Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Mehr als nur die Sprache sprechen
Region Gehrden Nachrichten Mehr als nur die Sprache sprechen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:48 21.12.2018
Zählen und das Fingeralphabet lernen die Schüler im Workshop "Gebärdensprache". Quelle: Dirk Wirausky
Anzeige
Gehrden

„Sprache und Kommunikation“ ist das Thema der Projekttage an der Oberschule. Zwei Tage lang haben rund 400 Schüler der Jahrgang fünf bis neun die Möglichkeiten, sich in Workshops den von ihnen freiwillig gewählten Aufgaben intensiv zu widmen – ohne Leistungsdruck. „Die Schüler sollen einen offenen und wertungsfreien Zugang zu Sprache und Kommunikation finden“, sagt Katrin Bielesch, die gemeinsam mit der didaktischen Leiterin Anke Berlin das Programm koordiniert. Bielesch ist begeistert. „Es sind grandiose Projekte entstanden“, sagt sie. Die mehr als 30 Angebote reichen von Fantasiesprachen und Sketchnotes über Trickfilme vertonen und Märchen als Comics bis hin zur Blindenschrift erlernen und Weihnachtsliedern in anderen Sprachen singen.

Mit den Angeboten scheint die Schule den Nerv der Kinder und Jugendlichen getroffen zu haben. Der zwölfjährige Deniz zum Beispiel ist hochmotiviert. „Eine Sprache lernen macht großen Spaß“, sagt er. Deniz ist beim Workshop „Green Screen und VR-Exkursion“ dabei. Dort wird unter anderem mit Hilfe des Green Screens ermöglicht, bewegte Bilder freizustellen. Und so stehen die Schüler plötzlich nicht mehr vor einer grünen Wand, sondern am Eiffelturm oder vor der Freiheitsstatue. „Sie werden in das Bild gezoomt“, sagt Lehrerin Angela Schrader. Die Jungen und Mädchen müssen dann in verschiedenen Sprachen die Sehenswürdigkeit erklären. Technik und Sprache werden so miteinander verbunden. „Das macht Freude“, sagen Ruszlan und Jasmina. Doch nicht nur das. „Es ist toll, dass wir alle zusammenarbeiten“, sagen die beiden 13-Jährigen.

Anzeige
Sprachprojekt mit Technik: Lehrerin Angela Schrader platziert die Schüler vor einer grünen Wand. Quelle: Dirk Wirausky

Emsig sind auch die Jungen und Mädchen im Workshop Gebärdensprache. Die Zahlen von eins bis zehn, das Fingeralphabet und alltagstaugliche Gebärden sind die Übungen. Für Jan-Luca haben die noch einen besonderen Nebeneffekt. Er habe einen taubstummen Freund, mit dem er sich bisher über Zettel verständige. „Jetzt geht es auch anders“, sagt der Zwölfjährige. Stella und Lena wiederum wollten einfach mal wissen, wie sich Gehörlose verständigen. „Es ist spannend“, sagen die beiden 13-Jährigen.

Der Kurs „Sprache lernen in Bewegung“ dagegen ist mehr was für Sportliche. Vokabeln vortragen während sie einen Parcours durchlaufen oder das Einmaleins aufzählen während sie sich einen Ball zuwerfen – für Basri, Leon, Mika und Baris ist das kein Problem. „Wenn man erstmal den Rhythmus gefunden hat, dann geht es“, sagt Leon. „Die Übungen dienen auch der Koordination“, sagt Lehrerin Susanne Riegel.

Sportlich: Beim Seilspringen müssen die Schüler gleichzeitig laut zählen. Quelle: Dirk Wirausky

Ein echter Glücksgriff sei der Kölner Autor Manfred Theisen, sagt Lehrerin Ute Maibaum. In dem Workshop „Schreiben mit YouTube“ steht das mediale Schreiben im Mittelpunkt. „Die Schüler sollen die Sprache als Ausdrucksmittel einsetzen und gleichzeitig Beobachtungen in Sprache umsetzen“, sagt Maibaum. Dies alles unter der professionellen Anleitung von Theisen. Die Schüler schreiben, angeregt durch Videos, und sprechen ihre Texte in ein Mikrofon ein. Sie unterlegen damit anschließend die Videos.

Anspruchvolles Projekt: Autor Manfred Theisen führt die Schüler in das mediale Schreiben ein. Quelle: Dirk Wirausky

Am Ende sind alle zufrieden. „Die Stimmung ist durchweg positiv und die Schüler sind eifrig bei der Sache“, freut sich Bielesch. Auch Anke Berlin ist angetan von der entspannten Atmosphäre im gesamten Schulgebäude. „Und ich bin immer wieder erstaunt, wie gut die verschiedenen Altersgruppen zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen“, sagt sie. Für sie ist wichtig: „Kommunikation ist mehr als eine Sprache sprechen zu können“, sagt sie. Gleichzeitig seien die Projekttage ein toller Rahmen, um das Jahr abseits von normalen Schulunterricht ausklingen zu lassen.

Von Dirk Wirausky