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Region Isernhagen Nachrichten Nachbarn fürchten Prostitution
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18:46 11.06.2015
Heruntergelassene Jalousien oder Frauen im Fenster: In Altwarmbüchen gibt es offenbar ein Bordell, das dort nicht zugelassen sein dürfte. Quelle: Patrick Seeger (Symbolbild)
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Altwarmbüchen

Unter den Anliegern ist es ein offenes Geheimnis: Mehrfach haben sich Altwarmbüchener an die Gemeinde und die Bauaufsicht der Region gewandt mit der Sorge, dass an der Ernst-Grote-Straße Prostituierte ihrem Gewerbe nachgingen. „Es werden ständig junge Frauen an dem Haus abgesetzt“, schildert ein Anlieger seine Eindrücke. „Man sieht sie auch sehr leicht bekleidet am Fenster rauchen.“ Andere Anwohner beschreiben heruntergelassene Jalousien und Männer, die dort ein- und ausgehen.

In der Tat finden sich auf einschlägigen Seiten im Internet gleich mehrere Anzeigen von Prostituierten, die eine Adresse an der Ernst-Grote-Straße in Altwarmbüchen angeben.

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„Wir haben im vergangenen Sommer einen Schriftwechsel mit dem Hauseigentümer gehabt“, bestätigt Regionssprecherin Christina Kreutz, dass die Problematik bekannt sei. In der Tat war bis zu jenem Zeitpunkt auch ein entsprechendes Gewerbe dort angemeldet, obwohl es baurechtlich nicht zulässig war und ist. „Wenn jemand ein Gewerbe bei der Gemeinde anmeldet, wird nicht automatisch überprüft, ob es baurechtlich zulässig ist“, erklärt Rathaussprecherin Svenja Theunert. Dies sei auch auf dem Bogen für die Gewerbeanmeldung vermerkt.

Als die Region aufgrund der Hinweise aus der Bevölkerung im Sommer Kontakt aufnahm, wurde das Gewerbe auch prompt wieder abgemeldet - und der Betreiber versuchte auf offiziellem Wege, eine Genehmigung für ein Bordell zu erlangen. „Im Dezember wurde ein Bauantrag auf Umnutzung der Räume für gewerbliche Prostitution gestellt“, sagt Kreutz. Ziel war es, fünf Zimmer und drei Aufenthaltsräume an Prostituierte zu vermieten - Gemeinde und Region lehnten das im März unisono ab.

„Aber es hat sich nichts geändert. Die Prostituierten arbeiten da immer noch“, betont ein Anwohner. Dementprechend erneuerten die Altwarmbüchener ihre Beschwerden. „So etwas lässt sich nicht leicht nachweisen“, erklärt die Regionssprecherin das Problem. Denn sich den ganzen Tag vor dem Haus auf die Lauer zu legen sei nicht zu leisten. „Und um in die Räume hineinzuschauen, bräuchte die Bauaufsicht eine gerichtliche Zutrittsverfügung.“ Zudem lägen noch nicht genügend Aussagen von Nachbarn vor.

Aber: „Wir werden erneut Kontakt mit dem Eigentümer aufnehmen“, verspricht Kreutz. „Sollten die Hinweise zutreffen, kann eine Nutzungsuntersagungsverfügung ausgesprochen werden.“

Bordell – ein „störendes“ Gewerbe

Ein Mischgebiet ist laut Baunutzungsverordnung sowohl für Wohnhäuser als auch Gewerbebetriebe gedacht – allerdings mit der Einschränkung, dass das Gewerbe das Wohnen nicht stören darf. Zwar fällt Prostitution durchaus unter die Kategorie Gewerbe, laut aktueller Rechtssprechung jedoch unter die „störenden“ Arten. „An der Ernst-Grote-Straße überwiegt in dem betroffenen Bereich das Wohnen deutlich“, erklärt Regionssprecherin Christina Kreutz. „Und ein Bordell ist eben nicht zu bewerten wie eine Bäckerei.“ Aufgrund des Konfliktpotenzials sei Prostitution daher dort nicht genehmigungsfähig.

Von Carina Bahl