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Region Isernhagen Nachrichten Viele Glücksmomente für kranke Kinder
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12:44 04.07.2013
Von Martin Lauber
Jasmin ist von den Pferden auf dem Reiterhof Glücksmomente in Isernhagen ganz begeistert. Gerne striegelt sie den gutmütigen Wallach Dicki.
Jasmin ist von den Pferden auf dem Reiterhof Glücksmomente in Isernhagen ganz begeistert. Gerne striegelt sie den gutmütigen Wallach Dicki. Quelle: Ira Thorsting
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Isernhagen

„Glücksmomente“, so heißt der gemeinnützige Verein in H.B., den Andrea Meyer Anfang dieses Jahres ins Leben gerufen hat. Die medizinische Fachangestellte verfügt über lange Berufserfahrung im therapeutischen Reiten. Unterstützt von Tochter Lisa und Freunden hat sie einen Reiterhof mit acht für die Therapie ausgebildeten Pferden unterschiedlicher Größe aufgebaut. Der Vereinsname sei für alle, die dort ehrenamtlich mitwirken, Programm: „Wir wollen Kindern glückliche Momente mit Pferden schenken. Dafür haben wir in der Natur die Möglichkeit geschaffen“, sagt die Initiatorin. Und: „Wir nehmen uns Zeit dafür.“ Der Verein wandte sich an die „Kleinen Herzen Hannover“, die sich seit 2006 ganz der Betreuung von herzkranken Kindern an der MHH widmen - der Beginn einer Kooperation beider durch Spenden finanzierter Vereine, die Herzkindern und ihren Geschwistern eine ganz neue Erlebniswelt eröffnet.

„Kleine-Herzen“-Vorsitzende Ira Thorsting: „Natürlich ist bei vielen unserer jungen Patienten gar nicht daran zu denken, sie auf ein Pferd zu setzen. Aber es kann schon ein Erlebnis sein, ein Tier zu berühren, bei der Pflege zu helfen, es aus der Hand zu füttern.“

Jasmin Ehrich aus Gleidingen bekam von ihren Ärzten grünes Licht und konnte gestern Nachmittag in Isernhagen Glücksmomente erleben. Die „Kleinen Herzen“ sorgen dafür, dass sie kostenlos abgeholt und zurückgebracht wird.

Für das kostenlose Angebot sind Anmeldungen über die Sozialbetreuerin der MHH-Kinderkardiologie möglich, deren Stelle von den „Kleinen Herzen“ finanziert wird.

Jasmin entspannt auf Dickies Rücken

Vorsichtig nimmt Jasmin ihre Bürste und legt sie auf den Rücken des Hannoveraner-Mischlings Dickie. Hochkonzentriert striegelt sie mit kreisenden Bewegungen das Fell des Pferdes. Als die 13-Jährige bei der Mähne angekommen ist, stößt sie mit dem Fuß gegen den Huf des Pferdes. „Ich bin ihm auf die Schuhe getreten“, scherzt Jasmin und lacht herzlich mit ihrer Betreuerin Lisa Meyer. Danach gibt das herzkranke Mädchen dem Hengst einen Kuss auf die Wange und entschuldigt sich.

„Wir wollen ihr helfen, aus dem tristen Alltag auszubrechen und sie auf andere Gedanken bringen“, sagt Meyer, die Jasmin und Dickie wenig später über den Reitplatz führt. Und die Idee funktioniert: Während ihres langsamen Ritts streckt das Mädchen seine Arme in die Luft und ruft ihrer Mutter zu: „Guck mal Mama, ich tanze auf dem Pferd“ - dabei strahlt sie über und über. Doch nicht nur für Jasmin, sondern auch für ihre Mutter Melanie Ehrich-Wolter ist das Reitangebot eine Gelegenheit zum Entspannen: „Der Moment hier ist für uns beide wie Urlaub, da komplett auf unsere Bedürfnisse eingegangen wird.“ Aufgrund der Krankheit und dem Herzschrittmacher können die beiden kaum Ausflüge oder gar Sport machen. „Jede Anstrengung könnte das Gerät kaputt machen, und das ist für sie lebensgefährlich“, sagt Ehrich-Wolter.

Die zwei Stunden auf der Reitanlage verfliegen für Jasmin wie im Flug - sie würde am liebsten öfter vorbei kommen. „Ich wünsche mir die ganze Woche über, dass schon wieder Mittwoch ist. Aber nächste Woche komme ich auf jeden Fall wieder“, sagt die 13-Jährige. Und so setzt sich das Mädchen ein Ziel, macht Pläne für die Zukunft. Für das kranke Kind sind solche Ankerpunkte überlebenswichtig.

Von Kai Knoche und Martin Lauber

Frank Walter 04.07.2013
02.07.2013