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Region Laatzen Nachrichten Acht Laatzener Schüler treten bei Special Olympics an
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00:19 13.05.2018
Um Marlon (14) beim Weitsprung auf die richtige Flughöhe zu bringen, halten Sportlehrerin Katharina Schaper und Leichtathletin Johanna (15) ein gespanntes Seil in die Höhe. Quelle: Stephanie Zerm
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 Brian Munz konzentriert sich. Dann stößt er die vier Kilo schwere Kugel so weit auf den Ascheplatz, wie er kann. „Nicht schlecht“, lobt Sportlehrerin Katharina Schaper. Aber an seiner Technik muss der 14-Jährige offenbar noch etwas feilen. „Du musst die Kugel richtig stoßen und nicht werfen“, erklärt sie ihm. „Und du darfst anschließend nicht über den Balken treten, sonst wirst du disqualifiziert.“

Seit Herbst 2016 trainieren Brian und sieben weitere Schüler der Eberhard-Schomburg-Schule einmal in der Woche für die Special Olympics in Kiel, den größten Sportwettbewerb für Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung

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Vergangenes Jahr haben sie sich bei den Landesspielen in Hildesheim für die Teilnahme bei den nationalen Spielen in Kiel qualifiziert. Vom 14. bis 18. Mai gehen dort nun rund 4.600 Sportler aus ganz Deutschland in 19 verschiedenen Sportarten an den Start. Das Mindestalter liegt bei zwölf Jahren.

Fünf Schüler der Eberhard-Schomburg-Schule treten beim Leichtathletik an, zwei weitere beim Boccia und einer beim Tischtennis. Bereits am Sonntag, 13. Mai, fahren die acht Schüler mit vier Lehrern nach Kiel, wo sie die Woche über im Naturfreundehaus wohnen. 

Brian ist bereits das zweite Mal bei dem Wettbewerb dabei und hat schon Goldmedaillen im 1500-Meter-Lauf und im Kugelstoßen gewonnen. „In Kiel will ich auf jeden Fall wieder eine Goldmedaille holen“, sagt der 14-Jährige, der sich erneut für den 1500-Meter-Lauf und das Kugelstoßen qualifiziert hat.

Gold ist auch das Ziel von seinem Freund Marlon Rühling, der im Weitsprung und beim 100-Meter-Lauf antritt. Was die Special Olympics angeht, ist der 14-Jährige bereits ein alter Hase. Er ist bereits das vierte Mal dabei und hat schon mehrere Goldmedaillen errungen.

Am Montag hat er mit den anderen Leichtathletik-Olympioniken der Eberhard-Schomburg-Schule auf dem Sportplatz der Schiller-Oberschule in Sarstedt das letzte Training vor dem großen Wettkampf absolviert. Dabei hat ihm Sportlehrerin Katharina Schaper noch letzte Tipps für den Weitsprung und den Staffellauf gegeben, an dem er und Brian teilnehmen.

Aber auch der Nachwuchs bekam ein paar wertvolle Anregungen. Der siebenjährige Mahdi und der zehnjährige Raphael sind zwar noch zu jung für die Teilnahme an den Special Olympics. Gleichwohl trainieren sie schon dafür. Denn wenn sie zwölf Jahre alt sind, dürfen sie ebenfalls bei dem Wettbewerb antreten.

Eine Kennedy gründete 1968 Special Olympics – auch für Schwester

Die Special Olympics sind die weltweit größte Sportbewegung für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung. Die Wettbewerbe sind offiziell vom Internationalen Olympischen Komitee anerkannt und reichen von den Anerkennungswettbewerben auf Landesebene über die nationalen Spiele bis zu den Special Olympics World Games, die 2019 in den Vereinigten Arabischen Emiraten ausgetragen werden: in Abu Dhabi.

Gegründet wurden die Special Olympics 1968 von Eunice Shriver  (1921 bis 2009), einer Schwester des fünf Jahre zuvor ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy und die spätere Schwiegermutter von Arnold Schwarzenegger, die sich schon Lange für Behinderte stark machte. Ziel des Wettbewerbes Special Olympics sollte es sein, die Akzeptanz von Menschen mit geistiger Behinderung in der Gesellschaft zu verbessern. Shriver wusste aus der eigenen Familiengeschichte heraus, wie nötig dies war: Ihre ältere Schwester Rosemary (1918 bis 2005) galt von Geburt an als entwicklungsverzögert und leicht behindert. Sie wuchs zu einer lebenslustigen, musik- und sportbegeisterten aber auch eigensinnigen und schwer zu bändigen Erwachsenen heran, weshalb sich die Eltern wegen des Ansehens der Familie sorgten. Eine Anfang der 1940er Jahre eigenmächtig vom Vater veranlasste, medizinisch umstrittene Operation hatte dramatisch Auswirkungen auf den Gesundheitszustand der damals 23-jährigen Rosemary, die in ein Pflegeheim eingewiesen und fortan von Teilen der Familie, allen voran dem Vater, gemieden wurde. Auch John F. Kennedy soll sich erst 1960 öffentlich zu ihr bekannt haben.

Die Special Olympics finden alle zwei Jahre im Wechsel von Sommer- und Winterspielen statt, zuletzt 2015 in Los Angeles und 2017 in Österreich. Seit 2006 werden im Vierjahresrhythmus auch Wettbewerbe in Europa ausgetragen. 

Die Schirmherrschaft für die auf nationaler Eben jährlich organisierten Special Olympics 2018 in Kiel hat Elke Büdenbender übernommen, die Ehefrau von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Die Eröffnungsfeier beginnt am Montag, 14. Mai, um 18.30 Uhr in der Sparkassen-Arena in Kiel

Von Stephanie Zerm