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Region Hemmingen Nachrichten Pastor Gerhard Bruns wird 90 Jahre alt
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14:35 21.03.2018
Gerhard Bruns blickt auf ein bewegtes Leben zurück.
Gerhard Bruns blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Quelle: Stephanie Zerm
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Hiddestorf

 Gerhard Bruns hat viel erlebt. Nicht alles davon war schön. Dennoch blickt der Pastor im Ruhestand zufrieden zurück. “Ich bin froh, dass ich den Krieg unbeschadet überstanden habe und bin für jeden Tag dankbar“, sagt er. Am Donnerstag feiert der für seine Zeitungs-Kolumnen bekannte Pastor im Ruhestand seinen 90. Geburtstag. 

Geboren wurde Bruns am 22. März 1928 in Ostfriesland. Aufgewachsen ist er in Marburg. Seine Kindheit endete abrupt im Herbst 1943: Der Gymnasiast musste sich als Luftwaffenhelfer melden und erlebte mit 15 Jahren den Krieg hautnah als Flakhelfer mit. In Kassel und Leuna musste er mit einem Kommandogerät die Höhe einstellen, mit der 8,8-Zentimeter-Geschosse auf feindliche Bomber gefeuert wurden. Einmal traf sein Geschoss ein Flugzeug. „Es war schrecklich, es dann explodieren zu sehen“, sagt Bruns. „Ich kann das nicht vergessen.“ Auch um sein eigenes Leben musste der 15-Jährige damals fürchten. Er sah, wie sich die Luken der feindlichen Flugzeuge öffnen und direkt über ihm Bomben abgeworfen werden. „Überall um uns herum waren tiefe Krater“, erinnert er sich. Das Grauen endete für den damaligen Jugendlichen, als er im Frühjahr 1944 Heimaturlaub bekam und der Krieg im Jahr darauf beendet wurde.

Das BIld zeigt Gerhard Bruns mit 15 Jahren in dem Wehrausweis, den er als Flakhelfer bekommen hat. Quelle: Stephanie Zerm

1945 zog er sich wieder seine kurzen Hosen an und machte an seiner alten Schule ein Notabitur. Anschließend erfüllte er sich seinen größten Wunsch und studiert in Marburg, Kopenhagen und in den USA Theologie. Doch schon seine erste Pastorenstelle war eine Herausforderung: Diese trat er in den Fünfzigerjahren jenseits der innerdeutschen Grenze im thüringischen Ilfeld an. „Während wir sangen und beteten, stand eine Volkspolizistin da und passte auf, was wir sagten“, erinnert er sich.

Später arbeitete Bruns als Pastor in Gehrden und als Leiter der Stadtmission Hannover. 1984 zog er mit seiner Familie nach Hiddestorf, wo er sich später auch ehrenamtlich in der Nikolai-Gemeinde engagierte.

Bei seiner Arbeit als Pastor war ihm die missionarische Arbeit immer am wichtigsten. „Ich wollte auch Menschen erreichen, die nicht in die Kirche gehen“, sagt Bruns. Dazu hat er zahlreiche Kolumnen geschrieben, die in allen großen hannoverschen Zeitungen erschienen sind. Im Laufe der Jahre veröffentlichte Bruns mehr als zehn Bücher, in denen er seine Gedanken und Erinnerungen festgehalten hat. 

Mit seinen 90 Jahren fühlt sich der Pastor im Ruhestand noch relativ fit. „Bis auf meine schlechten Augen geht es mir gut“, sagt er. „Außerdem habe ich viel Unterstützung von meiner Ehefrau Elisabeth.“ Um sich fit zu halten, schreibt er immer noch kurze Texte über Gott und die Welt, liest viel, spielt Schach und löst Sudoku-Rätsel. „Das Wichtigste am Älterwerden ist, dass man sich nicht gehenlassen darf“, sagt Gerhard Bruns.

Zu seinem 90. Geburtstag veranstaltet die Nikolai-Gemeinde eine kleine Andacht. Dabei gibt Bruns Sohn Christoph, der in die Fußstapfen seines Vaters getreten und Pastor in Neustadt am Rübenberge ist, einen kleinen Überblick über das Leben seines Vaters. Außerdem mit dabei ist auch Gerhard Bruns Enkel Fabian, der Gitarre spielt. Darüber hinaus sorgen ein Gäste- und ein Posaunenchor sowie Kantorin Anna-Lena Senk für die musikalische Unterhaltung. Die Andacht beginnt am Donnerstag, 22. März, um 17.30 Uhr in der Nikolaikirche. Jeder, der will, ist zu der „Stunde des Dankens und der Besinnung“ willkommen.

Von Stephanie Zerm