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Nachrichten Funkamateure betrauern die Mittelwelle
Region Hemmingen Nachrichten Funkamateure betrauern die Mittelwelle
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20:47 12.01.2015
Von Andreas Zimmer
Für manche ist er das Wahrzeichen von Hemmingen: der etwa 150 Meter hohe Sendemast des Norddeutschen Rundfunks an der Hohen Bünte. Jetzt wird der Betrieb des Mittelwellensenders eingestellt.
Für manche ist er das Wahrzeichen von Hemmingen: der etwa 150 Meter hohe Sendemast des Norddeutschen Rundfunks an der Hohen Bünte. Jetzt wird der Betrieb des Mittelwellensenders eingestellt. Quelle: Andreas Zimmer
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Hemmingen-Westerfeld

„Wir möchten die Mittelwelle nicht ganz sang- und klanglos untergehen zu lassen“, erläutert Matthias Wendt den Anlass der Kranzniederlegung. Er ist Vorsitzender des Ortsverbandes Hannover im Deutschen Amateur-Radio-Club (DARC). Wendt betont, dass die Aktion bei der Polizei angemeldet sei. Verändern wird sich an dem etwa 150 Meter hohen Sendemast in Hemmingen-Westerfeld, dem höchsten Bauwerk in der Region, äußerlich nichts.

Denn laut NDR wird der Mittelwellensender per Knopfdruck von Torfhaus im Harz abgeschaltet. Die UKW- und DVB-T-Sendeantennen in Hemmingen bleiben. Der NDR verweist auch darauf, dass das Programmangebot erhalten bleibt. NDR Info Spezial, das bisher als einziges Programm noch über Mittelwelle verbreitet wurde, ist allerdings künftig nur über Digitalradio DAB+, übers Internet, über die NDR Radio App und über Satellit (DVB-S) zu empfangen.

Auf NDR Info Spezial sind unter anderem besondere Bundestagsdebatten und Fußballspiele zu hören, aber auch die ARD-Infonacht und der Seewetterbericht.

Eine Technik für Nostalgiker?

Der Ortsverband Hannover im Deutschen Amateur-Radio-Club (DARC) bedauert, dass der NDR seine Mittelwellensender abschaltet, darunter jenen am Masten in Hemmingen-Westerfeld. Der Norddeutsche Rundfunk hingegen verweist darauf, dass Mittelwelle eine Tonqualität hat, die für die Mehrzahl der Hörer nicht mehr zeitgemäß sei.

Ein Angebot in Stereo sei über die Mittelwelle ebenso wenig möglich wie die Verbreitung sogenannter programmbegleitender Dienste. Eine Technik also nur für Nostalgiker? Fakt ist, dass Mittelwelle in der Zeit von den 20er- bis zu den 50er-Jahren eine wichtige Rolle spielte, dann aber von der Ultrakurzwelle (UKW) verdrängt wurde.

Wie Matthias Wendt, Vorsitzender des DARC-Ortsverbandes Hannover, erläutert, seien Stereo und Datendienste auf Mittelwelle heutzutage durchaus technisch möglich. „Und die Tonqualität ist immer eine recht subjektive Sache.“ Wendt gibt außerdem zu bedenken: „Per Mittelwelle wäre es problemlos möglich, viele Haushalte, auch in abgelegenen Gebieten, zu erreichen.“

Für den NDR spielen dagegen auch die Kosten eine Rolle. Mittelwelle sei eine Technologie, die vergleichsweise hohe Kosten für Strom und den Betrieb von sendetechnischen Anlagen verursacht. Mit dem Abschalten spare der Rundfunk jährlich mindestens einen mittleren sechsstelligen Betrag.

Das Geld wolle er für die Verbreitung seiner Programme im Digitalradio verwenden. Wendt entgegnet, dass der Stromverbrauch für den NDR sinke und für den Empfänger steige. Messungen bei ihm und weiteren Funkamateuren hätten dies gezeigt. Sein Mittelwellenradio hingegen verbrauche zum Beispiel deutlich weniger Strom als ein handelsübliches DAB-Radio.

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