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Nachrichten Amtsgericht verurteilt Vereinsvorsitzenden zu Geldstrafe
Region Isernhagen Nachrichten Amtsgericht verurteilt Vereinsvorsitzenden zu Geldstrafe
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17:01 24.04.2019
Vor dem Amtsgericht Burgwedel kam jetzt eine Beleidigung und Körperverletzung durch einen Isernhagener Vereinsvorsitzenden zur Anklage. Quelle: Archiv (Frank Walter)
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Isernhagen

Ein Isernhagener Vereinsvorsitzender, vielfach vorbestraft und auch schon hafterfahren, ist vom Amtsgericht Burgwedel wegen Körperverletzung und Beleidigung zu einer Geldstrafe von 3200 Euro verurteilt worden. Amtsrichter Michael Siebrecht sah es als erwiesen an, dass der Mann eine Honorarkraft des Vereins im Streit beschimpft und gegen eine Wand geschubst hatte.

Vorsitzender soll zum Schlag ausgeholt haben

Laut der Zeugin, die damals für den Verein Kurse gab, hatte der Vorsitzende sie im Oktober 2018 abends vor der Übungsstätte abgepasst. Sie selbst habe von ihm zum wiederholten Male ausstehendes Honorar eingefordert und klar gemacht, dass der Verein künftig auf ihre Dienste verzichten müsse. Der Vorsitzende habe sie dann an der Hüfte gepackt und gegen eine Wand geschleudert. Doch nicht nur das: „Er holte aus und wollte mich schlagen“, schilderte die Zeugin das Geschehen. Zudem habe er sie als „alte Fotze“ beleidigt. Offenbar nur, weil sie selbst in ihrer Not ein vorbeigehendes Pärchen um Hilfe gebeten habe – welche allerdings nicht reagierte – habe er seinen Arm wieder herunter genommen.

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Der Vereinsvorsitzende auf der Anklagebank stellte das Geschehen ganz anders dar. „Ich habe sie nicht beleidigt und geschubst. Sie hat mich geschubst“, gab der Mann zu Protokoll. Als Entlastungszeugin für sich selbst bot er eine Verwandte auf, die den Streit angeblich aus einiger Entfernung mitverfolgt hatte. Auch diese stellte die Honorarkraft als diejenige dar, die handgreiflich geworden sei.

Die Honorarkraft, die sich doch selbst als Opfer fühlte, verlor angesichts dieser Aussagen zunehmend die Fassung: „Das ist gelogen, da wird alles verdreht“, ereiferte sie sich. Besonders erbost reagierte sie, als der Verteidiger sie auch noch fragte, ob sie an jenem Abend vielleicht Alkohol getrunken habe.

Die Liste an Vorstrafen ist lang

Als Amtsrichter Michael Siebrecht auf die Vorstrafen des Angeklagten zu sprechen kam, machte er eine lange Liste auf. Seit 1969 war der Angeklagte immer wieder verurteilt worden – vor allem wegen Betruges, aber auch wegen gemeinschaftlichen Raubes, Geldfälschung, Steuerhinterziehung, Unterschlagung, Urkundenfälschung und eines Drogenvergehens.

In ihren Plädoyers lagen der Strafverteidiger und die Anklagevertreterin dann weit auseinander. Während die Staatsanwältin eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 40 Euro forderte, beantragte die Gegenseite einen Freispruch aus Mangel an Beweisen.

Richter hat keinen Zweifel an Schuld des Angeklagten

Letztlich verurteilte Richter Siebrecht den Vereinsvorsitzenden wegen Beleidigung und Körperverletzung sogar zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je 80 Euro. Er selbst hatte keine Zweifel an der Zeugenaussage der Honorarkraft. Diese sei nach wie vor sehr empört, „das wäre ein ganz große schauspielerische Leistung“. Zudem habe der Angeklagte seine Verwandte, die er bei der polizeilichen Vernehmung nicht als Zeugin erwähnt habe, heute „auf einmal aus dem Hut gezaubert“. Deren Aussage sei „recht lebensfremd“, während die Honorarkraft „sehr authentisch“ ausgesagt habe. „Ich bin überzeugt, dass es genauso gewesen ist, wie sie es hier angegeben hat.“ Und wenn der Vereinsvorsitzende das Urteil nicht akzeptieren wolle, dann könne er ja vor dem Landgericht weiterstreiten.

Von Frank Walter