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Nachrichten Anblick einer verbrannten Leiche: Wie verarbeiten Feuerwehrleute das?
Region Hemmingen Nachrichten Anblick einer verbrannten Leiche: Wie verarbeiten Feuerwehrleute das?
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00:19 28.03.2019
Feuerwehrleute sind Montagnacht in Hemmingen-Westerfeld im Einsatz.
Feuerwehrleute sind Montagnacht in Hemmingen-Westerfeld im Einsatz. Quelle: Foto: Heidrich
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Hemmingen

Bei einem Brand in Hemmingen ist am Montag eine Seniorin ums Leben gekommen. Der Anblick einer verbrannten Leiche in der Wohnung: Das kam seit Jahren bei einem Feuerwehreinsatz im Hemminger Stadtgebiet nicht mehr vor. Wie lässt sich das verkraften? Redakteur Andreas Zimmer sprach nach dem tödlichen Brand darüber mit Stadtfeuerwehrsprecher Lennart Fieguth.

Wie viele Feuerwehrleute haben Montagnacht die verbrannte Leiche gesehen?

Das waren die Trupps unter schwerem Atemschutz, also insgesamt sechs Feuerwehrkräfte.

Haben es alle gut verkraftet?

Bisher ja. Bei der Nachbesprechung des Einsatzes wurde aber bereits angeboten, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Meine persönliche Erfahrung ist: Man funktioniert erst einmal. Es gibt viele Einsätze mit Toten, oft auch, wenn wir zu Türöffnungen gerufen werden und bei Personen schon die Verwesung begonnen hat.

Lennart Fieguth, Sprecher der Stadtfeuerwehr Hemmingen Quelle: Feuerwehr

Wie sieht die Hilfe für die Feuerwehrleute aus?

Eine große Hilfe nach dem Einsatz ist, das die Kameradinnen und Kameraden den Einsatz noch einmal nachbesprechen, um das Erlebte zu verarbeiten. Dabei helfen sie sich gegenseitig und die Führungskräfte haben die Möglichkeit zu beobachten, ob vielleicht jemand auffällig wird, in sich gekehrt ist oder über das Thema nicht sprechen kann. Alles lässt sich nicht erkennen, die Führungskräfte sind aber sensibilisiert und kennen ihre Leute. Wir achten auf uns und keiner wird allein gelassen.

Wann werden Notfallseelsorger gerufen?

Bei Bedarf kann während oder nach dem Einsatz über die Leitstelle ein Notfallseelsorger alarmiert werden. Es stehen als Seelsorger, Geistliche, Psychologen und Sozialarbeiter zur Verfügung. Erst im Februar hatten die Ortsfeuerwehren Hemmingen-Westerfeld und Wilkenburg einen gemeinsamen Diensttermin mit Harriet Maczewski, Pastorin aus Wilkenburg, zum Thema Notfallseelsorge.

Werden Feuerwehrleute schon beim Grundlehrgang auf solche Situationen wie Montagnacht vorbereitet?

Die Notfallseelsorge wird bei der Truppmannausbildung Teil 1 angesprochen und im Teil 2 noch einmal thematisiert. Auch bei den Übungsdiensten in den Ortsfeuerwehren setzen sich die Ehrenamtlichen mit dieser Thematik auseinander.

Früher galt es als Zeichen von Schwäche, wenn jemand psychologische Hilfe benötigt.

Das hat sich geändert. Stark ist heute der, der sich meldet. Das kann auch Tage oder Wochen später sein. Manche melden sich erst nach Jahren.

Von Andreas Zimmer