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Region Gehrden Nachrichten Kein Bargeld für Gebühren: Sicherheitsdienst lässt verletzten Rentner nicht vom Parkplatz
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00:19 14.06.2019
Herbert Ohlendorf führt noch einmal vor, wie er mitten in der Nacht über den Notrufknopf vom Sicherheitsdienst mit gebrochener Zehe zum Geldautomaten einer Bank geschickt wurde. Quelle: Ingo Rodriguez
Gehrden

Inzwischen ist der Bruch der großen Zehe fast wieder verheilt. Die Wut über die nächtliche Schikane im Klinikum Robert Koch ist bei dem pensionierten Lehrer Herbert Ohlendorf aber längst noch nicht verraucht. „Das Krankenhaus steht mit mir in Kontakt, aber auf eine Stellungnahme der zuständigen Sicherheitsfirma über das respektlose und erniedrigende Verhalten ihres Mitarbeiters warte ich immer noch“, sagt der 65-jährige Pädagoge enttäuscht.

Nicht genügend Bargeld für Parkgebühren dabei

Auch gegenüber der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) haben sich auf Nachfrage bislang weder das Klinikum Region Hannover (KRH) noch die beauftragte Sicherheitsfirma Protec zu den Anschuldigen geäußert. Vor etwa drei Wochen soll der 65-jährige Ohlendorf von einem Mitarbeiter der Sicherheitsfirma nach einer nächtlichen Behandlung in der Notaufnahme nicht mit dem Auto vom Klinikumsparkplatz gelassen worden sein. „Weil ich nicht genügend Bargeld dabeihatte, um die Parkgebühren am Kassenautomaten zu bezahlen, habe ich per Notrufknopf über die Sprechanlage angeboten, meine Personalien zu hinterlassen und den Betrag am nächsten Tag zu bezahlen“,berichtet Ohlendorf. Bargeldlose Kartenzahlung sei ja am Kassenautomaten des Krankenhausparkplatzes nicht möglich. Dennoch habe sich der Mann geweigert, ihm für die Heimfahrt ferngesteuert die Schranke zu öffnen. Stattdessen sei er aufgefordert worden, vom Automaten einer Bank Bargeld zu besorgen. „Und das mit gebrochenem Zeh, nach einer Wartezeit von etwa sieben Stunden in der Notaufnahme und mitten in der Nacht gegen 1 Uhr“, sagt Ohlendorf empört.

Herbert Ohlendorf führt noch einmal vor, wie er über den Notrufknopf am Kassenautomaten den Sicherheitsdienst um Hilfe bat. Quelle: Ingo Rodriguez

Unverschämte Forderungen des Sicherheitsdienstes

Angesichts des rücksichtslosen Verhaltens und fehlender Hilfsbereitschaft ist er immer noch fassungslos. Ohlendorf war nach eigenen Angaben am Abend gegen 18 Uhr mit seinem Auto in das Klinikum gefahren, um sich in der Notaufnahme behandeln zu lassen. „Mir war zu Hause ein schweres Brett auf den Zeh gefallen“, erzählt er. Nachdem seine gebrochene Zehe mit einer Spezialbandage fixiert worden sei, habe er am Automaten gegen 0.30 Uhr schließlich nicht genügend Kleingeld dabeigehabt, um die Parkgebühren in Höhe von 4,50 Euro zu begleichen. Ihm sei es über die Sprechanlage und die Überwachungskamera nicht gelungen, den Protec-Mitarbeiter in der Zentrale in Hannover von seiner Notsituation zu überzeugen. „Ich war müde, hatte Schmerzen und wollte einfach nur schnell nach Hause fahren, um mich ins Bett zu legen“, sagt Ohlendorf. Stattdessen sei ihm vorgeschlagen worden, vom nächsten Geldautomaten am Steintor in Gehrden zu Fuß Bargeld zu holen. Die Schranke werde nicht ohne bezahltes Ticket geöffnet, hieß es. Ohlendorf nennt zwei weitere unverschämte Vorschläge des Protec-Mitarbeiters: „Ich sollte mir von jemandem Geld bringen lassen oder mir ein Taxi rufen.“

Mit gebrochenem Zeh zum Geldautomaten gehumpelt

Hilfe erhoffte sich der frühere Lehrer der Gehrdener Oberschule von dem anwesenden Mitarbeiter des gleichen Sicherheitsdienstes im Empfangsbereich der Krankenhauses. Dieser sei sehr hilfsbereit gewesen, sagt Ohlendorf. Die Schranke sei jedoch offenbar nur per Fernsteuerung aus der Protec-Zentrale in Hannover zu öffnen. „Darauf hatte aber auch der Protec-Mann im Klinikfoyer keinen Einfluss“, sagt der 65-jährige Rentner. Ohlendorf handelte schließlich an der Sprechanlage des Bezahlautomaten einen Kompromiss aus: „Ich musste am Anmeldetresen meinen Personalausweis hinterlassen, um mit meinem Auto vom Parkplatz und zur nächsten Bank zu fahren, und dann zum Geldautomaten humpeln“, erzählt er. Nach dem Bezahlen der Parkgebühren sei ihm dann im Klinikum der Ausweis wieder ausgehändigt und die Schranke endgültig für die Heimfahrt geöffnet worden.

Die Parkplatzschranke der Ausfahrt lässt sich nur mit einem bezahlten Parkticket öffnen. Quelle: Ingo Rodriguez

Protec äußert sich zu Anschuldigungen nicht

Die Parkplatzschranke der Ausfahrt lässt sich nur mit einem bezahlten Parkticket öffnen. Quelle: Ingo Rodriguez

Drei Wochen nach dem Vorfall ist Ohlendorf immer noch verärgert. Auf zwei Beschwerde-E-Mails an Protec habe er keine Antwort erhalten. Zwar habe sich inzwischen ein Mitarbeiter der Beschwerdestelle des Klinikums Robert Koch bei ihm entschuldigt und die Aufklärung des Falles versichert – die Sicherheitsfirma hat sich zu dem Vorfall bisher allerdings nicht geäußert.

Der Parkplatz des Klinikums Robert Koch Gehrden. Quelle: Ingo Rodriguez

Von Ingo Rodriguez

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