Wertstoffinsel Hechtkamp in Garbsen-Berenbostel: Reinigungsfirma Saubermänner plädiert für mehr Container
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Wertstoffinsel Hechtkamp in Garbsen-Berenbostel: Reinigungsfirma Saubermänner plädiert für mehr Container

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19:06 24.01.2021
Jean-Pierre Eickemeier bringt die abgestellten Müllsäcke und Kartons zum Extra-Container für die Wochenendeinsätze.
Jean-Pierre Eickemeier bringt die abgestellten Müllsäcke und Kartons zum Extra-Container für die Wochenendeinsätze. Quelle: Ingo Rodriguez
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Berenbostel

Es ist kein schöner Anblick, der sich Jean-Pierre Eickemeier von der Reinigungsfirma Saubermänner am Sonnabendmorgen bei seiner Ankunft an der Wertstoffinsel in Berenbostel bietet: überquellende Container, Kartonstapel mit Styroporeinlagen, illegal abgestellter Haus-, Rest- und Sperrmüll, alte Elektrogeräte. Der 31-Jährige ist zwar allein am Hechtkamp im Einsatz. Trotzdem bleibt er gelassen. „Ich verschaffe mir freitags am Abend immer schon einen Eindruck“, sagt Eickemeier. Und sonntags sehe es dann meistens schlimmer aus als Sonnabend, weiß er aus Erfahrung.

Anwohner klagen seit Jahren über wilden Müll

Über den vermüllten Zustand rund um die Container klagen Anwohner und Nutzer schon seit Jahren – vor allem der benachbarte Sportverein und ein angrenzendes Restaurant. Deshalb hat die Stadt Garbsen Mitte Dezember die Firma aus Hannover engagiert. Die Wertstoffinsel wird nun von Mitarbeiter Eickemeier an den Wochenenden zusätzlich aufgeräumt. Zwar werden die sieben Altpapier- und sechs Glascontainer vom Betreiber der Sammelstelle, dem Unternehmen Abfallwirtschaft Region Hannover (Aha), regelmäßig geleert, und der Standort wird an jedem Werktag auch gereinigt. Außerdem ist die Stadt für die Leerung der drei Altkleidertonnen und die Flächen auf dem öffentlichen Parkplatz zuständig. Trotzdem hat Eickemeier wieder viel zu tun.

Jean-Pierre Eickemeier kommt immer wieder mit Anwohnern ins Gespräch. Quelle: Ingo Rodriguez

Alle zwei Wochen sieben Kubikmeter illegaler Müll

„Bis der Platz aufgeräumt ist, brauche ich etwa 30 bis 60 Minuten“, sagt er. Seine Firma hat neben der Wertstoffinsel einen verschließbaren zusätzlichen Container aufgestellt. Die illegal abgestellten Tüten mit Haus- und Restmüll, aber auch die vor den randvollen Containern aufgestapelten Kartons wirft Eickemeier dort hinein. Zwar befindet sich im Nachbarort Osterwald ein Wertstoffhof. „Unser Extra-Container am Hechtkamp wird trotzdem alle 14 Tage abgeholt – voll mit etwa sieben Kubikmeter illegalem Müll“, berichtet Eickemeier. Es sei offenbar bequemer, den Müll unabhängig von den Öffnungszeiten des Wertstoffhofs neben die vollen Container zu stellen.

Fundstück des Tages ist ein alter Wasserkocher. Eine Waschmaschine hat Eickemeier auch schon gefunden – gewerblichen Abfall selten. „Manchmal sind Gefahrstoffe wie Lackreste dabei“, sagt er und zeigt auf eine Tüte mit Tapetenresten. „Das ist kein Altpapier – bestenfalls Restmüll“, erklärt der 31-Jährige. Kürzlich habe er neben einem Behälter auch Ratten gesehen.

Jean-Pierre Eickemeier hinterlässt die Wertstoffinsel nach seinen Einsätzen besenrein. Quelle: Ingo Rodriguez

Während der 31-Jährige aufräumt und fegt – er hinterlässt den Platz immer besenrein –, kommen im Fünfminutentakt Autofahrer und laden ab. „Wenn sie mich sehen, zerkleinern sie ihr Altpapier, damit es noch in die vollen Container passt“, berichtet der Standortreiniger. Es fehle aber an dem schlecht einsehbaren Platz die soziale Kontrolle. Eine Autofahrerin habe mit einer Matratze im Wagenrückraum angehalten und sei erst wieder weggefahren, als sie ihn gesehen habe. Einen Tag später habe die Matratze trotzdem neben einem Container gelegen.

An der Wertstoffinsel am Hechtkamp in Berenbostel ist seit Mitte Dezember zusätzlich eine private Reinigungsfirma an den Wochenenden im Einsatz. Der Platz sieht dann sauber aus – aber nur kurz.

Notiz am Rande: Trotz der bekannten Problematik hatten Aha und die Stadt einer Verlegung des Standortes mangels geeigneter Alternativen bislang immer eine Absage erteilt. Eine Kameraüberwachung hatte der Rat der Stadt kürzlich aus Datenschutzgründen abgelehnt. Ein Schild mit der Androhung von Geldbußen und dem zur Abschreckung ergänzten Hinweis auf Videoüberwachung zeigt keinerlei Wirkung.

Der gerade erst geleerte Container der Reinigungsfirma ist nach der Aufräumaktion fast wieder voll. Quelle: Ingo Rodriguez

„Manche Leute denken auch, ihr Verhalten wäre legal, weil der Müll immer abgeholt wird“, sagt Eickemeier. Er komme immer wieder mit Nutzern ins Gespräch und leiste Aufklärungsarbeit. Der 31-Jährige nennt ein weiteres Problem: Müllsammler, die Brauchbares suchen. „Wenn die Altkleidercontainer voll sind, werden die abgestellten Tüten aufgerissen und die Kleider auf dem ganzen Platz verteilt“, berichtet der Fachmann.

Testprojekt: Firma empfiehlt weitere Container

Laut Eickemeier ist die Wertstoffinsel in Berenbostel der einzige Platz mit Sammelcontainern, den seine Firma zusätzlich reinigt. Ein Jahr soll das von der Stadt beauftragte Projekt demnach zunächst dauern. Laut Verwaltung investiert die Stadt 800 Euro pro Monat, um die Wirkung zu testen. Eickemeier hat bereits Lösungsvorschläge, um den Standort sauberer zu halten: „Es könnten zusätzliche Container für gelbe Säcke, Verpackungs- und Restmüll aufgestellt werden“, sagt er. Genug Platz sei vorhanden. Weil wegen des zunehmenden Versandhandels viel mehr Kartons entsorgt würden, könnten auch mehr Altpapiercontainer wilde Stapel verhindern. Eine Ausleuchtung des Platzes würde nicht helfen, meint er. „Das sieht trotzdem keiner.“ Er bringt stattdessen systematische Kontrollen und Müllsheriffs ins Gespräch.

Jean-Pierre Eickemeier hat ganze Arbeit geleistet Quelle: Ingo Rodriguez

Am Ende seines Einsatzes macht Eikemeier ein Handyfoto, um seine Arbeit zu dokumentieren. Die Wertstoffinsel sei sein einziger Wochenendeinsatz und für die Firma eher ein ungewöhnlicher Auftrag. „Wir setzen uns aber für ein sauberes Ortsbild ein und wollen die Bemühungen darum unterstützen“, stellt der 31-Jährige klar.

Von Ingo Rodriguez