Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten „Man muss nicht immer vollständig abstinent sein“
Region Laatzen Nachrichten „Man muss nicht immer vollständig abstinent sein“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:39 08.07.2019
Katharina Hahnke und Benjamin Morgenstern bieten seit Mai eine Suchtberatung für Jugendliche und Erwachsene bei der Fachstelle Sucht und Suchtprävention des Diakonischen Werks Hannover am Kiefernweg 2 in Laatzen-Mitte an. Quelle: Daniel Junker
Laatzen-Mitte

Das Diakonische Werk Hannover hat in Laatzen eine neue Fachstelle für Sucht und Suchtprävention eingerichtet. Im Mai haben Katharina Hahnke und Benjamin Morgenstern die Räume am Kiefernweg 2 in Laatzen-Mitte bezogen. Seitdem können von Sucht Betroffene sowie deren Angehörige dort Rat bekommen. Unter anderem bieten die beiden Sozialarbeiter an jedem Donnerstag in der Zeit von 15 bis 17 Uhr eine Offene Sprechstunde an. Die Fachstelle hilft nicht nur bei Problemen mit Alkohol und illegalen Drogen, sondern auch bei immateriellen Süchten wie Glücksspiel oder Medienkonsum – das kann übermäßiges Surfen im Internet sein, aber auch Abhängigkeiten von Computerspielen oder Sozialen Netzwerken.

„Wir bieten Gespräche für Erwachsene und neuerdings auch für Jugendliche im Alter ab 14 Jahren an“, sagt der Sozialpädagoge und Sozialarbeiter Benjamin Morgenstern. Viele Jugendliche würden im Alter von 15 oder 16 Jahren erstmals in Kontakt mit Suchtmitteln geraten –insbesondere mit Alkohol und Cannabis. „Da machen sie ihre ersten Erfahrungen, die Probleme kommen dann meist erst etwas später.“ Und: „Wir sind hier von Schulen umgeben. Deshalb haben wir das Angebot auf Jugendliche erweitert.“

Sozialarbeiter unterstützen auch Angehörige

Die Sozialarbeiter sind ansprechbar für alle, die Schwierigkeiten mit Alkohol, Drogen, Medikamenten und anderen Süchten haben. Das Team unterstützt auch Angehörige, die nicht wissen, wie sie mit betroffenen Fanilienmitgliedern umgehen sollen. „Viele schämen sich, dass es ein solches Problem in der Familie gibt“, sagt Hahnke. Die Angehörigen würden der Situation oft hilflos gegenüberstehen. Morgenstern und Hahnke wollen sie dabei unterstützen, auf die Betroffenen zuzugehen. „Die Angehörigen müssen aber auch darauf achten, dass sie selbst nicht auf der Strecke bleiben, und sich notfalls auch abgrenzen können.“

Die beiden Experten sind neu in Laatzen: Morgenstern (41) hatte zuvor acht Jahre lang bei der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention bei der Caritas in Garbsen gearbeitet. Hahnke (31) war sieben Jahre lang als Sozialarbeiterin bei der Hannöverschen Aidshilfe im Fachbereich Drogen und Haft tätig. Im April haben sich die beiden bei der Hauptfachstelle an der Berliner Allee 8 in Hannover in ihre neue Tätigkeit eingearbeitet. „Wir haben einen Monat lang die Strukturen und Abläufe sowie das Qualitätsmanagements kennen gelernt“, sagt Hahnke. Beide Sozialarbeiter haben jeweils eine 30-Stunden-Stelle, die Fachstelle am Kiefernweg soll unter der Woche täglich von 9 bis 14.30 Uhr besetzt sein. Gespräche seien nach Absprache auch nachmittags möglich.

Termine können kurzfristig vereinbart werden

„Wir haben die Möglichkeit, kurzfristig innerhalb von einer Woche Termine anzubieten“, sagt Hahnke. In der Regel führen die Sozialarbeiter fünf bis sechs Gespräche mit den Betroffenen oder Angehörigen. In dieser Zeit sei es meist möglich, das Problem zu analysieren und weitere Schritte vorzubereiten. Dies könnten weitere Gespräche sein, aber auch eine Weitervermittling an Ärzte, in stationäre oder ambulante Therapien oder an Entgiftungseinrichtungen. „Wir können auch an Ehe- und Lebensberatungen, an Schuldnerberatungen und an Selbsthilfegruppen weitervermitteln“, sagt Morgenstern.

