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Nachrichten Spatenstich für Stadtbahn: Noch mehr Geduld an Dauerbaustelle B3
Region Hemmingen Nachrichten Spatenstich für Stadtbahn: Noch mehr Geduld an Dauerbaustelle B3
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00:17 25.05.2019
Sie waren bei der symbolischen Aktion dabei: Regionspräsident Hauke Jagau im Bagger sowie (stehend, von links) Hannovers Bürgermeister Thomas Hermann, Infra-Geschäftsführer Christian Weske, Verkehrsdezernent Ulf-Birger Franz, Üstra-Vorstandsmitglied Volkhardt Klöppner, Hemmingens Bürgermeister Claus Schacht und Üstra-Vorstandsmitglied Denise Hain. Quelle: Andreas Zimmer
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Hemmingen

Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht aus Hemmingen. Die gute: Die Stadtbahn kommt. Die schlechte: Die Stadtbahn kommt. Für die Dauerbaustelle an der heutigen B3 in Hemmingen-Westerfeld brauchen die Hemminger und alle, die durch den zweitgrößten Hemminger Stadtteil fahren, viel Geduld und Verständnis. Dafür haben am Mittwochvormittag auch die Redner bei der symbolischen Aktion zur Stadtbahnverlängerung geworben.

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„Wo gehobelt wird, fallen Späne, deswegen bitte ich alle um Nachsicht“, sagte Infra-Geschäftsführer Christian Weske. Da kennt Bürgermeister Claus Schacht seine Hemminger besser. „Ich bitte um Entschuldigung für alle, die fluchen werden“, sagte er. Manche tun es offenbar schon jetzt und rufen im Rathaus an. Schacht redete nicht um den heißen Brei herum: „Es werden drei bis vier Jahre mit einer besonderen Belastung.“ Es sei ein wenig wie beim Friseur: „Es sieht anfangs komisch aus, aber nachher ist es spitze.“ Nicht nur, dass die Fahrgäste aus Hemmingen in 15 Minuten in der Innenstadt von Hannover sind und umgekehrt, wie Regionspräsident Hauke Jagau sagte. Schacht erläuterte aus eigener Erfahrung: „Mit dem 300er braucht man jetzt 58 Minuten.“ Mit der Stadtbahn erhoffe sich die Stadt auch, dem nahe gelegenen Gewerbegebiet zu einer „neuen Blüte zu verhelfen“.

Viel Applaus für Buslinie zum Maschsee

Da fiel auch gleich der Name des Schweizer Architekten Max Dudler, der an der B3/Ecke Weetzener Landstraße ein großes Büroensemble plant. Und auch Anderes könne noch viel besser werden, merkte Schacht an, zum Beispiel die Busquerverkehre und, für Letzteres gab es Applaus von den Zuhörern, eine Buslinie zum Maschsee. „Zu viele Lücken im Netz führen dazu, dass die Menschen weiter das Auto nutzen.“ Dafür genügte im Übrigen ein Blick auf den Vormittagsverkehr auf der B3, denn für die kleine Feierstunde war ein Teil des Penny-Markt-Parkplatzes in Hemmingen-Westerfeld abgesperrt worden. Da quälte sich – wie fast immer – die Fahrzeugschlange über die Bundesstraße. Einige Gäste kamen sogar später zur Feierstunde, weil sie zum Beispiel mit ihrem Auto im Real-Markt-Kreisel feststeckten. Dennoch: Hannovers Bürgermeister Thomas Hermann sprach von einem „freudigen Tag“, zumal auch die neue Klimaschutzsiedlung In der Rehre besser angeschlossen werde.

Infra bietet ab Juni Sprechstunden an

Zur Stadtbahnverlängerung nach Hemmingen-Westerfeld gibt es viele Fragen. Deswegen wird die Infra regelmäßig Bürgersprechstunden anbieten: mittwochs in der Zeit von 15 bis 17 Uhr in ihrem eigens eingerichteten Büro am Kirchdamm in Hemmingen-Westerfeld. Die erste Sprechstunde ist für den 5. Juni vorgesehen. zi

Was viele Hemminger zurzeit ärgert: Warum wurde schon mit den Arbeiten für die Stadtbahn begonnen, obwohl es doch bisher immer hieß, erst würde die Freigabe der B3-Ortsumgehung abgewartet werden? Infra-Geschäftsführer Christian Weske sagte im Gespräch mit dieser Zeitung, dafür gebe es einen einfachen Grund: „Es wird sonst zu spät.“ Ende 2023 soll die Linie 7 der Üstra erstmals fahren, sonst wäre es 2024 geworden.

