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Region Hemmingen Nachrichten Wilhelm Knackstedt ist seit 55 Jahren Pastor
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10:53 09.11.2019
Lieselotte und Wilhelm Knackstedt sitzen in ihrem Garten. Quelle: Julia Anders
Wilkenburg

Ein herrschaftliches weißes Haus mit roten Holzpfählen und großen Fenstern, umgeben vom herbstlichen Garten, mitten in Rodenberg. Innen zeugen Mitbringsel aus Thailand und Israel von reisefreudigen Bewohnern. Wilhelm Knackstedt ist hier im Landkreis Schaumburg aufgewachsen.

Der ehemalige Pastor von Wilkenburg kennt jede Ecke dieses gemütlichen Heims. „Das hat mein Urgroßvater gebaut, 1909“, erklärt er und nippt an einer Tasse Tee, während der süßliche Duft vom selbst gemachten Quittenkuchen das Esszimmer erfüllt. Nebenan im Garten sitzt seine Frau Lieselotte, die er liebevoll Lilo nennt.

Pastor Knackstedt (rechts) bei einer Hochzeit 1961. Quelle: privat

Schon am dritten Tag seines Theologiestudiums an der Lutherischen Theologischen Hochschule in Oberursel lernen sie sich kennen und lieben. Zweiteres gestand er ihr schon eine Woche später. 1961 heiratete das Paar, es folgten vier Kinder. „Die hatten es nicht besonders einfach, denn von Pastorenkindern erwartete man immer, dass sie sich besonders gut benehmen.“

Berufswunsch Pastor war schon früh klar

1964 erfolgten dann die Ordinierung und der Umzug zur St.-Vitus-Gemeinde in Wilkenburg. Das ist jetzt 55 Jahre her. „Mir war schon mit 15 klar, dass ich Pastor werde“, sagt der inzwischen 82-Jährige. „Ich hatte ein sehr christliches Elternhaus. Aber ganz entscheidend war meine Großmutter. Die ist 96 Jahre alt geworden und war noch am Sonntag vor ihrem Tod mit mir im Gottesdienst, ganz selbstverständlich.“

Während draußen die Herbstsonne durch die bunten Blätter scheint, schwärmt Knackstedt mit einem breiten Grinsen von seiner Berufung, seiner Zeit in Wilkenburg. „Ich hatte sofort ein paar sehr verlässliche Mitarbeiter, ob im Kirchenvorstand oder anderswo.“ Denn auch wenn das Pfarrhaus zu Beginn marode war, die Familie nur zwei Räume bewohnte und die Kinder zwischen Farbtöpfen herumliefen, „dieser Zusammenhalt in der Gemeinde damals war einfach toll“, betont er immer wieder, erzählt von Grillfeten, Fußballspielen und dem einen Mal, als ein Bauer ihn aus seinem eingeschneiten Auto rettete. „Ich war eigentlich nie allein.“

Hobbys habe er nicht gehabt: „Für mich war und ist mein Beruf mein Hobby.“ Außerdem sei ein Pastor Mehrberufler. „Egal ob Predigten oder Seelsorge, egal ob Trauer oder Freude: Ich habe eigentlich alles erlebt“, sagt Knackstedt und lehnt sich in seinem Stuhl zurück. „Einmal stand eine Frau nachts bei uns vor der Tür, weil ihr Mann sie mit einem Messer bedrohte.“ Ein anderes Mal nahmen Knackstedts ein Waisenkind bei sich auf. „Das ist für mich Zusammenhalt, das ist Gemeinde, das ist Kirche.“

Mitte der Sechzigerjahre wurde Wilhelm Knackstedt Pastor der St.-Vitus-Gemeinde in Hemmingen-Wilkenburg. Der heute 82-Jährige hat in seinem Fotoalbum geblättert.

In der ersten Woche zwei Beerdigungen

Die Anfangszeit in Wilkenburg? Sie sei herausfordernd gewesen. Vier Gottesdienste für Erwachsene und Kinder, schon in der ersten Woche zwei Beerdigungen. Lilo stand ihm damals immer bei, ging ans Telefon und unterstützte ihn, wo sie konnte. „Wir haben vor allem die Gottesdienste zusammen mit der Organistin sehr ordentlich vorbereitet.“ Auch der Konfirmandenunterricht sowie die zwischen 1965 und 2016 jährlich stattfindenden Gemeindefahrten nach Südtirol mussten geplant werden.

Chor dient Knackstedt als Ausgleich

Besonders wichtig sei aber auch der Kirchenchor gewesen. „Wenn man so viele Gemeindemitglieder hat, braucht es eine gemeinschaftliche Nische, das war für uns der Chor“, sagt Knackstedt mit leuchtenden Augen, was deutlich macht, wie viel Freude er empfindet. Denn auch, wenn er seit 1999 pensioniert ist und vorher sogar noch Weltanschauungsbeauftragter war, hat er eigentlich nie ganz aufgehört, Pastor zu sein. So kämen noch heute öfter alte Bekannte zu ihm, ob er nicht die Beerdigung machen könne. „Es ist ein Fulltime-Job, aber es gibt keinen schöneren Beruf, als Pastor zu sein.“

Die Herbstsonne geht langsam unter, als Knackstedt mit seiner Lilo die schwere Haustür aufschließt. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht, voller Dankbarkeit und Nächstenliebe, verabschiedet er sich. Bis zum nächsten Mal, in Hemmingen oder Rodenberg, wenn er die Vergangenheit wieder mit Leben füllt.

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Von Julia Anders

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