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Nachrichten Stadt feiert Jubiläum bei Festakt mit 400 Gästen
Region Laatzen Nachrichten Stadt feiert Jubiläum bei Festakt mit 400 Gästen
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22:13 22.06.2018
Festakt "50 Jahre Laatzen": Der Historiker Professor Carl-Hans Hauptmeyer hält den Festvortrag. Quelle: Astrid Köhler
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Laatzen-Mitte

In einem großen Festakt mit insgesamt rund 400 Besuchern hat die Stadt Laatzen am Donnerstag den 50. Jahrestag der Verleihung des Stadtrechtes gefeiert. Begleitet wurde der fast zweieinhalbstündige und von vielen Grußworten und Reden geprägte Festakt in der Albert-Einstein-Schule vom Musikkreis Laatzen.

Bürgermeister Jürgen Köhne begrüßte zahlreiche geladenen Gästen, darunter die Vertreter der Partnerstädte Grand-Quevilly und Guben/Gubin, die Holocaust-Überlebenden und Laatzener Ehrenbürger Salomon Finkelstein und Henry Corman sowie Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung. Innenminister Boris Pistorius musste kurzfristig absagen, woraufhin Köhne dessen Grußwort schriftlich verlas.

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Unter den Rednern, die selbst ans Mikrofon traten war der Regionspräsident und frühere Laatzener Bürgermeister (1996 bis 2006) Hauke Jagau: „Laatzen ist wegen seiner verschiedenen Anteile ein besonders spannender Ort“, sagte der Regionspräsident, der auch in der Stadt lebt. Damit bezog er sich sowohl auf den bunten Einwohnermix mit Menschen aus 118 Ländern, als auch auf die Strukturen von dörflich geprägten Orten wie Ingeln-Oesselse bis zum Großstadtmilieu. Das derzeit knapp 16900 Einwohnern zählende Laatzen-Mitte weise noch immer eine der höchsten Bevölkerungsdichten Deutschlands auf, betonte Jagau. Anlässlich des Stadtjubiläums überreichte er Bürgermeister Köhne eine Statistik-Broschüre der Region mit Daten zur Entwicklung Laatzens.

Der als Festredner geladene Geschichtsprofessor Carl-Hans Hautpmeyer machte aus seinem Vortrag „Laatzen 1968 – Eine neue Stadt vor den Toren Hannovers“ einen kurzweilige Zeitreise. Sie reichte vom Mittelalter (“Hildesheim war über Jahrhunderte der Hauptort für diese Region“) und den Auseinandersetzungen der Welfen im 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Wer sich eine Stadt vorstellen müsse, habe eher Shanghai oder das idyllische Rotenburg ob der Tauber im Kopf als das aus verschiedenen Dörfern zusammenwachsene Laatzen, so Hauptmeyer. „Tun sie mir den Gefallen und assoziieren sie Laatzen nicht mit Klein Rotenburg – freuen sie sich, dass es Grasdorf gibt.“

Genauer ging Hauptmeyer auf die Nachkriegszeit und die Stadtwerdung ein. „Die vielen Heimatvertriebenen und Flüchtlingen waren ungemein wichtig für die Entwicklung, aber sie wurden als Fremde gesehen und nicht mit offenen Armen empfangen“, betonte der Historiker. Aus der NS-Zeit heraus sei dies auch nicht anders zu verstehen.

Der Wandel in der Landwirschaft, das Höfesterben einerseits und die zunehmende Mechanisierung mit dem großen wirtschaftlichen Aufschwung und steigenden Arbeitskräftebedarf andererseits führte schließlich zu den nötigen Veränderungen. Und die Industriemesse, die auf Druck der britischen Besatzungsmacht initiiert und bis zum Abtritt an Hannover 1974 auf dem Gebiet des damaligen Laatzens veranstaltet wurde, brachte Aufträge, internationale Kontakte und Weltoffenheit.

21. Juni 1968: Der Niedersächsische Innenminister Richard Lehners überreicht in Laatzen die Verleihungsurkunde für das Stadtrecht an Gemeindedirektor Erich Panitz. Quelle: Archiv

Hauptmeyer zeichnete auch die bedeutende Rolle des einstigen Kämmerers von Winsen/Luhe Erich Panitz nach, der 1960 Gemeindedirektor in dem „kleinen gewerblich-industriellen Dorf“ Laatzen wurde. Innerhalb weniger Jahre erreichte dieser mit politischem Geschick und als „knallharter Verhandlungspartner“ zunächst die Fusion mit Grasdorf und schließlich mit auf verschiedenen Kanälen lancierten Schreiben über das große Entwicklungspotenzial Laatzens im vier

ten Anlauf und von rasanter baulicher Entwicklung begleitet die Zusage des Ministeriums zur Verleihung des Stadtrechts. Die Urkunde, die der Niedersächsische Innenminister Richard Lehners am 21. Juni 1968 in der Alt-Laatzen Turnhalle an Panitz überreichte, stand beim Festakt am Donnerstag direkt vor der Bühne.

„Es war eine einzigartige Chance, die hier genutzt werden konnte aufgrund der Ökonomie, der Verkehrslage und weil es Leute und Land in Laatzen gab“, fasste Hauptmeyer zusammen, der optimistisch in die Zukunft blickte. Laatzen biete als heterogener Ort der in seiner baulichen wie gesellschaftlichen Struktur immer stärker eine Einheit in der Vielfalt werde. Und an die Laatzener gerichtet sagte er: „Hoffentlich machen sie die nächsten 50 Jahre so weiter.“

Festakt "50 Jahre Laatzen": Als Vertreter der Partnerstädte versammeln sich Fred Mahro (Guben, von links), Wojciech Sendera (Gubin) und Francine Thebault (Grand Quevilly) zum Tortenanschnitt mit Bürgermeister Jürgen Köhne. Quelle: Astrid Köhler

Von Astrid Köhler