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Nachrichten Schafe treiben tot auf dem Steinfeldsee
Region Hemmingen Nachrichten Schafe treiben tot auf dem Steinfeldsee
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18:00 28.03.2019
Schafe der Herde am Steinfeldsee. Quelle: privat
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Wilkenburg

Erst bemerkte Inge Scherber von der Naturschutzbund-Gruppe Hemmingen nur etwas Weißes. „Ich dachte, es wäre ein Schwan“, berichtet sie von dem Blick, den sie von der Aussichtsplattform am Steinfeldsee in Wilkenburg schweifen ließ. Doch dann musste sie entsetzt feststellen: Es war ein Schaf, dass tot auf dem See trieb. Es blieb nicht bei einem. Zwei weitere wurden am Donnerstag geborgen, darunter ein Bock, alle stark aufgedunsen.

Eines wird noch vermisst. Der Schafhalter, der anonym bleiben möchte, geht davon aus, dass auch dieses Tier in dem bis zu etwa sechs Meter tiefen See ertrunken ist. Wer die Schafe in den See getrieben hat, sei unklar, sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Schafhalter hat dies bereits im Polizeikommissariat in Ronnenberg gemeldet, das auch für Hemmingen zuständig ist, und will am Freitag Anzeige erstatten. Die Polizei konnte daher am Donnerstagnachmittag noch nichts Näheres mitteilen.

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Acht Schafe können rechtzeitig türmen

Nach Angaben des Schafhalters sind acht Schafe der einst zwölf Tiere großen Herde wohlauf. Sie haben offenbar rechtzeitig türmen können. Was die Schafe zu welcher Zeit so in Panik versetzt hat, dass sie ins Wasser gelaufen sind, lasse sich nicht genau sagen. „Ein Schaf geht nicht freiwillig ins Wasser“, sagte er. Es müsse nicht unbedingt ein wildes Tier gewesen sein, einen Wolf schließt er aus, sondern es können auch Menschen gewesen sein. Der Schafhalter kündigte an, das Gelände anders einzuzäunen und häufigere Kontrollgänge zu machen.

Bei der Herde handelt es sich um Skudden, der kleinsten deutschen Schafart. Es handelt sich um eine alte und sehr anspruchslose Schafrasse, die gern ihrem Standort treu bleibt. Dass im Naturschutzgebiet Alte Leine am Steinfeldsee Schafe weiden, kommt nicht von ungefähr. Sie gehören zu einem Naturschutzprojekt. Der Naturschutzbund (Nabu) betreut es seit dem Jahr 2001 im Auftrag der Region Hannover. „Wir sind entsetzt“, sagt Inge Scherber. Auch sie kann nur vermuten: „Die Schafe müssen erschreckt oder gejagt worden sein.“

Nabu betreibt Naturschutz am Steinfeldsee

Der Steinfeldsee ist das einzige Gewässer im Stadtgebiet, das ausschließlich dem Naturschutz dient. Scherber erläutert, einige Bereiche am See werden seit einigen Jahren von der Skuddenherde so weit von Büschen und Bäumen freigehalten, dass eine halboffene Landschaft mit einzelnen Dornenbüschen entstand – ein idealer Lebensraum unter anderem für Neuntöterpaare, Grau- und Grünspechte und zuweilen der Wendehals.

Mit dem Fernglas können von der Beobachtungshütte aus seltene Wasservögel in ihrem natürlichen Lebensraum beobachtet werden. Die damalige Gemeinde Hemmingen hatte das Kiesabbaugebiet 1996 mit Landesmitteln für den Naturschutz gekauft.

Von Andreas Zimmer