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Nachrichten Laatzener blicken auf Bombennacht zurück
Region Laatzen Nachrichten Laatzener blicken auf Bombennacht zurück
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18:24 23.09.2018
Der AES-Lehrer Wilhelm Paetzmann fordert die Besucher der Gedenkfeier auf, das Leid anderer nicht aus den Augen zu verlieren. Quelle: Daniel Junker
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Grasdorf

Bei einem Gottesdienst in der St.-Marien-Kirche haben Zeitzeugen, Angehörige, Schüler und andere Laatzener auf die Ereignisse zurückgeblickt, die sich vor 75 Jahren in Grasdorf zugetragen haben. In der Nacht auf den 23. September 1943 wurden bei einem Bombenangriff der Alliierten große Teile von Grasdorf und Laatzen zerstört. Von den Fachwerkhäusern rund um die Kirche, in dem die Besucher sich am Sonnabend an die Katastrophe erinnerten, stand am Ende der Nacht nur noch etwa ein Viertel.

„Menschen wurden getötet, Häuser und Wohnungen zerstört“, blickte Pastor Burkhard Straeck zurück. Die bis dahin vollständig funktionierende Infrastruktur habe nach dem Angriff nicht mehr existiert. „Hoffnungen mussten begraben werden, Besitz war einfach weg.“ Beim Gottesdienst begrüßte Straeck einige Zeitzeugen der verhängnisvollen Nacht. Im Schulunterricht hatten einige von ihnen Jahre nach der Katastrophe ihre Erinnerungen an die Bombennacht aufgeschrieben.

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Drei dieser Zeitdokumente wurden am Sonnabend im Gottesdienst vorgetragen. Vorgelesen wurden sie von Schülern der Albert-Einstein-Schule (AES) aus dem Seminarfach „Erinnern statt vergessen“ unter der Leitung von Wilhelm Paetzmann. „Die Gedenkfeier ermöglicht Begegnung und einen Perspektivwechsel, indem wir ihre Erlebnisberichte oder die ihrer Mitschüler zu Wort kommen lassen, die sie als Kinder selbst geschrieben haben“, richtete Paetzmann des Wort an die anwesenden Zeitzeugen.

Die Schülerin Antonia Bold trug die Aufzeichnungen von Dörchen Heimbruch vor, die ihre Erinnerungen damals als Schülerin der fünften Klasse aufgeschrieben hatte. „Die Türen im Keller wackelten, das hörte sich schaurig an“, zitierte Bold aus dem Aufsatz. Drum herum habe es gebrannt. „Wir haben die Decken in Wasser getaucht und in den Hals gesteckt, damit wir noch etwas Luft bekamen. Eine Zeit danach stürmten wir aus dem Keller. Da sahen wir nur Feuer. Das halbe Dorf war in Brand.“ Auch das Haus der Familie sei bei dem Luftangriff zerstört worden. Tamer Tanman und Robin Fehlinger lasen im Anschluss die Berichte von Werte Engelke und Elli Heuer vor.

Paetzmann erinnerte daran, dass viele Menschen das Leid und die Not anderer ausblenden würden. „Lasst sie sich doch die Köpfe einschlagen – mich geht’s nichts an, hier bleibt alles beim alten“, zitierte der AES-Lehrer aus Goethes „Faust“. Es falle zusehends schwerer, sich die dunkle Seite der eigenen Geschichte zu vergegenwärtigen. Aus diesem Grund nahm Paetzmann den Gottesdienst zum Anlass, die Anwesenden in die Pflicht zu nehmen. „Wir brauchen keine Helden zu werden – aber was wir tun können, ist unser Herz zu öffnen für das Leid und den Schmerz Anderer.“ Auch Straeck sprach mahnende Worte: „Es kann heute keine andere Botschaft geben: Haltet den Frieden und arbeitet daran!“

Von Daniel Junker