Isernhagen: Gartenmärkte erleben Kundenansturm
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Isernhagen: Gartenmärkte erleben Kundenansturm

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16:54 21.02.2021
Der Frühling kann kommen: Evelin Müller verlässt die Gärtnerei Reinike mit Hyazinthen, Narzissen und Osterglocken für ihren Balkon und die Terrasse.
Der Frühling kann kommen: Evelin Müller verlässt die Gärtnerei Reinike mit Hyazinthen, Narzissen und Osterglocken für ihren Balkon und die Terrasse. Quelle: Gabriele Gerner
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Isernhagen

Sonnenschein und Temperaturen von 17 Grad bescheren den Gartenmärkten in Isernhagen am Wochenende jede Menge Besucher. Die Kunden strömen in die erst seit einer Woche wieder geöffneten Märkte und decken sich mit Pflanzen ein. Gefragt sind vor allem Primeln, Stiefmütterchen und Hornveilchen.

Die Parkplätze vor dem Blumenhof Kirchhorst sind voll. „Pflanzen sind etwas fürs Gemüt“, sagt Kundin Kirstin Schmidt. „Jetzt, wo man durch das Homeoffice viel zu Hause ist, will man es sich doch schön machen.“ Renate Schwarzer-Hartwig stellt eine Palette lila-weiße Hornveilchen in den Kofferraum ihres Autos. „Die pflanze ich vor dem Haus“, sagt sie. „Da kann der Frühling kommen.“ Ingrid Diehl aus Misburg hat es nicht so einfach mit dem Transport. Gemeinsam mit ihrem Mann überlegt sie, wie sie die rund zwei Meter hohe Strelizie in ihr Auto bekommt. Aber die Freude über den Kauf ist ihr anzusehen. „Darauf habe ich so lange gewartet“, bekennt sie. „Ich bin so froh, dass die Gartencenter endlich wieder geöffnet haben.“

„Auf diese Strelizie habe ich lange gewartet!“, sagt Ingrid Diehl aus Misburg. Sie ist froh, dass der Blumenhof Kirchhorst wieder geöffnet hat. Quelle: Gabriele Gerner

Start wie ein Wurf ins kalte Wasser

Froh sind auch die Inhaber und Mitarbeiter der Gartenmärkte. „Wir sind natürlich etwas ins kalte Wasser geworfen worden mit der Ankündigung vor eineinhalb Wochen“, gesteht Blumenhof-Marktleiter Oliver Mädge. „Am Donnerstag hatten wir die Mitteilung bekommen, dass wir ab Sonnabend wieder öffnen dürfen.“ Da hieß es für ihn und sein Team: Ärmel hochkrempeln und loslegen. Einige Waren lagerten zum Glück bereits seit Wochen auf seinem Gelände, andere wurden kurzfristig aus der eigenen Baumschule in Wietze-Jeverse geholt. „Und dann kam trotz Schnee der große Kundenansturm“, berichtet Mädge noch heute erstaunt. „Insgesamt hatten wir einen super Saisonstart.“

„Ein super Saisonstart!“ Oliver Mädge, Marktleiter vom Blumenhof Kirchhorst, freut sich über die große Nachfrage der Kunden am ersten frühlingshaften Sonnabend des Jahres. Quelle: Gabriele Gerner

Abstandsregeln sind kein Problem

Die Abstandsregeln bereiten dem Marktleiter keine Probleme. „Wir haben zwei Verkaufsräume von 700 Quadratmetern und einen von 500 Quadratmetern plus unsere riesige Freifläche. Die zulässige Höchstzahl an Kunden erreichen wir noch nicht einmal, wenn alle Einkaufswagen vergeben sind“, so Mädge. Lediglich im Schnittblumenladen gilt eine Zugangsbeschränkung von zwei Kunden. Und überall muss eine medizinische Maske getragen werden.

Frühlingshafte Temperaturen haben am Wochenende zahlreiche Kunden in die Gartenmärkte in Isernhagen gelockt. Diese freuen sich über den gelungenen Neustart.

Auch in der Gärtnerei Reinike in Neuwarmbüchen herrscht reges Kommen und Gehen. Die Mitarbeiterin kommt im Schnittblumenbereich kaum hinterher. Kundin Evelin Müller verlässt das Geschäft mit einer Palette voller Hyazinthen, Osterglocken und Narzissen. „Das kommt auf den Balkon und die Terrasse“, sagt sie. „Blumen sind doch etwas für die Seele“, meint Geschäftsführerin Sabine Hupke. Zusammen mit ihrem Bruder Rolf Reinike betreibt sie das Familienunternehmen. Auch Reinikes Tochter Tanja Katz packt neben dem Besuch der Meisterschule mit im Betrieb an. „Toll, dass wir wieder öffnen dürfen und die Kunden das gut annehmen“, sagt Hupke.

