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Nachrichten Betrieb stellt unentgeltlich Krötenschutzzaun auf
Region Hemmingen Nachrichten Betrieb stellt unentgeltlich Krötenschutzzaun auf
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02:07 05.03.2018
Envipro-Mitarbeiter stellen zwischen Ohlendorf und Devese einen Krötenschutzzaun auf. Quelle: Privat
Hemmingen/Koldingen

 Die Kröten zwischen Ohlendorf und Devese haben Glück. Weil das Koldinger Unternehmen Envipro einen Frosch als Unternehmenslogo hat, engagiert es sich bereits seit sieben Jahren für den Amphibienschutz. Jedes Frühjahr stellt das Ingenieurbüro für Umwelttechnik am Bürgerholz an der Kreisstraße 225 zwischen Ohlendorf und Devese einen etwa einen Kilometer langen Krötenschutzzaun auf. „Damit hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren Tausende Kröten vor dem Tod auf der Straße gerettet“, sagt Inge Scherber, Mitglied der Naturschutzbund (Nabu)-Ortsgruppe, zu der Hemmingen gehört. Sie betont: „Das Engagement kann man gar nicht genug loben.“

Denn 2012 stand der Krötenschutz am Bürgerholz vor dem Aus. „Die Stadt Hemmingen, die den Amphibienschutzzaun seit 2004 jedes Frühjahr für den Nabu aufgestellt hatte, hat 2012 alle freiwilligen Leistungen an Vereine und Verbände eingestellt“, berichtet Scherber. Auch das Aufstellen des Schutzzaunes von Mitarbeitern des Bauhofes sei dem Rotstift zum Opfer gefallen.

„Für die Amphibienschützer des Nabu war das eine bittere Entscheidung“, sagt Scherber. Die ehrenamtliche Arbeit von acht Jahren wäre umsonst gewesen, und die Naturfreunde hätten das Massensterben der Kröten und Frösche auf der Straße hilflos mit ansehen müssen. „Die Helfer, meist Frauen und ältere Personen, können zwar mit großem Einsatz einen Schutzzaun betreuen. Das Aufstellen des Zaunes und das Eingraben der 50 Eimer in den steinigen Straßenseitenraum ist Knochenarbeit und für die Helfer nicht möglich.“

Einen kompletten Arbeitstag lang haben 14 Mitarbeiter des Koldinger Betriebes  Envipro den Zaun aufgestellt, die Eimer eingegraben und den unteren Bereich des Zauns mit Sand abgedichtet, so dass keine Kröten sich darunter durchbuddeln können. „Wir wollten etwas für den Umweltschutz tun und vor Ort ein Naturschutzprojekt unterstützen“, sagt Projektleiter Jörg Engelke von Envipro. „Und da wir einen Frosch als Firmenlogo haben, hat es sich angeboten, dass wir uns um den Schutzzaun kümmern.“ Alle Mitarbeiter stünden hinter dem Projekt. In der Zeit von Mitte März bis Anfang April bauen sie den Zaun wieder ab und lagern ihn für die nächste Krötenwanderung ein.

Der Zaun verhindert, dass jedes Jahr Tausende der geschützten Erdkröten, Grasfrösche und Molche unter die Räder kommen. Denn sobald es wärmer wird, erwachen die Amphibien aus ihrem Winterschlaf im Bürgerholz und wandern massenhaft in der Abenddämmerung in den ersten milden Frühlingsnächten zu ihren Laichgewässern am Westrand von Arnum. Ohne den Zaun würden die Tiere beim Überqueren der Kreisstraße überfahren werden. Nun fallen sie in insgesamt 50 Eimer, die an den Zäunen eingegraben worden sind. Dort holen sie die Helfer vom Nabu ein- bis zweimal täglich heraus und tragen sie zu ihren Laichgewässern.

Laut Nabu ist der Schutzzaun ein voller Erfolg: „Waren es im Jahr 2004 etwa 600 Tiere, die wir in den Eimern fanden, so waren es 2015 bereits 3700“, berichtet Inge Scherber. Damit die Tiere auf der Baustelle der neuen B3-Umgehungsstraße  nicht in die bereits ausgehobenen Gruben fallen, sind diese ebenfalls mit einem Schutzzaun gesichert. 

Wenn alles nach Plan läuft, bauen die Mitarbeiter von Envipro den Schutzzaun im nächsten Jahr ein letztes Mal auf. Im Herbst 2019 soll die neue Umgehungsstraße  für den Verkehr freigegeben werden. Diese enthält vier Amphibiendurchlässe, durch die die Tiere dann gefahrlos ihre Laichgewässer erreichen können. Die jetzige Kreisstraße in diesem Abschnitt wird zu einem drei Meter breiten Wirtschaftsweg zurückgebaut, der für den öffentlichen Verkehr gesperrt sein wird. Da im Bürgerholz auch die nach EU-Recht streng geschützten Kammmolche leben, wurden westlich der neuen Bundesstraße bereits drei Ersatzlaichgewässer angelegt, die von einigen wenigen Tieren bereits im Frühjahr 2017 neu besiedelt wurden.

„Bis 2019 haben wir gemeinsam mit der Firma Envipro die Amphibienpopulationen im Bereich des Bürgerholzes vor dem Aussterben bewahrt“, freut sich Scherber und betont: „Sicher ist das nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, wenn man an das rapide Aussterben vieler Tier- und Pflanzenarten gerade auch in Deutschland denkt. Aber das ist immer noch besser, als nur zu klagen und nichts zu tun.“

Von Stephanie Zerm

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