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Region Isernhagen Nachrichten So arbeitet die neue Pestalozzi-Werkstatt in Altwarmbüchen
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17:55 15.07.2019
Die Nähwerkstatt der Pestalozzi-Stiftung ist gut ausgestattet –das Ziel: Menschen mit Behinderung in den ersten Arbeitsmarkt integrieren. Quelle: Sandra Köhler
Altwarmbüchen

 Vor rund einem Jahr hatte die Pestalozzi-Stiftung aus Burgwedel ihren Werkstatt-Neubau an der Krendelstraße/Ecke Jakobistraße in Altwarmbüchen bezogen. 40 Arbeitsplätze für Menschen mit vorwiegend geistiger Behinderung bietet die Werkstatt, die ganz bewusst zwischen anderen Gewerbebetrieben angesiedelt wurde. 33 Frauen und Männer arbeiten dort aktuell – 13 in der Nähwerkstatt, 20 in der industriellen Montage. Doch wie genau geht diese Arbeit vonstatten? Wie identifizieren sich die Beschäftigten mit ihren Aufgaben und wachsen daran? Davon hat sich Isernhagens Bürgermeister Arpad Bogya nun selbst ein Bild gemacht.

„Wir haben noch Luft nach oben“, sagte Claus Fitschen, Vorstand der Pestalozzi-Stiftung aus Burgwedel, beim Ortstermin im 1,7 Millionen Euro teuren zweistöckigen Flachdachgebäude in Altwarmbüchen. Sieben freie Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung gibt es noch. Diese müssten nicht einmal in der näheren Umgebung wohnen. Schließlich gehe es auch darum, die Selbstständigkeit die Mitarbeiter zu fördern – und das fängt schon mit der Anreise an: „Burgwedel ist nicht so gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Aber hier liegt die Stadtbahnhaltestelle in unmittelbarer Nähe“, sagt Fitschen zur Standortwahl.

Die weiteste Anreise zu seinem Arbeitsplatz in der Werkstatt hat ein Mann, der täglich von Elze (Wedemark) nach Altwarmbüchen pendelt. Viele der Mitarbeiter sind bereits jahrelang bei Pestalozzi. „Ich bin schon 30 Jahre in der Werkstatt“, sagt einer der Näherei-Beschäftigten stolz. Die Aufgaben sind vielfältig. Und die dort Arbeitenden „setzen ihre Energie und ihren Stolz ein, gute Arbeit zu leisten“, sagt Betriebsstättenleiterin Katrin Liedtke.

Und so greifen nicht nur kleinere Unternehmen auf die angebotenen Dienstleistungen zurück, sondern auch große, renommierte Firmen – weil die Produkte und die Qualität der DIN-zertifizierten Werkstatt passen.

Aufträge für Miele und das Aqualaatzium

„Wir stellen beispielsweise Mangel-Tücher für Miele und zwei andere Unternehmen her“, erzählt Liedtke. „Und wir sind eine echte Konkurrenz zu Unternehmen in Polen oder Bangladesch.“ So rettete die Nähwerkstatt auch 5000 Bettbezüge, deren Verschlüsse für die Verwendung in Hotels falsch herum eingenäht worden waren. „Die haben wir aufgetrennt und richtig eingenäht“, sagt Liedtke. Taschen aus alten Planen für das Aqualaatzium werden in Altwarmbüchen ebenfalls gefertigt – und manchmal kommen auch Privatleute, um sich ihre Hosen kürzen zu lassen.

Eine der wegen der Materialauswahl und des Designs wohl aufwendigsten Aufgaben waren mehrere Hundert bestickte Segeltuch-Taschen, die die Landeskirche für Pastoren in Auftrag geben hatte. Zu den beliebtesten Tätigkeiten gehört Liedtke zufolge das Einbringen von Dauerkennzeichnungen in Firmentextilien mit einer sogenannten Patche, die Hitze und Druck kombiniert. „Da sind alle ganz wild drauf“, sagt sie.

In der industriellen Montage werden die Werkstoffe Metall, Kunststoff und Holz bearbeitet. Auch dort gibt es ganz verschiedene Aufgaben, von einfach bis hoch komplex – so dass jeder dort Beschäftigte seinen Fähigkeiten entsprechend eingesetzt werden kann.

