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Region Laatzen Nachrichten Was bedeutet das Ergebnis für Laatzen, Herr Quasten?
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00:16 31.05.2019
Rückenwind auch für die Diskussionen in der Verkehrspolitik erhofft sich Laatzens Grünen-Vorsitzender Andreas Quasten. Quelle: Johannes Dorndorf
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Laatzen

Die Grünen haben bei der Europawahl in Laatzen das beste Ergebnis ihrer Geschichte eingefahren: 21,1 Prozent erhielt die Partei stadtweit, in Alt-Laatzen waren es sogar 24,8 Prozent. Was bedeutet dies für die künftige Ratsarbeit – und würde bei einem ähnlichen Kommunalwahlergebnis überhaupt das Personal ausreichen? Mit dem Grünen-Ortsverbandsvorsitzenden Andreas Quasten (46) sprach unser Redakteur Johannes Dorndorf.

21,1 Prozent bei der Europawahl – so viele Stimmen hat ihre Partei noch nie bei einer Wahl in Laatzen erhalten. Wie war die Stimmung bei Ihrer Wahlparty, als die ersten Hochrechnungen hereinkamen?

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Das kann ich gar nicht sagen, weil ich zu diesem Zeitpunkt noch als Wahlhelfer Stimmen ausgezählt habe. Aber auf jeden Fall haben die Ergebnisse auch später am Abend jedes Mal sehr viel Freude ausgelöst.

„Viele CDU-Wähler haben gesagt, diesmal wähle ich Euch

Wie erklären Sie sich die guten Zahlen?

Das Ergebnis ist zum einen bundestrendbedingt, das wurde schon bei den zustimmenden Reaktionen deutlich, die wir am Wahlstand bekommen haben. Aber auch Europa war diesmal vielen wichtig – und das, wofür die Grünen stehen: Klimaschutz, Umweltpolitik und die Verkehrswende. Das sieht man auch daran, dass wir auch in Ortsteilen wie Laatzen-Mitte Zustimmung bekommen haben, wo wir sonst nicht gut abschneiden: Ergebnisse um die 18 Prozent sind dort ein echtes Erfolgserlebnis.

Wie groß war der Einfluss der Fridays-for-future-Proteste und des Videos des
Youtubers Rezo
auf Ihr Ergebnis?

Ich glaube schon, dass beides eine Rolle spielte, auch wenn man das nicht in Prozentpunkten ausdrücken kann. Am Wahlwochenende haben uns mehrere Menschen am Stand darauf angesprochen, auch ältere Leute. Und wenn ich das Ergebnis der Juniorwahl am EKG ansehe...

... bei der die Grünen auf 42,8 Prozent kamen...

... ist das sehr bemerkenswert, das hat eine gewisse Aussagekraft. Viele Leute, mit denen wir in den letzten Wochen gesprochen haben, haben gesagt: Ich habe bislang immer CDU gewählt, diesmal wähle ich Euch.

Welche Folgen hat das für die Laatzener Ratspolitik? Werden Sie jetzt entschlossener auftreten?

Das stärkt uns natürlich den Rücken und macht uns selbstbewusster. Aber ich warne vor Hochmut und Häme gegenüber den anderen Parteien. Wir werden nicht versuchen, Maximalforderungen durchzusetzen, schließlich ist es immer noch ein Europawahlergebnis.

„Man darf sich von Kritikern nicht kirre machen lassen“

Gerade in der Verkehrspolitik gab es zuletzt viel Gegenwind – vor allem wegen des Radverkehrskonzepts im Verkehrsentwicklungsplan: Beim Infoabend der Grünen, aber auch in sozialen Netzwerken hagelte es Kritik, so dass Sie zuletzt im Ortsrat sogar die Vierspurigkeit der Erich-Panitz-Straße vor der AES mitgetragen haben.

Man darf sich nicht von einzelnen sehr lautstarken Kritikern, denen die Grünen generell ein Dorn im Auge sind, kirre machen lassen. Und im Ortsrat kam die einzige Enthaltung von Britt Wischhusen (Ortsratsmitglied der Grünen, d.R.). Richtig ist, dass wir mit dem Beschluss einen Kompromiss eingegangen sind. Denn ich finde es wichtig, wenn es gerade in der Verkehrspolitik nicht so harte Fronten gibt. Und wir werden mit dem Ergebnis im Rücken nicht in die totale Offensive gehen.

Was wäre, wenn Sie auch bei der nächsten Kommunalwahl so viele Stimmen bekämen? Hätten Sie dafür überhaupt genügend Personal? Beim letzten Mal traten Sie in Gleidingen ja mangels Kandidaten gar nicht erst an.

Bis dahin wahrscheinlich schon. Wir wachsen derzeit personell und sind jetzt 27 Mitglieder – vor einem Jahr waren es noch 19. Am Stand haben uns einige gefragt, wie die Grünen organisiert sind und ob man vorbeikommen kann. Wenn sich der Trend fortsetzt, werden wir auch genügend Leute haben. Über eine weitere Unterstützung würden wir uns natürlich freuen.

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Von Johannes Dorndorf