Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Historische Mauer bleibt notgedrungen beschmiert
Region Gehrden Nachrichten Historische Mauer bleibt notgedrungen beschmiert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:06 25.03.2019
Die Farbschmierereien an der Sandsteinmauer des Rittergutes lassen sich kaum entfernen, ohne das historische Bauwerk aus dem 19. Jahrhundert erheblich zu beschädigen. Quelle: Ingo Rodriguez
Anzeige
Lemmie

Immer wieder kommt es am S-Bahnhof in Lemmie zu Fahrraddiebstählen und Vandalismus. Sogar ein Ticketautomat wurde dort in jüngerer Vergangenheit schon aufgesprengt. Seit Jahren bezeichnet der Ortsrat den Standort rund um den Haltepunkt deshalb als Kriminalitätsschwerpunkt und bemüht sich für den S-Bahnhof um eine abschließbare Fahrradbox. Die Liste der mutwillig verursachten Schäden ist jetzt aber erst einmal um eine vorerst bleibende Verunstaltung länger geworden. Zwar ist es schon gut fünf Monate her, dass die historische Sandsteinmauer des angrenzenden Rittergutes von unbekannten Sprayern mit Farbe beschmiert wurde. An den Anblick des verschandelten Baudenkmals werden sich die Eigentümer, Dorfbewohner und Zugreisende aber offenbar gewöhnen müssen. Das hat jetzt die Familie von Wedemeyer von dem Rittergut berichtet. „Die Schmiererei lässt sich nicht mit einem Hochdruckreiniger oder chemischen Mitteln entfernen, ohne das Mauerwerk erheblich zu beschädigen“, sagt Oda von Wedemeyer.

Fachmännische Reparatur der Mauer ist kaum zu bezahlen

Ein erheblicher Schaden ist nach Einschätzung der Eigentümer auch die Farbschmiererei: „Übliche Gemäuerreinigungen mit Hochdruck oder Chemie würden die Fugen aufweichen und möglicherweise dafür sorgen, dass die Mauer zusammenfällt“, sagt von Wedemeyer. Der denkmalgeschützte Sandsteinbau sei im 19. Jahrhundert von ihrem Großvater errichtet worden. „Um das Farbspray risikolos zu entfernen, wäre es notwendig, die beschmierten Steine fachmännisch und manuell abzuschleifen und später auch die Fugen sorgsam auszubessern“, sagt von Wedemeyer. Dies sei aber äußerst aufwändig und kaum zu bezahlen – zumal die Mauer im Süden und im Osten immer wieder für Schmierereien missbraucht werde. Der Bereich sei schwer zu überwachen. Nur einmal seien bislang Jugendliche von der Polizei auf frischer Tat ertappt worden. „Sie wurden strafrechtlich belangt, aber konnten keinen Schadensersatz bezahlen“, erzählt die Hausherrin.

Anzeige
An einigen Stellen sind die Farbschmierereien an der Sandsteinmauer schon leicht verwittert und ausgebleicht. Quelle: Ingo Rodriguez

Professionelle Graffiti-Kunst als Notlösung

Eine Ausnahme sei bislang auch eine persönlich erledigte Reinigung beschmierter Mauerteile gewesen. Nur einmal habe sie vor längerer Zeit einen ganzen Vormittag lang mühsam kleinere Schmierereien mit einem Schleifstein weggeschrubbt. „Das waren rote Hakenkreuze, die wollte ich nicht stehen lassen“, sagt von Wedemeyer. An anderen beschmierten Stellen spiele der Familie die Zeit in die Karten. „Manche Farbreste sind schon leicht verwittert und ausgebleicht“, sagt von Wedemeyer. Außer einer besseren Überwachung spielt sie für die jüngst besonders großflächig besprühte Mauer auch noch mit einem anderen Gedanken. „Vielleicht lassen wir das von einem professionellen Graffiti-Künstler mit einem idyllischen Motiv übermalen“, sagt sie.

Die Farbschmierereien lassen sich kaum entfernen, ohne das historische Bauwerk zu beschädigen. Quelle: Ingo Rodriguez

Ortsbürgermeister ist empört

Für Ortsbürgermeister Hilmar Rump sind die vorsätzlich begangenen Zerstörungen im Süden des Dorfes auch eine Begleiterscheinung des S-Bahnhofs: „Es ist eine Schweinerei, dass so etwas immer wieder passiert“, schimpft er. Seiner Einschätzung nach kommen die Verursacher der Schäden aber nicht aus Lemmie oder dem benachbarten Sorsum. „Die kommen von auswärts mit der S-Bahn und hauen dann auch mit dem nächsten Zug schnell wieder ab“, glaubt Rump.

Wunsch des Ortsrates: Am S-Bahnhof soll etwa 30 Meter von den vorhandenen Fahrradbügeln entfernt eine abschließbare Fahrradbox errichtet werden – aus Sicherheitsgründen. Quelle: Ingo Rodriguez

Von Ingo Rodriguez