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Nachrichten Gymnasium: Terror in Sri Lanka löst große Betroffenheit aus
Region Isernhagen Nachrichten Gymnasium: Terror in Sri Lanka löst große Betroffenheit aus
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16:35 23.04.2019
Die Gymnasiallehrer Florian Pini und Stefan Wocken (von links) und Bürgermeister Arpad Bogya (Zweiter von rechts) begrüßen im Februar fünf Gastschüler aus Sri Lanka und ihre deutschen Gastbrüder. Quelle: Gabriele Gerner (Archiv)
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Die Sri-Lanka-Arbeitsgemeinschaft, mehrere Hilfsprojekte, der Schüleraustausch und mittlerweile sogar zwei Schulpartnerschaften: Die Verbundenheit des Gymnasiums Isernhagen zu dem asiatischen Staat ist seit Jahren groß. Die aktuellen Terroranschläge an verschiedenen Orten des Landes haben dementsprechend große Betroffenheit an der Schule und darüber hinaus ausgelöst. „Mit einer unserer Partnerschulen hatten wir aktuell schon Kontakt“, berichtet Schulleiterin Christina Bielefeld am Dienstag. Die Rektorin hatte 2015 die beiden Partnerschulen in der Hauptstadt Colombo besucht und hat deshalb einige Orte der aktuellen Bombenanschläge direkt vor Augen: „Das ist sehr emotional“, sagt sie.

Gymnasium Isernhagen: An Schülerreise festhalten?

Nach den Explosionen in Sri Lanka muss das Gymnasium nun über die Schülerreise im Juni entscheiden. Dann sollen rund 30 Jugendliche aus Isernhagen für drei Wochen nach Sri Lanka fliegen. Ob der Rückbesuch als Teil des Austausches nach den Anschlägen gestrichen wird oder aber doch stattfindet, steht aktuell noch nicht fest. „Wegen der Osterferien konnten wir keine Reaktionen der Lehrer, der Eltern und der Schüler einholen“, sagt die Schulleiterin. Noch diese Woche solle es eine Aussprache mit allen Beteiligten geben.

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AG-Leiter und Lehrer Florian-Malte Jorke will die Bewertungen des Auswärtigen Amtes sowie die Einschätzungen der Partner in Sri Lanka abwarten. Allerdings hat die Schülergruppe nicht mehr so viel Zeit, der Flug geht in knapp zwei Monaten. „Deshalb sollten Eltern und Schüler zügig abwägen, ob die Kinder die Reise antreten oder nicht“, sagt Jorke. Jeder müsse für sich entscheiden, ob er das individuelle Risiko eingehe. „Ich kann es verstehen, wenn sich Familien wegen der Gefahr gegen die Reise entscheiden.“

Familie diskutiert über Sri-Lanka-Reise

Anja Schomburg diskutiert mit ihren drei Kindern bereits das Für und Wider des Schüleraustausches mit Sri Lanka. Sohn Christopher, der im Februar seinen Austausch-Bruder Kisara in Isernhagen zu Gast hatte, will die Fahrt antreten. „Kisara und den vier weiteren Schülern, die Isernhagen besucht haben, geht es gut“, sagt Mutter Anja Schomburg erleichtert. Natürlich hätten sie sich Sorgen gemacht, denn der Junge sei einen Monat lang wie ein Familienmitglied gewesen. Ihre beiden eigenen Töchter hingegen hätten anders als Christopher Bedenken. „Wir warten ab. Die Ereignisse in Sri Lanka sind noch zu frisch“, sagt Schomburg, die sich auch vorstellen könnte, dass die Jugendlichen vielleicht erst im nächsten Jahr reisen.

Fotos zeigen viele Särge der Terror-Opfer

Über besonders viele Kontakte nach Sri Lanka verfügt Manfred Möller, Gründer und langjähriger Leiter der AG und mittlerweile Pensionär. Direkt mit dem Bekanntwerden der Anschläge läuteten bei Möller und seinem aus Sri Lanka stammenden Adoptivsohn Thomul, der seit mehr als 20 Jahren in Hannover lebt, die Alarmglocken. „Die Familie von Thomul geht immer in die katholische Sankt-Sebastian-Kirche, wo ebenfalls ein Anschlag verübt wurde“, sagt Möller. Per Mobiltelefon habe er erfahren, dass die Familie zu diesem Zeitpunkt nicht dort gewesen sei.

Möller erreichten auch erschreckende Bilder von den Anschlägen – etwa von einer Prozession mit unendlich vielen Särgen in der Stadt Negombo. „Das muss man erst einmal verkraften“, sagt Möller betroffen, der die AG 1994 gegründet hatte. Seitdem sind Projekte wie der Kauf von Wasseraufbereitungsanlagen und Schultoiletten realisiert worden. Zur Finanzierung veranstaltet die AG alle zwei Jahre den Spendenlauf „Run for Help“ und verkauft Waren in der Schule und auf dem Weihnachtsmarkt sowie Ceylon-Tee in örtlichen Supermärkten.

Den Kontakt mit der Jungenschule S. Thomas’Collage in Mount Lavinia, einem Vorort der Hauptstadt Colombo, gibt es seit 2002. 2009 kam das Ladies College in Colombo für Mädchen hinzu. Möller, der für Anfang Juni eine private Reise nach Sri Lanka plant, hofft, dass sich die Lage bis dahin normalisiert hat. „Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nirgends.“

Von Katerina Jarolim-Vormeier