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Nachrichten Selbstständig mit 25: Bastian Westmann ist Dachdecker-Chef
Region Isernhagen Nachrichten Selbstständig mit 25: Bastian Westmann ist Dachdecker-Chef
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18:14 10.09.2019
Der Chef weiß, wo die Dachziegel liegen: Bastian Westmann ist mit seiner Entscheidung, sich selbstständig zu machen, vollauf zufrieden. Quelle: Sandra Köhler
Altwarmbüchen

Bastian Westmann ist inzwischen 26 Jahre alt, Zimmermeister – und hat sich im Juni 2018 gemeinsam mit einem befreundeten Berufskollegen mit einem Dachbau-Betrieb in Altwarmbüchen selbstständig gemacht. Mittlerweile hat er zwölf Angestellte und ist mit seiner Entscheidung sehr zufrieden.

„Dass ich ins Handwerk will, wusste ich schon in der neunten Klasse“, sagt Westmann. An den Noten scheiterte der Weg zum Abitur nicht, doch er hatte keine Lust mehr auf Schule. Nach drei Praktika in Zimmereien war für ihn klar: „Das ist es!“ Mit 16 Jahren begann er nach der zehnten Klasse seine Lehre. Im Ausbildungsbetrieb hatte er mit seinem Kollegen ein folgenschweres Gespräch. „Sieh’ zu, dass du so schnell wie möglich vom Dach in eine Führungsposition kommst“, habe der ihm geraten. Denn Zimmerer und Dachdecker seien Knochenjobs. „Auf dem Dach bekommst du alles ab, ob Regen, Hitze oder Schnee“, sagt Westmann.

Jüngster Zimmermeister Deutschlands

Durch die starke körperliche Beanspruchung leiden die Knie, Arthrose sei keine Seltenheit. „Wer mit 50 noch auf dem Dach steht, ist ein alter Hase.“ Westmann nahm sich den Rat zu Herzen. Er besuchte direkt im Anschluss an seine Lehre die Meisterschule. „Mit 20 war ich jüngster Zimmermeister Deutschlands“, sagt er. Eigentlich habe er vorgehabt, gleich im Anschluss auch den Dachdecker-Meister zu machen. „Doch das zerschlug sich irgendwie“, sagt Westmann. Das Ausbildungszentrum befindet sich fernab von Altwarmbüchen in St. Andreasberg im Oberharz, und günstig ist die Meisterschule auch nicht: Zu den 20.000 Euro für den Zimmerer-Meisterbrief wären weitere 10.000 Euro für den Dachdecker gekommen. Trotz staatlicher Förderung eine Menge Geld.

So nahm Westmann stattdessen eine Meisterstelle in Burgwedel an, einen Bürojob mit kaufmännischer Ausrichtung. „Viel eher als gedacht“, sagt er, war er damit vom Dach herunter. Die Idee, sich selbstständig zu machen, wurde geboren, als er seinen jetzigen Kompagnon Jan-Marco Herrmann kennenlernte. Dieser übernahm eine Dachbau-Firma hinter Holzminden von seinem Vater und sprach Westmann an, ob dieser nicht Lust habe, mit ihm gemeinsam etwas in der Region Hannover aufzubauen. Herrmanns Erfahrungen im kaufmännischen Bereich – vom geeigneten Computerprogramm über die Vor- und Nachkalkulation bis zu den Erfahrungen mit Lieferanten – seien unschätzbar wertvoll, sagt Westmann über seinen stillen Teilhaber. So sparte er sich selbst das Lehrgeld, das viele andere am Anfang zahlen müssten.

Altwarmbüchen ist idealer Firmenstandort

Ebenfalls nicht zu verachten: Beide Firmen können bei freien Kapazitäten auf Mitarbeiter des jeweils anderen zugreifen. Wenn bei Westmann zwei Zimmerer frei sind, die Herrmann gut für einen Auftrag gebrauchen kann, arbeiten diese für ihn. Ein Vorteil in Zeiten, in denen die Baubranche boomt und Arbeitskräfte knapp sind. Lediglich sechs freie Stellen im Hochbau vermeldet aktuell die Agentur für Arbeit für den Bereich der Geschäftsstelle Burgwedel, im Schnitt der vergangenen zwölf Monate waren es noch weniger. Doch auch als Chef kann Westmann sich nicht ausruhen. Einen Nine-to-five-Job hat der Jungunternehmer mitnichten, eher eine Arbeitswoche mit mindestens 70 Stunden – er fängt morgens um 5.30 Uhr an. Gut, dass seine Ehefrau ebenfalls aus dem Handwerk kommt. „Da ist das Verständnis dafür da“, sagt der Zimmermeister dankbar.

