Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Ausprobiert: Praktikant arbeitet in Gärtnerei
Region Isernhagen Nachrichten Ausprobiert: Praktikant arbeitet in Gärtnerei
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:32 23.03.2018
Azubi Bene (links) erntet zusammen mit Praktikant Philipp Schwarzwurzeln. Quelle: Jarolim-Vormeier
Neuwarmbüchen

Das Schreiben dieser Zeilen fällt aufgrund anhaltener Rückenschmerzen durchaus schwer. Und das am Tag der Rückengesundheit. Ein Praktikum bei der Zeitung: Als junger Mensch mit Interesse am Beruf der schreibenden Zunft ist man vor einer allzu zu starken physischen Belastung sicher. So dachte ich jedenfalls. Vor diesem Tag. 

Neuwarmbüchen um 7 Uhr morgens: Ich erscheine etwas müde und gehetzt gerade noch pünktlich auf dem Gelände der Gärtnerei Rothenfeld. Hier soll ich also einen Tag lang eintauchen in den Beruf des Gemüsegärtners. Eine wirklich sehr tolle Idee für jemanden, der statt eines grünen Daumens zwei linke Hände hat. Meine Erfahrungen belaufen sich bisher auf die Hilfe im heimischen Garten, beim Unkraut zupfen und Hecke schneiden. Mit einem leicht mulmigen Gefühl durchschreite ich das Eingangstor. Eine schwarze Katze säumt meinen Weg. Na super, gerade heute könnte ich doch Glück gebrauchen. 

Asia-Salat und gelbe Bete

Miriam nimmt mich freundlich in Empfang. Sie ist Auszubildene im Betrieb und wird mich am heutigen Vormittag betreuen. Sie führt mich über die Ländereien der Gärtnerei. In meiner floristischen Naivität bin ich beeindruckt, welch Vielfalt es doch im Bereich des Gemüseanbaus gibt. Was macht den Asia-Salat so asiatisch? Es gibt Gelbe Bete? Und was bitte ist Mangold? Ich kenne nur James Mangold, den Regisseur. Sehr verblüffend.

Meine Arbeit beginnt mit viel Schlepperei. Kisten müssen von einem Gewächshaus zum Nächsten gebracht werden. Heute werden Rote Bete und Baby Leaves im ersten Häuschen angepflanzt, Asia-Salat und Spinat von bereits stattlicher Größe ziehen in ein anderes Gewächshaus um. Jedesmal, wenn ich in die Wärme trete, beschlägt meine Brille und ich torkele halbblind durch die Gegend. Aber Spaß macht es trotzdem, denn die Stimmung ist gut, und es wird viel gelacht. Miriam fährt den Traktor, auf dessen Anhänger wir sämtliche Pflanzen in Kisten verstauen.

Dann beginnen wir mit der Aussaat des neuen Gemüses: Mit einer genoppten Holzplatte stanze ich Löcher in die Erde. Im Anschluss verteilen wir die Salatsamen auf die Löcher. Schade nur, dass der Traktor mit seinem Anhänger den kompletten Eingang blockiert. Das sorgt für lustige Verrenkungen und akrobatische Höchstleistungen, um überhaupt wieder ins Gewächshaus hineinzukommen. Eigentlich kein Problem. Blöd nur, dass ich beim waghalsigen Sprung über den Hügel mitten in einen Brennnesselstrauch fasse. Davon hat man dann den ganzen Tag etwas. Danke dafür, schwarze Katze.

Als Astronaut auf dem Traktor

Nach der Frühstückspause geht es endlich aufs Feld. Komplett austaffiert mit geliehenen Gummistiefeln und Gummihose - mein Kleiderschrank gibt sowas nicht her. Mit der Beweglichkeit eines Astronauten schwinge ich mich zusammen mit Azubi Bene und Fahrer Zoltan auf den großen Traktor. Heute werden Schwarzwurzeln geerntet – was auch immer das sein soll.

Wie ich schnell merke, ist dabei voller Körpereinsatz gefragt: Der Traktor pflügt langsam über das Feld, während Bene und ich hinterherkriechen und wild im Boden wühlen. In Schneisen sind dort die Schwarwurzeln gepflanzt worden. Immer wieder tauchen die Spitzen der Pflanzen auf und müssen von uns in wahnsinniger Geschwindigkeit herausgezupft werden. Im nächstem Arbeitsschritt wird aufgesammelt. Mit Korb und Messer ausgerüstet krieche ich entlang der herausgezogenen Pflanzen. Sie werden später unter anderem im Hofladen verkauft. „Dicker als die Finger“ sollen die Wurzeln sein. Bei meinem Fingermaß bleibt viel Ausschuss auf dem Feld. 

Schwarzwurzel regt die Verdauung an

Bei der Arbeit kommt man ins Gespräch. Kollege Bene, Mitte 20, reist jeden Tag aus Hildesheim an. „Klar ist die Arbeit anstrengend, aber Spaß macht es mir auch“, erzählt er. Bene erklärt mir, wofür man die Schwarzwurzel so benutzen kann: „Als Suppe und Gemüsebeilage hat die Wurzel eine sehr verdauungsanregende Wirkung“. Mit der Verdauung habe ich zum Glück keine Probleme. Dafür bekomme ich langsam Rückenschmerzen. Und auch meine Kniegelenke scheinen mir etwas mitteilen zu wollen. Schnell drängt sich jedoch ein anderer Schmerz in den Vordergrund: Ich habe mir meinen grünen Daumen blutig geschnitten, und das trotz der Handschuhe. 

Was nehme ich mit von diesem Schnuppervormittag? Erst einmal spannende Erfahrungen und einen Einblick in ein Berufsfeld, welches mir bisher verwehrt geblieben war. Beim Gemüsekauf kann ich nun auf jeden Fall um einiges besser nachvollziehen und auch wertschätzen, dass da sehr viel Arbeit hineingesteckt wurde. Und auch die Rückenschmerzen lassen schon langsam nach. Wenn nur nicht dieses Brennnessel-Kratzen wäre ... Werde ich nun andere Pläne über Bord werfen, sofort auf Gärtner umsatteln und mich auf eine der freien Azubi-Stellen der Gärtnerei Rothenfeld bewerben? Wahrscheinlich nicht. Aber eine interessante Erfahrung war es allemal.

Der Autor: Philipp Bader (18) arbeitet seit Januar als Praktikant bei der HAZ Isernhagen mit, ist aber nicht unbedingt in sämtlichen Bereichen praktisch veranlagt.

Von Philipp Bader 

Am helllichten Tag sind Unbekannte am Farrelweg in Altwarmbüchen in ein Mehrfamilienhaus eingebrochen. In Neuwarmbüchen wurden Lampen und das Türschloss des Jugendtreffs beschädigt.

20.03.2018

Trotz Eiseskälte haben 22 Aktive in Altwarmbüchen bei der Aktion „Der große Rausputz“ mitgemacht. 15 der Müllsammler kamen von der Feuerwehr.

22.03.2018

Frank Suchland  ist am Freitag, 23. März ab 20 Uhr im KulturKaffee Rautenkranz in Isernhagen F.B. zu Gast.

19.03.2018