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Nachrichten Unfallrisiko: Jäger warnen vor liebestollen Rehen
Region Isernhagen Nachrichten Unfallrisiko: Jäger warnen vor liebestollen Rehen
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18:01 17.07.2019
Rehe gehören in Isernhagen zum Ortsbild. Vor Gärten machen sie nicht halt – und auch nicht vor Straßen. Quelle: Frank Walter
Isernhagen

Isernhagens Jäger warnen: Im Straßenverkehr erhöht sich in diesen Tagen das Unfallrisiko mit Wildtieren. Bei Rehen beginnt die Partnersuche, sie rennen unvermittelt auf die Fahrbahn. Hinzu kommt das Ende der Leinenpflicht – auch Hunde scheuchen die Wildtiere auf.

Reh stirbt bei Unfall, Schicksal des Kitzes ist unbekannt

Blind vor Liebe oder aufgeschreckt durch einen frei laufenden Hund? Jäger Werner Knackstedt vermag nicht zu ergründen, weshalb eine junge Ricke in der Nacht zu Dienstag auf die Kreisstraße zwischen Isernhagen N.B. und Langenhagen gesprungen ist. Klar ist lediglich, dass ein Autofahrer dem Muttertier nicht mehr ausweichen konnte. „Wenn jemand auf dieser Straße ein Tier erfasst, dann bedeutet das fast immer dessen Tod. Hier fahren einfach alle viel zu schnell“, meint der Jäger und verweist auf entsprechende Erfahrungswerte.

Im konkreten Fall sieht er den Tod der Ricke als besonders tragisch an: „Irgendwo lebt noch ein Kitz, das sie nun nicht mehr säugen kann.“ Wie alt der Nachwuchs sei und ob er aufgrund seiner Konstitution überleben werde, bleibt offen. Angesichts der dicht bewachsenen Felder ringsum findet das Jungtier reichlich Möglichkeiten, sich zu verstecken. Deshalb würde eine Suche auch keinen Sinn machen.

Bis zu zehn Wildunfälle pro Jahr allein in N.B.

Bis zu zehnmal im Jahr alarmiert die Polizei den Jäger aus Isernhagen N.B., wenn Autofahrer einen Wildunfall melden. „Die Straße ist ein Schwerpunkt in N.B., der zweite befindet sich an der Prüßentrift“, sagt Knackstedt. Nach einem entsprechenden Anruf fährt er zur Unfallstelle und holt den Kadaver ab. „Wenn sich ein verletztes Tier noch wegschleppen konnte, dann suchen wir mit unserem ausgebildeten Hund nach ihm.“

Anschließend müssten die toten Tiere eingegraben werden, mehr als einen Meter tief und damit tiefer, als es das Gesetz vorschreibt. „Uns bereiten Hunde, die nicht angeleint sind, zunehmend Probleme: Sie graben die Kadaver wieder aus und schleppen sie aufs Feld, wo sie dann wiederum in Mähdrescher geraten“, sagt er.

Knackstedt appelliert an Autofahrer und Hundehalter gleichermaßen, Rücksicht auf die Wildtiere zu nehmen. Zwar gelte seit Dienstag nicht mehr die Anleinpflicht, aber: „Noch gibt es viele Jungtiere, die es zu schützen gilt.“ Den Vorwurf, dass Jäger ja auch Rehe und anderes Wild schießen, lässt er nicht gelten. „Keiner tötet ein Muttertier oder ihr Junges. Es geht vielmehr um die Hege und Pflege eines gesunden Bestandes.“

Rehe achten im Liebesrausch nicht auf den Verkehr

Autofahrer indes müssen sich darauf einstellen, dass jetzt die Blattzeit beginnt – jene Wochen, in denen Rehe auf Partnersuche gehen und dabei völlig kopflos über die Straßen rennen, was besonders viele Wildunfälle zur Folge hat. „Die Böcke treiben die Ricken vor sich her, bis diese aufnahmebereit sind“, erläutert Isernhagens Hegeringleiter Detlef Pausch das Verhalten. Die Blattzeit beginne meist Mitte Juli und dauere etwa vier Wochen. „Und je wärmer es wird, desto aktiver wird auch das Rehwild.“

Während ihrer Partnersuche verlieren die Wildtiere Pausch zufolge fast jede Scheu und haben keinen Blick für ihre Umgebung – und auch nicht für die Gefahren des Straßenverkehrs. „Sie warten nicht am Rand, sie rennen einfach rüber.“ Der Hegeringleiter appelliert deshalb an alle Autofahrer, in den kommenden Wochen besondere Vorsicht walten zu lassen und lieber einmal zu viel als zu wenig zu bremsen. „Und Achtung: Wenn ein Reh die Straße kreuzt, kommt meist noch ein zweites hinterher!“

Im vergangenen Jahr waren mindestens 45 Rehe auf Isernhagens Straßen ums Leben gekommen. Möglicherweise lag die Zahl aber sogar noch höher.

Was tun nach einem Wildunfall?

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat und der Deutsche Jagdverband haben gemeinsam mit dem ADAC Tipps und Hinweise für das richtige Verhalten bei einem Wildunfall erarbeitet:

Nach einem Zusammenstoß mit einem Wildtier muss zunächst die Unfallstelle durch die eingeschaltete Warnblinkanlage am Fahrzeug und ein aufgestelltes Warndreieck gesichert werden.

Tote Tiere sollten von der Fahrbahn entfernt werden. Wegen eventueller Tollwutgefahr sollten dabei unbedingt Handschuhe getragen werden. Verletzte Tiere sollten nicht angefasst werden: Sie könnten sich wehren. Es besteht Verletzungsgefahr.

Vor dem Wählen der Notrufnummer der Polizei ist eine Bestimmung des Standortes notwendig, damit die Helfer so schnell wie möglich zum Unfallort gelangen können. Erst dann sollte die 110 gewählt werden. Die Polizei sollte den Unfall aufnehmen und eine Wildschadensbescheinigung ausstellen, die der Autofahrer bei der Kaskoversicherung einreichen kann. Eine Meldepflicht bei Wildunfällen beim zuständigen Jagdpächter besteht in Niedersachsen nicht.

Tote Tiere dürfen nicht, zum Beispiel für den eigenen Verzehr, mitgenommen werden. Das darf nur der Jagdpächter. Wer ein verendetes Tier trotzdem mitnimmt, begeht Wilderei und wird unter Umständen hart bestraft.

Von Antje Bismark und Frank Walter

Dank eines Zeugen hat die Polizei am Dienstag in Isernhagen N.B. einen betrunkenen Autofahrer stoppen können. Der Promillewert war für die Tageszeit ziemlich beachtlich.

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