Rolf Reinike und seine Tochter Tanja Katz von der Gärtnerei Reinike haben ein Platzproblem: Hunderte von Primeln müssen bald den Sommerblumen weichen. Quelle: Gabriele Gerner

Rolf Reinike: „Im Winter Massen an Pflanzen vernichtet“

Dennoch sitzt der Schock über den Lockdown noch tief. „Wir haben im Dezember Waren im Wert von 45.000 Euro vernichten müssen“, klagt Rolf Reinike. Massenweise seien Christrosen, Alpenveilchen und der zu Silvester beliebte Glücksklee auf dem Kompost gelandet, da die Pflanzen nicht verkauft werden konnten. „Dafür haben wir keine Entschädigung bekommen“, sagt der Geschäftsführer. „Der Staat übernimmt ja nur die Fixkosten“, betont seine Schwester. Den Lockdown habe der Familienbetrieb genutzt, um die Homepage auszubauen. Vor allem Blumensträuße, Gestecke und Trauerkränze seien kontaktlos online verkauft worden. „Doch die Abwicklung des Onlinegeschäfts ist ungleich aufwendiger“, sagt Hupke.

Aufatmen im Gartenmarkt Florus

Im Gartenmarkt Florus in Isernhagen H.B. ist man erleichtert über die Wiedereröffnung. „Wir atmen auf“, sagt Geschäftsführer Klaus Stannek. „Zum Glück hatten wir ja noch unseren Bereich des Garten- und Landschaftsbaus. Der hat uns über die schwere Zeit gerettet.“ Besuche bei Kunden und die Pflege von Gartenanlagen sind auch im Lockdown weiterhin erlaubt. Der Terminkalender für den Einsatz der Gärtner ist über Wochen ausgebucht. Doch auch der Frost der vergangenen Wochen hat etliche Schäden angerichtet. „Viele Pflanzen müssen wir leider wegwerfen“, sagt Stannek bedauernd. Umso glücklicher ist er, dass nun anscheinend der Frühling einkehrt.

„Das hat uns über die schwere Zeit gerettet!“ Klaus Stannek, Geschäftsführer des Gartenmarktes und Garten- und Landschaftsbaus Florus in Isernhagen H.B., nimmt einen Auftrag für eine Gartengestaltung entgegen. Quelle: Gabriele Gerner

Gärtnerei Rothenfeld: Weniger Firmen-, mehr Privatkunden

Das frühlingshafte Wetter lockt auch viele Kunden in die Bio-Gärtnerei Rothenfeld. Mareike Borm und ihre Nachbarinnen Annabell und Isabel Stannek sind mit ihren Kindern aus Oldhorst nach Neuwarmbüchen gelaufen, um im Hofladen frisches Gemüse einzukaufen. Die Gärtnerei, die auch Bioläden beliefert, hatte zwar auch während des Lockdowns geöffnet. Doch das hieß nicht, dass alles beim Alten geblieben ist. „Wir haben einige Firmenkunden verloren, weil Kantinen geschlossen wurden“, berichtet Inhaberin Annette Ohm. „Aber der Verlust wurde dadurch aufgefangen, dass die Leute mehr zu Hause gekocht haben.“ Neben dem Hofverkauf verzeichneten auch die Marktstände in Großburgwedel, Letter und Hannover seit Monaten eine stärkere Nachfrage.

Nutzen das frühlingshafte Wetter für einen Spaziergang von Oldhorst nach Neuwarmbüchen und decken sich beim Hofverkauf der Gärtnerei Rothenfeld mit Gemüse ein: Isabel Stannek (von links), Mareike Borm und Annabell Stannek mit ihren Kindern und Hunden. Quelle: Gabriele Gerner

Nun hofft Ohm, dass bald ihre Erntesaisonkräfte aus Rumänien und Ungarn kommen können. „Die kommen seit vielen Jahren zu uns und sind sehr gut eingearbeitet“, sagt sie. Doch auch einige deutsche Hilfskräfte aus dem vergangenen Jahr hätten ihr wieder ihre Mithilfe angeboten. „Darunter waren Studenten und Leute aus der Veranstaltungsbranche.“

Von Gabriele Gerner