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Nachrichten Bäckermeister Weiß: „Für den Job bin ich nie zu müde“
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Gehrden: Eine Stunde mit Bäckermeister Weiß

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10:58 01.02.2021
Wenn die meisten Menschen schlafen: Alexander Weiß produziert gegen Mitternacht die Backwaren für den nächsten Tag.
Wenn die meisten Menschen schlafen: Alexander Weiß produziert gegen Mitternacht die Backwaren für den nächsten Tag. Quelle: Ingo Rodriguez
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Gehrden

Es ist kurz vor Mitternacht. Alexander Weiß holt in seiner Gehrdener Backstube die ersten Bleche mit frisch gebackenen Brötchen aus dem heißen Ofen. „Die werden schon gegen 5.30 Uhr verkauft“, sagt der 47-jährige Bäckermeister. Aus der Tür des geöffneten Ofens strömt köstlich riechender Dampf, als Weiß die Ware zum Abkühlen in einer Ecke platziert.

Der Inhaber der Traditionsbäckerei Weiß an der Nordstraße arbeitet, wenn die meisten Menschen schlafen. Sein Arbeitstag beginnt gegen 22.30 Uhr. „Ich lege mich vorher immer noch eine Stunde ins Bett“, sagt Weiß. Außerdem schlafe er nach der Arbeit nachmittags von 13 bis 16 Uhr drei Stunden. Mit insgesamt vier bis fünf Stunden Schlaf komme er problemlos aus. „Wenn ich in der Backstube ankomme, bin ich hellwach. Ich habe einfach Bock auf den Job“, sagt der Gehrdener.

Alexander Weiß (Mitte) arbeitet nachts mit seinem Neffen Christoph Weiß und Manuela Humborg zu dritt in der Backstube. Quelle: Ingo Rodriguez

Traumberuf Bäcker

Weiß hat den 1968 gegründeten Familienbetrieb im Jahr 2000 mit seinen beiden Brüdern von Vater Uwe übernommen. 1995 hatte er die Meisterschule abgeschlossen. Seit dem Ausstieg der Brüder 2015 führt er mit seiner Frau Inga und insgesamt zwölf Mitarbeitern das Geschäft. Es sei ihm bereits als Kind klar gewesen, dass er auch Bäcker werden wolle, sagt der 47-Jährige. „Ich habe als Fünfjähriger schon gerne nachts in der Backstube geholfen“, erzählt er.

In der ersten Klasse sei er dafür bekannt gewesen, gelegentlich im Unterricht einzuschlafen, sagt Weiß und lacht. In der Gehrdener Realschule hat er zwar in der 9. Klasse ein Praktikum als Kfz-Mechaniker gemacht. „Für mich ist aber nie ein anderer Beruf als Bäcker in Frage gekommen“, sagt Weiß. Dabei habe ihn sein inzwischen verstorbener Vater früher nie gedrängt. Dieser bleibt sein Vorbild. Er habe den Laden mit seinen Spezialitäten bekannt gemacht. „Seine handgewickelten Hörnchen mit süßer Füllung gibt es in Gehrden schon seit 1968“, sagt Weiß. Das Rezept bleibe aber geheim.

Alexander Weiß produziert nachts die Waren für den nächsten Tag. Quelle: Privat

Weiß ist auch in dieser Nacht mit Gesellin Manuela Humborg und seinem ebenfalls ausgelernten Neffen Christoph Weiß zu dritt in der Backstube hinter dem Ladengeschäft. Sie bereiten die Waren für den nächsten Tag vor. „Gegen 4 Uhr morgens kommt eine Abpackhilfe dazu“, sagt der Chef. In der Backstube riecht es nach frischem Teig. Pro Tag verkauft das Traditionsgeschäft laut Weiß unter anderem bis zu 200 Brote, etwa 1500 Brötchen und rund 600 süße Hörnchen.

Der 47-Jährige holt einen Wagen mit Teigblechen aus dem Garraum und wirft einen Blick auf die Bestellliste. Ein Betrieb hat 70 Kuchen in Auftrag gegeben. Verkaufsschlager sei aber das Burgberg-Gersterbrot – ebenfalls nach einem Rezept seines Vaters.

Nachfrage ist gestiegen

Es ist nicht lange her, dass der Firmeninhaber und seine Gesellen erst gegen 2 Uhr morgens ihren Arbeitstag begonnen haben. „Die Produktion haben wir vorgezogen, weil die Nachfrage im Laden schon gegen 5.30 Uhr sehr groß ist“, sagt Weiß. Dann holen sich bei ihm Krankenschwestern und Schichtarbeiter bereits ihre Brötchen oder Kuchen für den Nachmittag. Deshalb müsse das gesamte Sortiment zur Verfügung stehen.

Sonntag gehört der Familie

Gegen 9 Uhr morgens stehen für den Bäckermeister noch drei bis vier Stunden Bürotätigkeiten auf dem Programm, bevor sein Arbeitstag gegen 13 Uhr endet. Diese Zeiten stören ihn nicht. Der Laden sei ja sonntags geschlossen. An jedem Sonnabend könne er also auch abends private Dinge unternehmen. Früher habe er viel Party gemacht und dann ausgeschlafen. „Heute gehört der Sonntag der Familie“, so Weiß. Mit seiner Frau und den 15 und 17 Jahre alten Söhnen mache er gern Wohnwagenurlaub. Nach der Arbeit geht Weiß auch oft noch ein paar Bahnen schwimmen – zumindest vor der Corona-Pandemie. Immerhin ist sein Geschäft kaum von der Krise betroffen. „Wir müssen bei der Arbeit Masken tragen“, sagt Weiß.

Waren sollen frisch sein

Von der beruflichen Leidenschaft des 47-Jährigen werden die Kunden auch künftig nur am Standort in Gehrden profitieren. Angebote, weitere Filialen zu eröffnen oder Hotels zu beliefern, will Weiß weiterhin ablehnen. „Nur mit einem Laden und der Backstube direkt dahinter kann ich die Frische der Waren garantieren“, betont der Gehrdener. Mit seinem Neffen stehe für die Zukunft auch schon ein möglicher Nachfolger für das Geschäft in den Startlöchern.

Von Ingo Rodriguez