Auch wenn der aus Altwarmbüchen stammende Westmann mittlerweile in der Wedemark wohnt: Als Standort für seine Dachbau-Firma sei Altwarmbüchen ideal. „Wir haben hier eine super Autobahnanbindung, dazu die Zufahrt nach Hannover über die Podbielskistraße.“ Auch die drei Dachdecker-Händler und drei Geschäfte für Baustoffbedarf tragen dazu bei. Die von Westmann angebotene Kombination aus Dachdeckerei, Dachklempnerei und Zimmerei kommt bei Bauherren und Architekten gut an. Und Vielfalt zeigt sich auch bei seinen Auszubildenden. Aktuell beschäftigt er in seinem Betrieb eine Zimmerer-Auszubildende sowie zwei Dachdecker-Azubis – einen im ersten und einen im zweiten Lehrjahr.

Zukunftspläne: Betrieb soll wachsen

Mit den Auszubildenden will der Jungunternehmer dafür sorgen, dass sein Betrieb auch in Zukunft über gut ausgebildete Fachkräfte verfügt. Deshalb soll jedes Jahr ein neuer hinzukommen – sein Teilhaber verfüge über Meisterbriefe in allen drei Gewerken, damit sei das kein Problem. Und was plant Westmann noch für die Zukunft? „Ich möchte noch einen weiteren Meister einstellen, der mich unterstützt. Zu 50 Prozent im Büro und zu 50 Prozent auf der Baustelle“, sagt er. Dann sei es auch möglich, die Firma weiter wachsen zu lassen. „Aber als alleiniger Geschäftsführer habe ich mit zwölf Leuten schon genug zu tun.“

Existenzgründungen im Handwerk

Laut Wolfgang Frieden, Gründungsberater der Handwerkskammer Hannover, ist eine Existenzgründung im Handwerk grundsätzlich in jedem Alter möglich. „Seitdem die Meisterprüfung in einem zulassungspflichtigen Handwerk ohne absolvierte Gesellenjahre möglich ist, sind Gründungen mit Mitte 20 allerdings häufiger zu finden.“ In der gegenwärtig guten konjunkturellen Situation, insbesondere im Bausektor, gebe es ähnlich viele Existenzgründungen im Handwerk wie zu Zeiten hoher Arbeitslosenquoten in Deutschland, in denen häufig „aus der Not heraus“ gegründet worden sei. Die Handwerkskammer biete jedem Gründer die Möglichkeit, sich individuell in einem persönlichen Gespräch beraten zu lassen.

Heutzutage macht sich der Fachkräftemangel auch im Handwerk bemerkbar. „Wir helfen den Betrieben dabei, Lehrlinge zu finden und zu halten, damit sie die Fachkräfte von morgen selber ausbilden können. Über unsere Lehrstellenbörse und die jährlichen Azubi-Speed-Datings finden viele Betriebe passende Lehrlinge“, sagt Carl-Michael Vogt, Geschäftsführer für Bildung und Recht der Handwerkskammer. Außerdem gebe die Kammer Unternehmern und Ausbildern in Workshops und bei Ausbilder-Frühstücken Strategien an die Hand, um die Nachwuchsgewinnung zu optimieren.

Wenn Lehrlinge gefunden sind, geht es laut Vogt für die Betriebe darum, die Ausbildung so gut zu gestalten, dass die Auszubildenden bleiben und auch einen guten Abschluss machen. Die Handwerkskammer unterstütze dabei mit Anregungen, Unterlagen und Weiterbildungsangeboten, damit die Qualität der Ausbildung besser werde. „Grundsätzlich werben wir für das Handwerk mit den guten Karrieremöglichkeiten wie zum Beispiel dem trialen Studium und dem Meistertitel, also mit der Möglichkeit, relativ schnell sein eigener Chef zu werden.“

Derzeit wird Vogt zufolge die Ausbildung im Bauhauptgewerbe neu geordnet. Mittelfristig seien aktualisierte Ausbildungsinhalte und gegebenenfalls auch engere Abstimmungen zwischen einzelnen Berufen zu erwarten. „Dies wäre auch deswegen sinnvoll, weil dadurch phasenweise verschiedene Berufe gemeinsam in einer Fachklasse an der Berufsschule unterrichtet werden könnten“, so Vogt. Der Vorteil für die Azubis und die Ausbildungsbetriebe liege darin, dass dann ausreichende Schülerzahlen weiterhin einen dezentralen Berufsschulunterricht ermöglichen würden.

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Von Sandra Köhler

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