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Region Gehrden Nachrichten Kunden: Zu wenig Einkaufsmöglichkeiten
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11:29 27.12.2018
"Hier ist nicht viel los": Passanten sind mit dem Angebot der Gehrdener Innenstadt unzufrieden.
"Hier ist nicht viel los": Passanten sind mit dem Angebot der Gehrdener Innenstadt unzufrieden. Quelle: Ann Kathrin Wucherpfennig
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Gehrden

Es ist nicht gerade so, dass sich die Menschenmassen zur Weihnachtszeit durch die Gehrdener Innenstadt drängelten. Im Gegenteil: „Hier ist ja gar nichts mehr los“, sagte manch ein Passant. So wie Anke Klose. Sie suchte ihre Garderobe inzwischen in der Stadt Hannover aus. „In Gehrden spricht mich das Angebot leider nicht an“, sagt die 66-Jährige. Auch die Jugendlichen Jonathan Borchert und Belal Mansoor fahren lieber in die niedersächsische Landeshauptstadt. „Wir interessieren uns für Technik und das finden wir in Gehrden leider gar nicht“, erklärt der 15-jährige Jonathan. „Ein schöner Tag in der Stadt ist wie ein kleiner Urlaub“, meint Klose.

Das Modegeschäft „Mira Michi“ existiert seit 29 Jahren in der Burgbergststadt, und die Verkäuferin Katja Cwink bemerkt spürbar den Rückgang der Kundschaft. „Wir profitieren von den Stammkunden, die unseren Service zu schätzen wissen“, sagt Cwink mit Blick auf das Weihnachtsgeschäft. Trotzdem hoffe sie langfristig auf einen Wandel und sieht Potenzial in der City. „Vielleicht wird die Stadt attraktiver, wenn die Sanierungsarbeiten fertig sind“, meint Cwink. Der Spaziergänger Sigurd Bretthauer macht die Umbauarbeiten an dem sogenannten Bartsch-Haus am Steinweg für die leere Innenstadt verantwortlich. „Diese Ecke ist einfach nicht schön anzuschauen“, bemerkt der 75-Jährige.

Kundin Bettina Ferracuti (links) schätzt die persönliche Beratung von Jasmin Köster im Laden "Kein schöner Land". Quelle: Ann Kathrin Wucherpfennig

Doch es sind nicht nur der fehlende Charme der Fußgängerzone und das überschaubare Angebot in der Innenstadt, was den Geschäftsleuten Sorge bereitet. Es ist auch der Internethandel. Viele Kunden kaufen gar nicht mehr persönlich im Geschäft ein, sondern lassen sich die Ware ins Haus liefern – oft auch noch zu einem günstigeren Preis als ihn kleine Geschäfte anbieten können.

Einzelhändlerin Jasmin Köster versucht, gegen diesen Trend anzukommen. Sie eröffnete im April dieses Jahres ihr Geschäft „Kein schöner Land“. Dort – in der Dammstraße an der zum Ecke Dammtor – verkauft die 41-Jährige Stoffe, Kindermoden und Karten sowie Porzellan und Taschen. „Das Angebot wurde von Anfang an gut angenommen“, betont Köster. Die Unternehmerin arbeitet mit kleinen lokalen Herstellern zusammen, die online nicht vertreten sind. „Das ist wahrscheinlich mein Plus-Punkt“, vermutet die Northenerin. Ihre Kundin Bettina Ferracuti schätzt die persönliche Beratung und würde die Stoffe sowieso nicht so gerne im Internet kaufen. „Ich muss mir die Farben immer genau anschauen, das geht am Bildschirm leider nicht so gut“, sagt Ferracuti.

"Lesezeichen"-Geschäftsführerin Ute Mönkediek bietet seit mehr als zwei Jahren ihre Bücher im Internet an. Quelle: Ann Kathrin Wucherpfennig

Köster hat mit ihren Produkten ein ausgewähltes Angebot in Gehrden, allerdings sind Modeartikel und preisgebundene Bücher auch jederzeit im Internet verfügbar. Der Buchhandel „Lesezeichen“ hat daher auf die Entwicklung reagiert und arbeitet seit mehr als zwei Jahren mit einem Online-Großhändler zusammen. Die Bücher können abends vom Sofa aus bestellt werden und entweder in der Filiale abgeholt oder nach Hause geliefert werden. „Gerade vor Weihnachten wird mehr über den Online-Shop bestellt“, sagt Lesezeichen-Geschäftsführerin Ute Mönkediek.

Das tut auch Viktoria Minakov. Die Schülerin bestellt häufiger im Internet bei Lesezeichen und deckt sich mit neuem Lesestoff ein. Sie verbindet dabei das Praktische mit einer Prise Lokalpatriotismus. „Ich möchte es einfach haben und trotzdem die lokalen Händler unterstützen“, erklärt die 14-Jährige.

Von Ann Kathrin Wucherpfennig