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Nachrichten Frank Suchland liest Erich Kästner im KulturKaffee Rautenkranz
Region Isernhagen Nachrichten Frank Suchland liest Erich Kästner im KulturKaffee Rautenkranz
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10:12 22.02.2019
Begnadeter Rezitator: Frank Suchland lässt Erich Kästner aufleben. Quelle: Gabriele Gerner
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Isernhagen F.B

Erich Kästner würde in diesem Jahr seinen 120. Geburtstag feiern. Dies nahm das KulturKaffee Rautenkranz in Isernhagen zum Anlass, einen Abend der Reihe NachtKaffee dem großen Dichter und Publizisten zu widmen.

Mit dem Rezitator Frank Suchland, der aus den Werken Kästners las und dessen Leben Revue passieren ließ, traf der Veranstalter eine hervorragende Wahl. Der 56-jährige Sprecher, der auch als Regisseur und Komponist tätig ist, intonierte die Texte Kästners grandios. Mit sanfter bis donnernder Stimme, ausladenden Bewegungen und pointierter Mimik präsentierte er die ganze Bandbreite der Kästnerschen Werke.

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„Seit Kästner werden wieder Gedichte gelesen“

Ob erotische Abenteuer, die Kritik an der Obrigkeitshörigkeit der Menschen oder ein aus dem Ruder gelaufener Kinderstreich: Mit all seinen Texten war Erich Kästner einst nah bei den Menschen – ein exzellenter Beobachter seiner Zeit. Sein Verleger jubelte einst: „Seit Kästner werden wieder Gedichte gelesen.“ Seine als Gebrauchslyrik bezeichneten Gedichte schauten den Menschen in die Seele und sprachen ihnen aus dem Herzen. Kästner avanciert in den Zwanzigerjahren zu einer der wichtigsten Stimmen der neuen Sachlichkeit.

Seine Inhalte jedoch waren alles andere als sachlich. Immer wieder thematisierte er das Sterben seiner Klassenkameraden im Ersten Weltkrieg, militärischen Drill und später die Gräueltaten im Nationalsozialismus. Zu seinen erschütterndsten Erfahrungen gehörte der Gestapo-Mord an seinem Schauspielerkollegen Hans Otto, der nach elf Tagen Folter bei einem Verhör aus dem dritten Stock auf die Straße geworfen wurde. Ebenso traumatisch war für ihn der Selbstmord seines engen Freundes Erich Ohser. Der begnadete Karikaturist, vielen bekannt unter dem Pseudonym e.o.plauen, erhängte sich aus Angst vor den Nazis im Gefängnis.

Publikum ist begeistert von der Lesung im KulturKaffee

Frank Suchland nahm das Publikum mit auf eine Reise durch Kästners Leben. Bildhaft schilderte er die extrem enge Mutterbindung des Schriftstellers, seinen Lerneifer, die großen Erfolge und das Leben im Wohlstand, das immer wieder von Zeiten extremer Armut unterbrochen wurde. Die Gäste zollten dem einfühlsamen Rezitator großen Respekt. Nach seinem gefeierten Auftritt 2018 im KulturKaffee enttäuschte der 56-Jährige auch am Donnerstagabend nicht. „Suchland hat nicht nur gelesen, er hat es aufgeführt“, sagte Renate Folkers aus Hannover anerkennend. Regina Lingemann aus Hänigsen nickte zustimmend: „Das war ein großartiger Abend.“

Von Gabriele Gerner