Komplexe Tätigkeiten und nachhaltige Produkte

Die einen Mitarbeiter falten Kartons, die anderen fertigen aus Restholz von Euro-Paletten und gesammeltem Wachs Grillanzünder. „Das ist klasse, wenn hier auf diese Weise etwas Nachhaltiges entsteht“, sagt Bürgermeister Arpad Bogya bei seinem Betriebsbesuch begeistert. Das Arbeiten an der Drehbank, das Prüfen von Schläuchen auf Dichtigkeit oder das Montieren von Motoren auf Platten verlangen ein hohes Maß an Konzentration und Genauigkeit.

Auch das Reiseunternehmen Tui greift auf die Pestalozzi-Werkstatt zurück und lässt seine Dienstfahrräder an der Krendelstraße warten: Reifen tauschen, Bremsklötze erneuern und alles auf Hochglanz polieren. „Die Betreuer haben zum Teil neben ihrer handwerklichen Qualifikation auch eine sozialpädagogische Zusatzausbildung“, sagt Werkstattleiter Oliver Paasch. Das sei wichtig, um die Beschäftigten vernünftig anleiten zu können. Während der eine Mitarbeiter lediglich ein oder zwei Arbeitsschritte leisten kann, will der andere sich als Fachmann ausleben.

Schritte in ein selbstbestimmtes Leben

Schließlich ist die Arbeit in der Werkstatt laut Andrea Sewing – sie hat bei Pestalozzi die Geschäftsbereichsleitung für die Werkstatt für behinderte Menschen inne – das Ziel, Beschäftigte möglichst irgendwann in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Als erster Schritt dorthin dienen sogenannte ausgelagerte Arbeitsplätze. So kann ein Werkstatt-Angehöriger etwa an einem Tag in der Woche in einem nahe gelegenen Betrieb Regale einräumen oder im Baumarkt Blumen gießen, den Rest der Woche aber weiterhin in der Näherei arbeiten. Dabei bleibt er Beschäftigter der Pestalozzi-Werkstatt, die sich auch um die Kommunikation mit der Firma kümmert.

Auch im Hinblick darauf sei der Standort zwischen den Gewerbebetrieben optimal, sagt Werkstattleiter Paasch. Außerdem holten beispielsweise Beschäftigte der industriellen Montage selbst neue Teile von der beauftragenden Firma, wenn diese in der Nähe liege. „Aber wir möchten uns noch besser vernetzen“, sagt Paasch.

Ein weiteres Ziel ist die Eröffnung des Ladens, der bei der Errichtung des Neubaus gleich mit eingeplant wurde. „Es wäre schön, wenn uns das innerhalb eines Jahres gelänge“, sagt Sewing. Dort könnten dann Werkstatt-Produkte angeboten werden. Es gibt aber auch die Überlegung, Nähkurse für Interessierte anzubieten – unter der fachkundigen Anleitung der Werkstattmitarbeiter. „Es ist schön, dass Leute auch einfach mal durchs Fenster reinschauen und fragen, was wir hier machen“, sagt Liedtke. „Die laden wir dann ein und geben ihnen eine Führung.“

Mensa wird gemeinsam geführt

Ein weiterer Vorteil der Werkstatt in Altwarmbüchen: Sie ist recht klein. Somit werden viele Dinge, für die es in großen Werkstätten extra Teams gibt, von allen gemeinsam übernommen. Dazu gehört neben Reinigungsarbeiten auch die Betreuung der Mensa mitsamt der Essensausgabe. „Einmal im Monat gibt es ein gemeinsames Frühstück, bei dem sich alle austauschen, was gut läuft und was man wie besser machen kann“, sagt Liedtke. „Daran wachsen alle sehr.“

Wer sich für seine Firma eine Kooperation vorstellen kann oder Interesse an einem Auftrag hat, findet auf der Internetseite www.pestalozzi-stiftung.de im Bereich „Produkte & Dienstleistungen“ die passenden Ansprechpartner. 

Hier lesen Sie mehr zur Pestalozzi-Werkstatt in Altwarmbüchen:

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Von Sandra Köhler

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