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Nachrichten „Manches geht mir sehr nah“
Region Hemmingen Nachrichten „Manches geht mir sehr nah“
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20:59 30.10.2014
Albert und Sabine Porth sprechen viel über ihre Arbeit. So können sie sich Belastendes von der Seele reden. Quelle: Stephanie Zerm
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Harkenbleck

Manche Fälle kann Sabine Porth einfach nicht vergessen. Auch noch nach Jahren füllen sich ihre Augen mit Tränen, wenn sie davon spricht. Etwa wenn sie von der jungen Frau erzählt, die sich eines Tages bei ihr meldete, weil sie ihren gewalttätigen Mann verlassen wollte. Doch dann hörte Sabine Porth nichts mehr von ihr. Bis sie eines Tages die Zeitung aufschlug und las, dass die Frau vor den Augen ihrer Kinder von ihrem Mann erstochen worden war. Das war 2006. Noch immer schnürt es Sabine Porth die Kehle zu, wenn sie davon spricht: „Manches geht mir sehr nah.“

Sabine und Albert Porth engagieren sich seit 25 Jahren beim Weißen Ring, seit 20 Jahren leiten sie ehrenamtlich die Außenstelle Hannover-Land. Mit zehn weiteren Helfern kümmern sie sich um die Opfer von Verbrechen in der Region Hannover. „Es ist wichtig, dass die Opfer jemanden haben, der ihnen hilft“, sagt Albert Porth. „Manchmal reicht es schon, wenn man nur zuhört.“ Dabei ist es egal, ob es sich bei den Verbrechen um einen Wohnungseinbruch, Vergewaltigung oder Mord handelt. „Für die Täter wird gesorgt, aber an die Opfer wird zu wenig gedacht“, sagt Sabine Porth.

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Der Weiße Ring arbeitet mit Psychologen zusammen, die die Opfer zeitnah betreuen, und vermittelt ihnen weiterführende Hilfsangebote. Dabei werden die Opfer nach Wunsch auch ins Gericht und bei Behördengängen begleitet. Die Organisation schult ihre Mitarbeiter regelmäßig, damit diese gut beraten können. Bei Bedarf unterstützt sie auch finanziell. Da der Weiße Ring keine staatlichen Zuschüsse erhält, finanziert er sich ausschließlich aus Spenden, Nachlässen und Mitgliedsbeiträgen.

Pro Jahr kümmern sich Albert und Sabine Porth um mehr als 100 Opfer. Dafür ist Albert Porth jetzt bei der Bundesdelegiertenversammlung des Weißen Rings im sächsischen Radebeul von der Bundesvorsitzenden Roswitha Müller-Piepenkötter ausgezeichnet worden. Seine Frau Sabine wird die Auszeichnung demnächst erhalten.

Von Stephanie Zerm

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