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Region Gehrden Nachrichten Im Turmanbau sind schlüpfrige Reden erlaubt
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15:10 07.08.2018
Einfach drauflos plaudern: Die Besucher verfolgen amüsiert die Stegreifreden der Klubmitglieder aus Hannover. Quelle: Ingo Rodriguez
Gehrden

Wenn der Begriff „Dildo“ als Wort des Abends zur freizügigen Nutzung empfohlen wird, ist das sicherlich für festliche Ansprachen vor Publikum zunächst einmal etwas gewöhnungsbedürftig. Frivole Formulierungen sind aber keineswegs gesetzeswidrig – genau so wenig wie es ein Straftatbestand ist, der katholischen Kirche im Stegreif mit schlüpfrigen Anspielungen ein weniger verklemmtes Image zu verpassen. Trotzdem: Der Rhetorik-Klub Hannover Speakers nennt es „Verbotener Abend“, wenn sich seine Mitglieder treffen, um über Dinge zu sprechen, die möglicherweise nicht ganz jugendfrei oder etwas distanzlos sind. Für ihre neueste Auflage haben sich die Redner jetzt im Anbau des Burgbergturms getroffen und dort zahlreichen Besuchern einen unterhaltsamen Abend geboten: in einem historischen Gemäuer, ohne Tabus und nicht immer politisch korrekt.

Dominic Carillo erklärt den Begriff "Dildo" zum Wort des Abends. Quelle: Ingo Rodriguez

„Bei unseren wöchentlichen Treffen können wir die Themen der Stegreifreden und Ansprachen frei wählen. Nur über Sex, Religion und Politik sollte nicht gesprochen werden, um Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen nicht vor den Kopf zu stoßen“, erklärte der Moderator Daniel Pflieger in seiner Begrüßung noch einmal den Hintergrund des „Verbotenen Abends“. Immerhin sei der Klub aus Hannover seit seiner Gründung vor 17 Jahren mit seinen derzeit 58 Mitgliedern an die weltweit agierende Organisation „Toastmasters International“ angegliedert. Und diese gemeinnützige Organisation mit rund 16 000 Klubs sei einst aus dem Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) hervorgegangen. „Um voneinander zu lernen, wie sich freies Reden vor anderen Leuten verbessern lässt – möglichst ohne ’Ähms’ und mit Bewusstsein für Redezeiten“, sagte der Moderator.

Den Anbau des Burgbergturms hatten sich die Speaker bewusst als Plattform für ihren Tabubruch ausgesucht. „Eine Ruine, verborgen im Grünen: eine bessere Atmosphäre für verbotene Dinge gibt es nicht“, sagte der Moderator augenzwinkernd. Mit ihrer Aktion hatten die Speakers mehr Interesse geweckt, als sie erwartet hatten. Rund 25 Besucher waren gekommen – teilweise sogar mit Campingstühlen und Verpflegung für ein Gemeinschaftsbüfett. „Ich bin neugierig und will hören, was die Damen und Herren über Sex, Religion und Politik zu sagen haben“, begründete eine Frau aus Wennigsen ihren Besuch.

Chef-Sprecher: Moderator Daniel Pflieger und Speakers-Präsidentin Nina Weyman-Schulz begrüßen das Publikum und bitten zur Einstimmung zum Warm-Up-Foto. Quelle: Ingo Rodriguez

Dann bat Pflieger das Publikum mit der Speakers-Präsidentin Nina Weyman-Schulz zum gemeinsamen Warm-Up-Foto – zur Einstimmung auf vier etwa achtminütige Reden sowie kurze Stegreifreden mit Themenverteilung im Losverfahren, beobachtet von Füllwortzählern und Zeitnehmern für eine abschließenden Bewertung von Stil, und Körpersprache. Offenbar macht sich dieser Aufwand für die Mitglieder bezahlt: „Das Training gibt Raum zum Experimentieren. Reden halte ich inzwischen ohne Lampenfieber“, sagt Pflieger am Rande der ersten Wortbeiträge. Der Anteil seiner „Ähms“ sei von etwa 35 auf nur noch zwei pro Rede gesunken. „Das ist ein guter Gradmesser.“ Als Messinstrument taugte auch der erste Applaus. Der Speaker Daniel Jeschke hatte zuvor für die Erfindung des Dildos im Mittelalter eine eigenwillige Begründung vorgetragen: Das Holzgerät sei einst erschaffen worden, um Frauen von der Hysterie zu befreien – sagte Jeschke schlüpfrig, grinste frech und genoss den langen Beifall.

Warm-Up gegen Lampenfieber: Die Redner und Besucher stimmen sich gemeinsam mit einem Begrüßungsfoto auf das Abendprogramm ein. Quelle: Ingo Rodriguez

Von Ingo Rodriguez

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