Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten „Wir versprechen nichts, was wir nicht halten können“
Region Gehrden Nachrichten „Wir versprechen nichts, was wir nicht halten können“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 20.01.2019
Jugendbürgermeister Emre Ölcen und seine Stellvertreterin Asli Saricam stehen an der Spitze des Jugendparlaments. Quelle: Dirk Wirausky
Gehrden

Von Amtsmüdigkeit ist nichts zu spüren. Nun gut, Emre Ölcen und Asli Saricam sind auch erst vor einem Jahr an die Spitze des Gehrdener Jugendparlaments gewählt worden, doch Jugendliche sind bekanntlich schnell ungeduldig. Doch die beiden Heranwachsenden sind realistisch. „Man darf nicht glauben, gleich die großen Projekt zu verwirklichen“, sagt der 18-jährige Emre. Es seien komplexe Zusammenhänge, die in bürokratischen Strukturen eingebettet seien. „Damit muss man sich abfinden; das gehört zu einer Demokratie“, betont der Jugendbürgermeister.

Seine 17-jährige Stellvertreterin musste sich daran erst gewöhnen. „Ich hatte anfangs den naiven Gedanken, es geht schnell“, sagt Asli. Überhaupt: So richtige Vorstellung über die politische Arbeit hatte sie nicht. „Es gab keine Zeit, sich auf die Aufgabe vorzubereiten“, sagt Asli. Plötzlich habe es geheißen, es wird ein Jugendparlament gegründet und dann standen schon die Wahlen an. Ein Wahlprogramm etwa gab es nicht.

Asli und Emre setzen sich realistische Ziele. „Wir wollen im Jugendparlament nichts versprechen, was wir am Ende nicht halten können“, sagt Emre. Projekte sollen in Ruhe vorbereitet werden. 2018 sei ein Jahr der Eingewöhnung gewesen. „Wir mussten erstmal Strukturen aufbauen, die formalen Abläufe begreifen und uns bekannt machen“, erzählt Emre. Schließlich habe es jahrelang kein Jugendparlament in Gehrden gegeben. So geduldig wie Emre und Asli waren nicht alle Jugendparlamentarier. Zwei sind bereits vorzeitig ausgeschieden, ein weiteres Mitglied hat seinen Austritt angekündigt. „Das hat aber auch mit der schulischen Belastung zu tun“, sagt Emre.

Von der Gruppe der Jungpolitiker ist Emre begeistert. „Wir sind nicht immer einer Meinung, aber wir sind eine engagierte Truppe“, berichtet der Schüler des Matthias-Claudius-Gymnasiums. Andererseits: Es könnten mehr sein. „Leider gibt es viele Jugendliche , die Forderungen stellen, aber nicht bereit sind, sich auch aktiv dafür einzusetzen“, bedauert Emre. Das Jugendparlament sei offen für alle Jugendlichen. „Wir freuen uns über Ideen und Anregungen“, sagt Emre.

Aktuelles Ziel ist es, einen Masterplan aufzubauen. Auf der Agenda steht unter anderem auch ein Platz, an dem sich Jugendliche ungezwungen treffen können. „So etwas fehlt im Stadtgebiet“, sagt Emre. Jugendliche würden überall weggeschickt. Verknüpft werden könnte so ein Treffpunkt mit einer Outdoor-Anlage. Das Problem: „Es ist nicht einfach, eine solche Fläche zu finden“, berichtet Emre. Bei der Realisierung hofft er auf die Unterstützung der Ratsmitglieder und der Stadt. Schließlich sei bei der Gründung des Jugendparlaments die aktive Hilfe zugesagt worden.

Emre und Asli sind ein eingespieltes Duo. Beide haben schon die Schülervertretung der Oberschule geleitet. Überhaupt die Zeit an der Oberschule: „Da haben wir schon Erfahrung sammeln können“, sagt Asli, die inzwischen die IGS Mühlenberg besucht. Und Emre gesteht: „An der Oberschule habe ich gelernt, Verantwortung zu übernehmen.“

Für zwei Jahre sind Asli und Emre gewählt worden, ihre Amtszeit endet also in knapp einem Jahr. „Wir wollen jetzt schon Werbung machen, damit sich möglichst viele Jugendliche zu einer Kandidatur entschließen“, sagen beide. Es sei wichtig, dass immer wieder Jungen und Mädchen nachrücken. Und: Das Jugendparlament müsse als Möglichkeit begriffen werden, die Interessen junger Menschen öffentlich zu machen. „Das Jugendparlament muss aber bekannter werden“, sagt Emre. Die monatlichen Sitzungen finden nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. „Das möchten wir ändern“, sagt Emre. So soll die Zusammenarbeit mit den Schulen intensiviert werden.

Asli und Emre macht die politische Arbeit Spaß. „Wir sind schon stolz auf diese ehrenamtliche Aufgabe“, sagt Emre. Für solch ein Amt müsse man aber auch leben und bereit sein, Zeit zu opfern. „Ohne Engagement geht es nicht“, sagt der 18-Jährige.

Ob Asli und Emre 2020 weitermachen, haben sie noch nicht entschieden. Beide können sich auch vorstellen, kommunalpolitisch zu arbeiten. „Wir gehören zur Generation Z und Ideen dieser Altersgruppe fehlen im Rat der Stadt“, meint Emre. Ein Problem haben Asli und Emre allerdings: „Wir haben noch keine Partei gefunden, die zu uns passt.“

Von Dirk Wirausky

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Umgestaltung des Marktplatzes in Gehrden kann voraussichtlich wie geplant im Sommer beginnen. Eine erste Abstimmung mit der Margarethengemeinde verlief harmonisch.

17.01.2019

Weil die Entsorgungsfirma Remondis nach Weihnachten und nach Neujahr die gelben Säcke in Gehrden und in Ronnenberg nicht wie angekündigt abgeholt hat, haben Cord Mittendorf und Stephanie Harms einen gemeinsamen Beschwerdebrief geschrieben.

20.01.2019

Bei der Jahresversammlung der Lenther SPD ist der ehemalige Ortsbürgermeister ausgezeichnet worden. Darüber hinaus wurde der Vorstand in seinem Amt bestätigt.

16.01.2019