Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Der Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg
Region Gehrden Nachrichten Der Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 26.11.2018
Lange Schlangen bilden sich vor der Bäckerei Pook in Gehrden. Quelle: Privat
Anzeige
Gehrden

“1945 – das war eine schlimme Zeit für unser Land und auch für Gehrden“, schreiben Hartmut Neumann und Helmuth Temps im neuen Heft des Heimatbundes. Und für die Menschen gab es eine Menge ungeklärter Fragen. Die zentrale Frage lautete: „Wie geht es jetzt weiter?“. Das ist auch der Titel der aktuellen Ausgabe, die sich mit dem Neuanfang 1945 bis 1948 befasst. Die beiden Autoren spannen einen Bogen vom Beginn der Besatzung am Burgberg über die ersten Gemeindewahlen (1946) bis hin zur Währungsreform (1948) . „Wir machen in dem Heft keine Weltpolitik“, sagt Neumann; vielmehr werden die Sorgen, Ängste und Nöte in Gehrden betrachtet. Im Blick haben Neumann und Temps dabei das persönliche Befinden der Bürger, die Wohnungssituation durch den Zuzug von Vertriebenen und Flüchtlingen, die problematische Lebensmittelversorgung. der Umgang mit der Schuldfrage oder aber den Kontakt zu den Besatzern. „Die Menschen haben damals geglaubt, dass es Generationen dauern wird, bis das Land wieder aufgebaut ist“, meint Neumann. Dass dieser Neustart trotz des großen menschlichen Leids schneller gelungen sei, zeige auch die Kraft dieser Zeit, sagt Neumann.

In Gehrden endete der Zweite Weltkrieg Anfang April. Am 9. April 1945 kamen die alliierten Truppen in die Stadt. „Die Kettenfahrzeuge und Panzer standen aufgereiht am Steintor und auch vor dem Rathaus“, erinnert sich beispielsweise der Zeitzeuge Georg Weber. Mit Benzinkochern hätten sich die Amerikaner ihre warme Mahlzeit zubereitet, erzählt er. Vereinzelt hingen aus den Fenstern weiße Bettlaken. Es ist gleichzeitig der Beginn der Besatzungszeit in Gehrden.

Anzeige

Und genau dort setzen Neumann und Temps, die bereits ein Heft über die Zeit der nationalsozialistischen Diktatur von 1933 und 1945 und deren Auswirkung auf Gehrden herausgegeben haben, ein. Sie haben Archivmaterial und Zeitzeugenberichte gesammelt und auf knapp 60 Seiten zusammengetragen. „Die Erzählungen der Zeitzeugen sind besonders eindrucksvoll“, sagen sie. Doch es soll nicht nur die Situation in den Nachkriegsjahren erzählt werden; Neumann hat noch eine weitere Intention. „Die Menschen sollen verstehen, dass es keineswegs selbstverständlich ist, wie wir heute leben“, sagt er.

Die inzwischen 49. Ausgabe der historischen Reihe Gelben Hefte des Heimatbundes kostet 5 Euro. Erhältlich ist sie ab sofort bei Kusche am Steinweg.

Von Dirk Wirausky