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Region Isernhagen Nachrichten Zu Besuch bei einer giftigen Schönheit
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07:20 12.06.2015
Von Martin Lauber
Ursula Schoenwiese verpasst die Kalmiablüte nie. Quelle: Martin Lauber
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Isernhagen/Lehrte

Verstreut über die circa 1500 Hektar große Moorfläche gibt es „unglaublich viele kleine Kalmia-Flecken“. Wer sie von der Isernhagener Seite aus finden will, läuft Gefahr, sich zu verlaufen. Viele Wege enden einfach im Nichts.

Der „einzige sinnvolle Weg“ führe über Klein Kolshorn, empfiehlt der Kirchhorster Waldbesitzer Ulrich von Rautenkranz. Am Ostrand der Lehrter Ortschaft befindet sich wohl der beste Einstieg in die Welt des Bergahorns, wie die Moorrose auch genannt wird: Von der Kreisstraße 112 aus führt der „Kalmiaweg“ über einen von Mücken wütend verteidigten Waldweg - vorbei an kniehohem Adlerfarn - auf ein von Birken und Kiefern freigehaltenes Karree unter einer 220-Kilovolt-Leitung.

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Die Hochspannungsmasten standen natürlich noch nicht, als Hermann Löns die Moorrose auf einem seiner Streifzüge anno 1898 hier wieder entdeckte und beschrieb. Man nimmt an, dass die aus Nordamerika stammende Pflanze um 1834 von Naturfreunden, die die Landschaft veredeln wollten, ins Moor gesetzt wurde, nachdem sie schon 100 Jahre zuvor in den englischen Königsgärten und somit auch in Herrenhausen heimisch geworden war.

Bis heute hält sich die Kalmia angustifolia im Altwarmbüchener Moor, zu dem das Kolshorner Moor gehört. Dort gibt es zwar keine Schafe, die am Genuss ihres giftigen Gestrüpps verenden könnten wie in ihrer Heimat Kanada, wo sie auch Sheepmurder (Schafsmörder) genannt wird. Dafür gibt es jedes Jahr aufs Neue Scharen von Naturfreunden, die von ihrem Blütenfeuer angelockt werden.

Zu ihnen gehört auch Ursula Schoenwiese aus der Gartenstadt Lohne. Doch die pensionierte Lehrerin hat eine ganz eigene Beziehung zur Kalmia, denn deren Bestand im Altwarmbüchener Moor war 1975 Gegenstand ihrer Biologie-Diplomarbeit. Im Bereich der Autobahnen A 7 und A 37, wo tiefe Gräben zum Austrocknen der oberen Moorschichten geführt hätten, sei die Kalmia-Blüte nicht besonders ansehnlich. Schoenwiese geht deshalb in der ersten Junihälfte ins Kolshorner Moor - auch, um dort andere Pflanzen zu fotografieren. Die zarten Blüten und Kelche der Moos-, Rausche- und Preiselbeere mag sie besonders. Die Moorrose selbst blühe nirgends so üppig wie auf dem lichten Standort unter der Stromleitung. Der Bestand habe sehr gut durchgehalten.

Jörg Hagemann, Bezirksförster in der Wedemark, geht noch weiter. Der 50-jährige Kolshorner kennt Moor und Kalmia von Kindesbeinen an. Früher sei der Bestand deutlich kleiner gewesen als heute, berichtet er. Die Moorrosen wanderten immer tiefer in die benachbarten Kiefernwälder ein. Dort trieben sie zwar nicht so viele, aber dafür größere und noch farb-intensivere Blüten.