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Region Hemmingen Nachrichten Die Mitfahrerbank ausprobiert
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00:16 19.11.2017
Ausprobiert: Andreas Zimmer nimmt auf der Mitfahrerbank in Harkenbleck Platz.  Quelle: privat
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Arnum/Harkenbleck

 Nimmt mich jemand mit und vor allem, wie schnell? Redakteur Andreas Zimmer hat sich an drei Tagen zu unterschiedlichen Zeiten auf die Mitfahrerbank gesetzt. Doch nur Sitzen allein reicht nicht, lautet seine Erfahrung:

Donnerstag, 9. November, 11.50 Uhr, bedeckt, Arnum, B3 in Höhe Klapperweg 

Ich bin aufgeregt. Ich finde das ok. Schließlich sitze ich zum ersten Mal in meinem Leben auf einer Mitfahrerbank. Doch wie verhalte ich mich eigentlich? Muss ich in die Augen der vorbeikommenden Fahrer blicken oder darf ich ab und zu auch mal aufs Handy gucken? Ich beschließe fünf Minuten erst einmal einfach so zu sitzen und meine Blicke wandern zu lassen. … Ok. Keine gute Idee. Die Zeit ist rum, keiner hat gehalten. Dann gucke ich ab sofort den Fahrern ganz intensiv in die Augen. … Nach zwei Minuten hupt ein Lastwagenfahrer. Cool, der will halten. Fehlalarm. Er meinte offenbar den Trucker auf der anderen Fahrspur. … Zehn Minuten sitze ich jetzt schon hier. Bin ich zu dunkel gekleidet? 70 Fahrzeuge sind an mir vorbei gerollt, viele mit H-Kennzeichen, aber niemand hat gestoppt. Interessiert geguckt haben einige. Vielleicht war es zu viel Verkehr und mancher vermochte nicht so schnell zu halten. Ich mache Schluss. Bei 6 Grad fröstelt es mich und es zieht von unten. Ich nehme mir vor am Sonntag wiederzukommen. Dann ist weniger Verkehr und ich werde besser wahrgenommen.

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Sonntag, 12. November, 11.05 Uhr, bedeckt, zeitweise Nieselregen, Arnum, B3 in Höhe Klapperweg

Da bin ich wieder. Ich bin Profi und habe jetzt ein Sitzkissen bei mir, aber keinen Regenschirm. Es fängt ein wenig an zu regnen und es ist mindestens genauso kalt wie am Donnerstag. Warum mache ich das eigentlich? Aber vielleicht werde ich bei Regen schneller mitgenommen. Die Kapuze lasse ich unten, die Mütze bleibt in der Jackentasche, unsereins will ja einen freundlichen Eindruck machen. Heute gucke ich von Anfang an jedem Vorbeifahrenden gnadenlos in die Augen. … Langsam bin ich frustriert. Fünf Minuten sind um, 18 Fahrzeuge rollten vorbei, fast alle mit H-Kennzeichen, und keiner stoppte. Gucke ich so blöd oder rafft keiner, das ich mitgenommen werden will? Ok, es gibt noch eine Lösung: Daumen raus. … 11.15 Uhr. Das darf nicht wahr sein. Es hält jemand. Wahrscheinlich ein Kollege. Nein, den Fahrer kenne ich nicht. Er stellt sich als Lukas Tilch aus Hüpede vor. Ich erkläre ihm, dass ich nur Testperson bin, bedanke mich aber fürs Angebot. Ich beende die Testphase für heute und beschließe euphorisch, mich gleich morgen auf die Bank in Harkenbleck zu setzen, allerdings zur Feierabendzeit.

Montag, 13. November, 16.30 Uhr, klar, Harkenbleck, Arnumer Straße/Ecke im Häge

Dämmert das etwa schon? Höchste Zeit für die Mitfahrerbank. Rauf aufs Sitzkissen, Daumen raus. Na, ich bin gespannt. Ob um diese Zeit überhaupt jemand durch Harkenbleck fährt? Die quälen sich doch alle auf der B3.… Ich fasse es nicht. Nach nur zwei Minuten hält die erste Fahrerin. Fahren Sie nach Arnum, frage ich und sie bejaht. Ich gebe mich als Testperson zu erkennen und frage, ob sie hier schon mal jemanden mitgenommen hat. Nein, ich sei der Erste, den sie auf der Bank gesehen habe. Ich setze mich wieder auf die Bank, Daumen raus. … Sieben Fahrzeuge sind vorbei, keiner hat gehalten. Na, wäre ja nach dem schnellen Erfolg auch zu schön gewesen. … 16.37 Uhr. Ein Wagen hält, eine Fahrerin wartet, dass ich einsteige. Das übliche Prozedere: Ich bin Testperson usw. Sie sagt, sie habe noch niemand auf der Bank gesehen. Ich schließe die Beifahrertür, da hält direkt hinter ihr ein weiterer Wagen. Die Fahrerin hat gesehen, dass ich nicht ins Auto eingestiegen bin, da wollte sie mir die Mitfahrgelegenheit anbieten. Drei Stopps in noch nicht einmal zehn Minuten – Testphase beendet: Ihr Harkenblecker, Ihr seid super! 

Von Andreas Zimmer