 Stationen nach dem Bundesnaturschutzgesetz anerkannt“, zwölf davon erhielten Zuwendungen in Höhe von 525.000 Euro. „Dies geschieht nach den klar definierten Grundsätzen zur Förderung staatlich anerkannter Betreuungsstationen.“

Bis auf wenige Ausnahmen – zum Beispiel Störche und Wölfe – könnten alle Stationen des Netzwerks mehrere Tierarten aufnehmen. Das NLWKN habe der Igelschutzinitiative den Status einer anerkannten Wildtierstation verweigert, weil sie nur auf eine Tierart beschränkt gewesen sei. „Auch die bereits gute räumliche Abdeckung des Großraum Hannovers durch das bestehende Netz an Betreuungsstationen war dafür ausschlaggebend“, sagt Lippe.

Der Verein Aktion Tier kann die Beweggründe für die Rückgabe des Bundesverdienstkreuzes ebenfalls nicht nachvollziehen. „Auch wenn sich Frau Philipps in den zurückliegenden Jahren häufig über die mangelnde Unterstützung des Landes beklagt hat, erachten wir den Schritt als wenig rational und zielführend im Sinne des Tierschutzes“, sagt Holger Knieling, Vorstandsvorsitzender von Aktion Tier im Igelzentrum. Da die ehemalige IGSI-Vorsitzende mittlerweile in Ungarn lebt, habe es in den vergangenen Monaten keinen Kontakt mit ihr gegeben. Es gebe auch keine Informationen darüber, ob unter ihrer damaligen Leitung ehrenamtliche Mitarbeiterinnen überbelastet worden sind. Der Verein könne „die Beweggründe beziehungsweise die subjektive Darstellung der Frau Philipps“ nicht weiter kommentieren.

Von Daniel Junker