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Nachrichten Gemeinde bekommt den Fachkräftemangel zu spüren
Region Isernhagen Nachrichten Gemeinde bekommt den Fachkräftemangel zu spüren
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18:09 10.07.2019
Die Planungsabteilung kommt wegen des Personalmangels mit der Arbeit nicht hinterher. Ob die Bauvorschriften im Neubaugebiet Wietzeaue eingehalten wurden, kann deshalb nicht schnell geprüft werden. Quelle: Sandra Köhler
Altwarmbüchen

Der Fachkräftemangel ist in der Gemeindeverwaltung Isernhagen angekommen, speziell in der Planungs- und Tiefbauabteilung. Vakanzen und die Einarbeitung neuer Mitarbeiter in die komplizierte Materie haben dazu geführt, dass diese Fachbereiche ihr Arbeitsprogramm für 2019 nicht einhalten können. Das sorgt für Verzögerungen bei Bauleitplanungen, bei der Fortschreibung des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts und bei Straßenausbauprojekten. Aber auch die Überprüfung örtlicher Bauvorschriften, etwa im Neubaugebiet Wietzeaue, ist nicht zeitnah möglich. Mit Umstrukturierungen und einer zusätzlichen befristeten Ingenieurstelle will die Gemeinde das Problem angehen.

Fachkräftemangel: Ingenieure sind gesucht

Ingenieure sind deutschlandweit begehrt. Sie können sich reizvolle und gut bezahlte Stellen aussuchen. Und das macht es für die Gemeinde Isernhagen nicht einfacher. So ist die Stelle der Tiefbauabteilungsleitung zurzeit vakant, die Aufgabe wird von einer anderen Ingenieurin mit übernommen. Bei einer Ausschreibung hatten nacheinander alle geeigneten Kandidaten abgesagt. Die Leitung der Planungsabteilung sowie die Stelle eines anderen Planungsingenieurs konnten erst nach mehrmonatiger Vakanz neu besetzt werden. Die Fluktuation ist hoch, die Einarbeitung aufwendig und langwierig, die Liste der zu erledigenden Aufgaben jedoch üppig.

Vom für 2019 angestrebten Arbeitsprogramm für Planungs- und Entwicklungsmaßnahmen ist die Gemeinde aufgrund dieser Umstände bereits abgerückt, weil es nicht zu schaffen ist. Stattdessen würden „die Planverfahren nach Priorität und personellen Ressourcen“ abgearbeitet, heißt es aus dem Rathaus. So ist etwa das Verfahren für den Bebauungsplan Zentrum, der sich mit der Umnutzung des bisherigen Posthofs im Zentrum befassen soll, erst für 2021 vorgesehen.

Tiefbau: Planung der Wietzeaue-Straßen erst 2020/2021

In der Tiefbauabteilung sieht es ähnlich aus. Statt Projekte mittel- bis langfristig zu erarbeiten, gehe es nun darum, Maßnahmen ergebnisorientiert anzugehen, um nicht ganz ins Hintertreffen zu geraten, heißt es in einer Informationsvorlage, die den Ratsmitgliedern kürzlich vorgelegt wurde. So ist etwa die Planung für die Straßen- und Kanalerschließung für den zweiten Abschnitt des Baugebiets Wietzeaue auf 2020/2021 verschoben worden. Die Planung und der Ausbau der Straßen Im Gehäge, Schmiededamm, Pappelweg und Soorenweg sowie der Bau der Straße Großhorst sollen zwischen 2020 und 2024 erfolgen.

Für die Planungsabteilung hat die Verwaltung bereits eine zusätzliche Ingenieurstelle, befristet auf drei Jahre, ausgeschrieben. Die Tiefbauabteilung hat deutlich gemacht, dass langfristig eine zusätzliche Vollzeitstelle für den Bereich Abwasser benötigt wird. Speziell im Bereich der Straßenkontrollen und -sanierung habe der Aufwand im vergangenen Jahrzehnt stark zugenommen, heißt es von dort. Aufgaben rund um den Kanalbau sollen in den kommenden Jahren gemeinsam mit externen Ingenieurbüros umgesetzt werden.

Bürgermeister Bogya: Notwendigkeiten überprüfen

Bereits im September 2018 hatte Bürgermeister Arpad Bogya in seiner Rede zur Einbringung des Haushaltsentwurfs 2019 Fragen aufgeworfen: „Ist es wirklich politisch notwendig, dass wir im Jahr mit 20 bis 25 Bauleitplanverfahren deutlich mehr als unsere zum Teil größeren Nachbarkommunen umsetzen? Ist es politisch wirklich notwendig, dass wir vieles gleichzeitig oder zeitlich sehr eng getaktet umsetzen müssen?“ Diese damals mit Blick auf die Folgekosten geäußerten Fragen an die Ratspolitiker – die selbst manche Planungen angestoßen haben – erscheinen vor dem Hintergrund der aktuellen Personalknappheit nun aktueller denn je.

Denn eine Bauleitplanung auf den Weg zu bringen, das ist das eine. Zu überprüfen, ob die Bauvorschriften dann auch eingehalten werden, das andere. Denn je länger Verstöße geduldet würden, umso schwieriger und aufwendiger würden auch die Verfahren zum Abriss, heißt es aus dem Rathaus. „Verfahren müssten dringend begonnen werden, jedoch fehlen personelle Ressourcen“, heißt es dazu knapp in einer Sitzungsvorlage.

Hierbei ist jedoch nicht nur die Gemeinde Isernhagen gefragt, sondern auch die Bauaufsicht der Region Hannover. Erstere ist laut Isernhagens Bauamtsleiterin Heike Uphoff etwa für die Höhe von Hecken zuständig. Der Region hingegen obliegt es zu prüfen, ob Zäune oder Mauern korrekt errichtet wurden, und ob nicht zu viel der Grundstücksfläche überbaut und damit die Vorgaben verletzt wurden.

Baugebiet Wietzeaue: Auffällig viele Verstöße

Der Gemeinde waren bereits im April mehrere Fälle aus dem Baugebiet Wietzeaue bekannt geworden, in denen Bauherren das erlaubte Maß überschritten hatten. Wohl auffälligster Fall war ein nahe der Grundstücksgrenze errichtetes überdimensioniertes Spielhaus. Diese Baustelle wurde von der Bauaufsicht der Region sogar vorübergehend stillgelegt – samt amtlichem Siegel. Mittlerweile hat der Bauherr das Holzhaus verkleinert und auf eine andere Stelle versetzt, sodass die Region eine befristete Genehmigung dafür aussprach.

Unter dem Eindruck dieses Falles hatte die Gemeinde die Region Hannover um eine gemeinsame Ortsbegehung gebeten. Zu Recht: „Im Baugebiet Wietzeaue sind wir auf eine auffällige Häufung von Baumängeln gestoßen, die wir in den nächsten Monaten abarbeiten werden“, sagt Regionssprecher Klaus Abelmann. Im Team der Bauaufsicht der Region herrsche kein Personalmangel. Für den kommenden zweiten Abschnitt des Baugebiets in Altwarmbüchen sind laut Abelmann bereits Absprachen getroffen: „Wir haben uns mit der Gemeinde darüber verständigt, wie im zweiten Bauabschnitt Verstöße vorn vornherein vermieden werden können.“

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