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Nachrichten Baustellen sollen bald verschwinden
Region Isernhagen Nachrichten Baustellen sollen bald verschwinden
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00:22 18.10.2018
Auf mancher der Straßen reiht sich Baustelle an Baustelle. Quelle: Frank Walter
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Neuwarmbüchen

Anwohner des Wohngebiets nördlich der Farster Straße in Neuwarmbüchen wundern sich, wann die vielen Baustellen vor ihren Türen endlich der Vergangenheit angehören. Gleichzeitig kritisieren sie die Absperrungen der Baufirma als ungenügend: „Wir wollen nicht, dass wieder jemand zu Schaden kommt“, sagt einer der Anwohner, die nicht namentlich in der Zeitung erscheinen wollen. Mit Schrecken erinnert sich der Mann an einen tödlichen Unfall vor drei Jahren (siehe Extratext), als ein Nachbar in eine Baugrube gestürzt war.

Ob Heisterkamp oder Breslauer Straße, Heistergarten oder Waldstraße: Seit Monaten bestimmen Bagger und Baken im Wohngebiet nördlich der Farster Straße und westlich der Höfestraße das Straßenbild – „das Viertel ist seit November 2017 eine Permanent-Baustelle“, sagt einer der Anwohner. Wie auch ein Nachbar vermisst er eine Information, was eigentlich der Grund für die Bauarbeiten ist und wann diese endlich beendet werden. Zudem kritisieren die Anwohner die Art, wie mancher der Baustellen abgesichert ist.

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Tatsächlich erschweren an den Ausfahrten von der Breslauer auf die Höfestraße und vom Heisterkamp auf die Farster Straße Absperrbaken den Blick auf den vorfahrtberechtigten Verkehr. An der Waldstraße sind tiefe Rinnen quer zur Fahrbahn nicht gekennzeichnet, und an einer Baugrube fehlen die gelben Warnlampen für die Nacht. Apropos Lampen: Ein Anwohner bezeichnet diese als „Attrappen“ – der überwiegende Teil der Lampen an den Baustellen funktioniere gar nicht. Und dabei werde seit Monaten „halb Neuwarmbüchen umgegraben“. Dass dabei manches Loch aufgegraben, dann provisorisch verfüllt und danach wieder geöffnet werde, lasse die Baumaßnahme zudem planlos erscheinen.

Beauftragt hat die 570.000 Euro teure Baumaßnahme der Energieversorger Avacon, der dabei für die Isernhagen Netz GmbH – eine Tochtergesellschaft der Energiewerke Isernhagen – tätig wird. Seit November 2017 wird das alte Stromnetz komplett durch neue Leitungen ersetzt. Dabei werden auch gleich Leerrohre für einen künftigen Ausbau mit Glasfaser-Internetanschlüssen und an einigen Stellen auch neue Gasleitungen verlegt.

Dass die Arbeiten sich so lange hinziehen, begründet Avacon-Sprecherin Michaela Fiedeler mit dem großen Gebiet und der Komplexität – 120 Haushalte müssten sukzessive ohne Versorgungslücke ans neue Stromnetz angeschlossen werden. Informiert habe man diejenigen Anwohner, deren Grundstücke von den Arbeiten betroffen seien.

Dass manche Baugrube ein zweites Mal geöffnet werde, möge nach außen planlos wirken – das sei es aber nicht, sondern für die Erstellung der Hausanschlüsse nötig, erläutert Dominik Schmidt von der ausführenden Firma Kuhlmann Leitungsbau. Er sicherte am Montag zu, die Sicherheit der Baustellen zu prüfen. Dies passiere im übrigen auch regelmäßig mit den Lampen.

Laut Schmidt soll am Mittwoch, 17. Oktober, der Einbau der bituminösen Deckschicht beginnen, der den Endspurt der Arbeiten einläutet. In drei bis vier Wochen werde man komplett fertig sein. Die Avacon-Sprecherin ist da vorsichtiger, sie spricht von einem Abschluss bis Ende des Jahres.

Radfahrer starb nach Sturz in Baugrube

Die Anwohner des Neuwarmbüchener Wohnviertels hinterfragen auch deshalb kritisch die Sicherheit der Baustellen vor ihren Grundstücken, weil es dort vor drei Jahren einen folgenschweren Unfall gegeben hatte. Ein damals 77 Jahre alter Radfahrer hatte sich bei einem Sturz in eine Baugrube derart schwere Verletzungen zugezogen, dass er später daran starb. Laut Polizei hatte der Mann an der Kreuzung Heisterkamp/Buchensahl an einem mit Absperrbaken gesicherten Abwasserschacht angehalten. Offenbar hatte er sich an einer der Absperrungen abgestützt, die dann nachgab. Der Mann war in 3,50 Meter Tiefe auf einen Betonsockel aufgeschlagen.

Juristisch ist der Fall auch drei Jahre später noch nicht abgeschlossen. Laut Landgericht-Sprecher Hans-Christian Rümke ist vor der 6. Zivilkammer eine Klage der Witwe auf Schmerzensgeld und Schadensersatz gegen die damalige Baufirma und drei ihrer Mitarbeiter anhängig. Gerade habe das Gericht ein zwischenzeitlich eingeholtes Sachverständigengutachten an die Parteien versandt. Mit der Fortsetzung der mündlichen Verhandlung ist laut des Gerichtssprechers nicht vor Frühjahr 2019 zu rechnen.

Von Frank Walter