Ein kurzer zeitlicher Überblick:

Das war: Die Stadtbahn ist seit Jahrzehnten Thema. Bereits 1991 gab es eine sogenannte Machbarkeitsstudie. Doch die Stadtbahn kann erst jetzt auf der heutigen Bundesstraße 3 verlängert werden, weil die B3-Ortsumgehung fertig sein muss. Sie soll im Herbst 2019 für den Verkehr freigegeben werden - wenn auch zunächst nur mit einer Fahrspur in jede Richtung. Im Februar 2019 begannen die vorbereitenden Arbeiten auf Hemminger Gebiet. Erst wurden Bäume an der B3 gefällt.

Das passiert: Zurzeit gibt es einzelne Baustellen an der Bundesstraße, um etwa Kabelschächte zu verlegen. In den viereinhalb Jahren, bis die Stadtbahn erstmals fährt, soll laut Infrastrukturgesellschaft (Infra) Region Hannover immer mindestens eine der beiden Fahrspuren in Richtung Hannover beziehungsweise in Richtung Pattensen frei sein.

Das kommt: In Oberricklingen soll zum 1. Juli mit dem Gleis- und Straßenbau begonnen werden. Ab dem zweiten Quartal 2020 bis Ende 2021 folgt der Kanalbau in Hemmingen. Die Verkehrsanlagen für die Stadtbahn in Hemmingen werden vom ersten Quartal 2021 bis Ende 2023 erstellt.

Das kommt vielleicht: Die Verlängerung nach Arnum ist weiterhin Zukunftsmusik. Die Trasse wird freigehalten, doch wann die Stadtbahn bis nach Arnum, Hemmingens größtem Stadtteil, weiterfährt, ist unklar. Die Pattenser CDU-Ratsfraktion hat vor wenigen Wochen sogar eine Verlängerung der Stadtbahn bis nach Pattensen gefordert.

Die Stadtbahnverlängerung in Zahlen

2 Gleise werden verlegt: Eines in Richtung Hemmingen und eines in Richtung Hannover.

3,3 Kilometer lang ist die Stadtbahnstrecke A-Süd vom Abzweig Wallensteinstraße und an der Göttinger Chaussee bis nach Hemmingen-Westerfeld. Davon liegen 1,8 Kilometer auf Hemminger Flächen, der Rest auf Ricklinger Gebiet.

6 Haltepunkte sind geplant: Unter den Birken und Stadtfriedhof Ricklingen (auf dem Gebiet von Hannover) sowie Saarstraße, Zentrum, Berliner Straße und Endpunkt Hemmingen. Die Namen können sich noch ändern. An der Endstation werden auch Busse halten: am jeweils selben Bahnsteig wie die Stadtbahn gegenüber.

70 Meter lang sind die Hochbahnsteige und vier Meter breit. Ausgelegt sind sie für 3-Wagen-Züge der Serien TW2000 und TW3000.

171 Park-and-Ride-Plätze für Autos sollen an der Endbahnhaltestelle entstehen.

200 Fahrradabstellplätze sind geplant.

9200 Einwohner leben im erweiterten Einzugsgebiet der sechs neuen Haltestellen. 5300 Arbeitsplätze gibt es im Umfeld.

58.000.000 Euro sollte der Bau noch Mitte 2018 kosten.

62.000.000 Euro kostet der Bau mittlerweile. Der Bund trägt voraussichtlich 60 Prozent der Kosten, die unter die Zuwendung fallen, und das Land Niedersachsen 15 Prozent. 25 Prozent übernimmt die Region Hannover. zi (Quellen: Region/Infra)

Von Andreas Zimmer