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Nachrichten Jacques Brel wird gegenwärtig
Region Isernhagen Nachrichten Jacques Brel wird gegenwärtig
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18:28 23.01.2015
Von Frank Walter
Philippe Huguet (links) und Laurent Leroi leben das Chanson auf der Bühne. Quelle: Jürgen Zimmer
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Isernhagen F.B.

Ein Mann wartet zu Hause auf eine Frau. Nichts Ungewöhnliches. Doch dieser Mann im Kulturkaffee Rautenkranz am Donnerstagabend hat den Verdacht oder schon die Gewissheit, dass seine Frau die Treue nicht erfunden hat. Eigentlich sollte Madeleine längst zu Hause sein. Der Mann ruft überall an, aber Madeleine ist nicht zu sprechen. Spät in der Nacht kommt sie nach Hause. Er macht ihr Vorhaltungen, die Situation eskaliert.

Der Mann ist Philippe Huguet, und er ist verzweifelt. Bis er seine Schiebermütze aufsetzt und singt. Denn dann wird er Jacques Brel. Keine Leidensmine wegen Madeleine, kein Gejammer am Telefon. Jetzt wird auf den Tisch gehauen, denn Brel sang keine Chansons, er lebte sie auf der Bühne, und Huguet hat seinen Stil gut studiert, beherrscht alle Merkmale, setzt eigene Akzente. Seine Stimme bebt, die Lippen zittern, die Augen sind gebrochen oder sprühend vor Leidenschaft oder kalter Geringschätzigkeit, wenn er sie ansingt: „Madame trägt ihren Arsch spazieren auf dem Boulevard, Madame geht mit einem Arsch spazieren, der sagt, sie sei schön.“ Und da ist noch jemand im Raum, Laurent Leroi, der Akkordeonspieler, den man irgendwann nicht mehr wahrnimmt, nur noch seine Musik.

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Jacques Brel (1929-1978) stammte zwar aus Belgien, verkörperte aber das französische Chanson. Seine Texte sind frivol-ausgelassen bis zu melancholisch oder mahnend, oft sozialkritisch prangert er Ungerechtigkeit an. Selbst die Lieder, die von Trennung handeln, haben meistens einen ironisch-hoffnungsvollen Anklang.

Zehn Jahre Kulturkaffee und 50 Jahre Elysee-Vertrag sind für Karin und Stefan Rautenkranz Anlass, dieses Jahr mit der Trikolore zu schmücken. Am Sonnabend, 14. Februar, geht es weiter mit Pauline Dupuy, die Lieder von Georges Brassens singt.

Von Jürgen Zimmer

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