Neben der Beratung wollen die Sozialarbeiter auch Angebote zur Selbstkontrolle vertiefen. „Manchmal ist es möglich, dass der Konsum selbstkontrolliert organisiert wird. Man muss nicht immer vollständig abstinent sein“, so Hahnke. Die Sozialarbeiter wollen zudem eine Infogruppe etablieren, in der sie über Abhängigkeiten, Missbrauch, kontrollierten Konsum und andere Themen informieren. Die Gruppe wird sich voraussichtlich ab Herbst immer dienstags von 15.30 bis 16.30 Uhr treffen, Anmeldungen sind bei der Fachstelle möglich. Noch Zukunftsmusik ist die Vorbereitung auf Medizinisch-Psychologische Untersuchungen (MPU), die oftmals bei einem Führerscheinentzug nach Vergehen mit Drogen oder Alkohol notwendig wird. „Es geht allerdings nicht darum, die Fragen abzuarbeiten, die der Psychologe bei der MPU stellt“, macht Morgenstern deutlich. Primär sollten sich die Klienten in Einzel- oder Gruppengesprächen mit der Problematik von Suchtmitteln in Verbindung mit dem Straßenverkehr auseinandersetzen.

Das Angebot ist kostenlos

Das Angebot des Diakonischen Werks ist kostenlos, die Beratung sei bei Bedarf auch anonym möglich. „Wir bieten einen geschützten Raum und unterliegen der Schweigepflicht“, macht Hahnke deutlich. Zudem sei die Beratung nicht an eine Konfession gebunden. Die Fachstelle für Sucht und Suchtprävention am Kiefernweg 2 ist per E-Mail an suchtberatung.laatzen@dw-h.de sowie unter Telefon (0511) 827602 zu erreichen. Da Hahnke und Morgenstern bei laufenden Beratungsterminen nicht ans Telefon gehen, werden Interessierte gebeten, eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter zu hinterlassen.

Diakonisches Werk übernimmt Fachstelle vom Diakonieverband

Das Diakonische Werk hat das Angebot am Kiefernweg in Laatzen-Mitte vom Diakonieverband Hannover-Land übernommen. „Wir waren schon vorher die kleinere Fachstelle und haben sie nun in andere Hände gegeben“, sagt der Verbandsgeschäftsführer Jörg Engmann. Ein Grund für die Übergabe sei auch eine veränderte Personalsituation gewesen. „Die Leitung der Fachstelle hat uns nach vielen Jahren verlassen, und auch beim weiteren Personal gab es Veränderungen.“ Für einen Weiterbetrieb hätte der Diakonieverband die Fachstelle also neu aufstellen müssen. Deshalb sei für Januar 2019 eine Übergabe an das Diakonische Werk vereinbart worden.

Beide Einrichtungen hätten zuvor miteinander kooperiert, insbesondere in Sachen Qualitätsmanagement sowie im Bereich ambulante Therapien. „Wir haben auch weiterhin eine Zusammenarbeit vereinbart.“ Engmann glaubt, dass sich die Beratungssituation für die Klienten mit der Umstrukturierung eher noch verbessert. Zuvor wurden Menschen, die harte Drogen nehmen oder unter 21 Jahre alt waren, an andere spezifischere Fachstellen verwiesen. Der Diakonieverband betreibt allerdings weiterhin seine Fachstelle in Burgdorf. dj

Von Daniel Junker

Das Sommerfest der St.-Petri-Gemeinde hat sich diesmal richtig gelohnt: 2750 Euro haben Oliver Husnik und Marco Herbst mit dem Verkauf von Pasta und Prosecco erlöst. Von der Aktion profitieren Kinder und Jugendliche.

08.07.2019

Der Reformationstag ist sein letzter Arbeitstag: Am 31. Oktober scheidet Superintendent Detlef Brandes aus seinem Amt aus. Der Kirchenkreistag Laatzen-Springe hat mit der Nachfolgersuche begonnen, die Entscheidung fällt aber wohl erst 2020.

07.07.2019

Der Umsonstladen des Diakonieverbands in Laatzen unterstützt erfolgreich bedürftige Familien, muss aber Jahr für Jahr um die Finanzierung bangen. Jetzt geht es darum, dass die Einrichtung einen festen Etat bekommt.

07.07.2019