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Region Gehrden Nachrichten So kommentiert die Politik die Regiobus-Ansiedlung
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18:34 06.08.2019
In Gehrden entsteht der größte Regiobus-Betriebshof. Der Standort wurde jetzt im Gehrdener Rathaus bekannt gegeben. Quelle: Mario Moers
Gehrden

Als einen „großen Tag für Gehrden“ bezeichnete Bürgermeister Cord Mittendorf (SPD) jüngst den zu 2023 geplanten Bau eines Regiobus-Betriebshofs. Mit der Ansiedlung am Rande des Gewerbegebiets Ost, an der Ronnenberger Straße, ziehen 140 Busse und rund 250 Arbeitsplätze nach Gehrden. Als Kompetenzzentrum für die Elektrobusse der Flotte verspricht Regiobus attraktive Ausbildungsplätze vor Ort. Die Stadt hat dazu bereits Kontakte zwischen dem Busunternehmer und der hiesigen Oberschule vermittelt. Für Gehrden selbst verspricht sich Mittendorf zahlreiche positive Synergieeffekte. Mitarbeiter könnten sich in den Neubaugebieten ansiedeln oder wenigstens ihr Pausenbrot im lokalen Handel kaufen. Hat die Stadt als Standort des künftig größten Regiobus-Depots der Region tatsächlich das große Los gezogen, oder sind auch negative Auswirkungen zu befürchten? Wir haben bei den Spitzen der Ratsfraktionen nachgefragt.

Kein Grund zum Jubeln?

„Anlass für den ganz großen Jubel bietet die Entscheidung aus unserer Sicht nicht“, kommentiert CDU-Fraktionschef Thomas Spieker die Regiobus-Ankündigung deutlich weniger euphorisch als der Bürgermeister. Er sei kein grundsätzlicher Gegner der Ansiedlung, schickt er seiner Stellungnahme voraus. Dann folgt allerdings eine ausführliche Auflistung der möglichen Konfliktpotenziale, die es in den kommenden vier Jahren seiner Einschätzung nach zu klären gilt. „Für uns ist Regiobus in Gehrden nur vorstellbar, wenn alle Neubaugebiete bis dahin vernünftig an die K 231 angebunden werden“, so Spieker. Mit dem erwarteten Mehr-Verkehr auf der Ronnenberger Straße würde sonst spätestens auf Höhe des Autohauses Halm ein Nadelohr entstehen – an einer Stelle, die ohnehin bereits stark befahren wird. Um den Busverkehr möglichst störungsarm Ein- und Auszuleiten fordert die CDU außerdem eine „optimale Zuwegung“. „Ein moderner, großer Kreisverkehr in Richtung B 217 könnte eine solche Lösung sein“, so Spieker. Die CDU hat bereits in der Juni-Sitzung des Rats ein Verkehrskonzept für das Gewerbegebiet Gehrden-Ost 3 gefordert. Darin aufgeführt ist auch eine bessere Anbindung der Regiobus-Linie 500 an den S-Bahnhof Weetzen. „Die Region muss uns in diesen Punkten unterstützen, auch finanziell“, fordert Spieker.

Bus-Shuttle zum S-Bahnhof

Als „zwiespältig“ bezeichnet auch der Vorsitzende der Grünenfraktion Heinz Strassmann seine Haltung zu der Regiobus-Entscheidung. Die möglichen Arbeits- und Ausbildungsplätze betrachtet er als „einen Gewinn für Gehrden“. 140 Busse will der Grünenpolitiker dagegen ungern auf Gehrdens Straßen sehen. „Kein schöner Anblick“, sagt er. Auch seine Partei hatte im Juni ein „Mobilitätskonzept für Gehrden" gefordert. Eine Mehrheit votierte dafür. Der neue Betriebshof müsse jetzt unbedingt darin berücksichtigt werden, wenn das Konzept erarbeitet wird, sagt Strassmann. Auch er plädiert für die S-Bahn-Anbindung. Ein Bus-Shuttle nach Weetzen wäre eine Idee – vielleicht sogar von Regiobus selber organisiert?

Einer freut sich und gratuliert

Einer, der sich auf Regiobus freut, ist FDP-Ratsherr Helmar Rump. „Gratulation an den Bürgermeister und Gratulation an die Stadt“, sagt er. Aus FDP-Sicht ist der Sieg im Standortwettbewerb durchaus ein Grund zur Freude. „Mit dem Klinikum und dem Betriebshof sind wir ein Standort für die ganze Region“, sagt Rump. Einen Verkehrskollaps befürchtet er nicht. „Die Busse fahren ja nicht durch die Stadt“, nennt er ein Argument, das auch Regiobus und der Bürgermeister betont haben. Rump sieht zudem einen weiteren Vorteil. „Ein Regionsunternehmen hat außerdem den Vorteil, dass es nicht so schnell Insolvenz anmeldet“, sagt er.

In Eldagsen trauert man

Wer könnte besser Auskunft über die Vorteile eines Regiobus-Betriebshofs geben als die Stadt mit dem aktuell größten? In Eldagsen bei Springe ist Trauer angesagt, seit das Unternehmen im Spätsommer 2018 den Abzug aus Wunstorf und Eldagsen bekanntgegeben hat. „Der Verlust eines großen Gewerbetreibenden tut uns weh“, sagt Springes stellvertretender Bürgermeister Clemens Gebauer. Vergeblich habe die Stadt versucht, Regiobus zu halten. Obwohl das Unternehmen aufgrund seiner quasi öffentlichen Form kaum Gewerbesteuer in die Kassen spült, ist es in Eldagsen ein Wirtschaftsfaktor. „Arbeitsplätze verschwinden, Mitarbeiter werden wegziehen“, so Gebauer. Spätestens wenn die Fläche im Gewerbegebiet geräumt ist, bleibt außerdem die Grundsteuer aus. Um das zu vermeiden, strebt Springe einen Deal mit dem Busunternehmen an. „Die Region hat eine gute Wirtschaftsförderung, die uns dabei unterstützen kann, die Flächen von Regiobus neu zu füllen“, sagte Springes Bürgermeister Christian Springfeld gleich nach Bekanntwerden der Schließung.

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Von Mario Moers

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